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Kevin Ashton Bild: Archiv

Tech-Pionier Ashton : „2050 werden wir nicht mehr selbst Auto fahren dürfen“

Der Tech-Pionier Kevin Ashton hat den Begriff „Internet der Dinge“ erfunden. Hier spricht er über selbstfahrende Autos und über eine große Furcht der Menschen: Werden intelligente Maschinen zu unbeherrschbaren Monstern?

          Herr Ashton, Sie haben schon Ende der 90er Jahre den Begriff „Internet der Dinge“ erfunden. Was ist das?

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist jedenfalls nicht nur der Kühlschrank, der mir auf meinem Handy mitteilt, dass die Milch aus ist, sondern viel mehr als das.

          Nämlich?

          Das „Internet der Dinge“ ist die Weiterentwicklung des Internets, bei der alltägliche Gegenstände in die Lage versetzt werden, Daten zu senden und zu empfangen. Das funktioniert mit Hilfe von Sensoren, also mit Mikros, Kameras, GPS, mit Chips wie auf den Kreditkarten oder mit Body-Tags. Die Sensoren werden mit dem Internet verbunden. Denn die Daten, die sie sammeln, müssen analysiert werden, um zu wissen, was um uns herum passiert, und um Vorhersagen darüber zu treffen, was noch passieren wird.

          Das ist logisch, aber nicht wirklich revolutionär.

          O doch. Das merken Sie schon daran, dass Menschen meiner Generation noch immer nicht richtig verstehen, worum es sich beim „Internet der Dinge“ handelt. Wir sind mit den Computern des 20. Jahrhunderts aufgewachsen. Diese Computer hatten Tastaturen, über die wir sie mit allerlei Informationen manuell gefüttert haben. Die Computer halfen uns dabei, Excel-Tabellen zu erstellen, aus denen wir etwas herauslasen. Heute verarbeitet der Computer die Daten selbst. Also: Er besorgt sich die Informationen, verarbeitet sie und lernt daraus. Darin liegt der Paradigmenwechsel. Solche Computer sind viel mächtiger als die, die von Menschen und Tastaturen abhängen.

          Warum ist das so nützlich?

          Der Beitrag der Sensoren und Computer ist, dass wir Dinge sehr viel effizienter produzieren, transportieren und verteilen können. Um es konkret zu machen: 1997 arbeitete ich als Produktmanager für Procter & Gamble. Wir hatten in einer neuen Farbserie einen Lippenstift, der unglaublich beliebt, aber vielfach ausverkauft war. Die hohen Umsätze, die wir uns erhofft hatten, blieben aus, weil er oft gar nicht zu bekommen war. Ich beschloss, eine ganze Armee von Mitarbeitern mit Stift und Klemmbrettern durch alle englischen Kaufhäuser zu schicken, um dem nachzugehen. Mit Stiften trugen sie in Listen ein, wo der Lippenstift gerade zu bekommen war und wo nicht. Anschließend gaben wir die Daten in den Computer ein und mussten feststellen, dass im Durchschnitt vier von zehn Läden diesen so beliebten Lippenstift nicht anboten. Mir wurde schlagartig klar, dass wir ein veritables Informationsproblem hatten. Unsere Computer hatten zwar ein Gehirn, konnten aber nichts wahrnehmen. Absurderweise dachten wir damals aber schon alle, dass wir im Informationszeitalter angekommen seien. Dabei waren wir weit davon entfernt.

          Und dann?

          Ich kam auf die Idee, winzige Funkchips in die Lippenstifte einzusetzen. Die Chips stellten eine Verbindung zum Internet her. Und fortan wussten wir, welches Kaufhaus über wie viele unserer Lippenstifte verfügte. Das Informationsproblem war gelöst. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es mal anders war.

          Wie kam der Begriff schließlich in die Welt?

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