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Autonom fahrender Smart Fortwo : Hier fährt der Fahrer nicht

  • -Aktualisiert am

Anschnallen und die Begleitung begrüßen: Dieser Smart Fortwo fährt auf vorgegebenen Wegen durch Tokio. Lenkrad und Pedale fehlen, aber viel Kommunikationstechnik ist an Bord. Bild: F.A.S.

Ein Prototyp des Smart Fortwo bewegt sich ohne Lenkrad und Pedale durch Tokio. Noch ist das eine Studie. Doch wir durften eine Testfahrt wagen. Wie hat es sich angefühlt?

          Als eine der größten Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts gilt die individuelle Mobilität der Menschen durch die weltweite Verfügbarkeit des Automobils. Sie ist zu einem wesentlichen Teil unserer selbstbestimmten Freiheit avanciert. Doch genau diese Lebensqualität sehen Kritiker eines fundamentalen Paradigmenwechsels in der Zukunft durch selbstfahrende Automobile gefährdet. Wird tatsächlich unsere automobile Selbstbestimmung aufs Spiel gesetzt?

          Wir suchen eine Antwort im Selbstversuch, besteigen das erste autonom fahrende Taxi in einer der quirligsten Großstädte der Welt, in Tokio. Der Zweisitzer stammt nicht von einem IT-Giganten wie Google oder Apple aus dem Silicon Valley, sondern vom Erfinder des Automobils. Von Daimler aus dem eher beschaulichen Sindelfingen.

          Kein Lenkrad vorhanden

          Einen elektrisch angetriebenen Smart Fortwo haben die schwäbischen Techniker mit einer Kohlefaserkarosserie überbaut, mit spezieller Kommunikationstechnik, Radar und kameragestützter Sensorik hochgerüstet und uns zu einer Mitfahrt auf einer ausgewählten und kartographierten Route eingeladen. Nur unter engen Vorgaben funktioniert die automatische Fahrt, aber immerhin. Wir besteigen die Studie und sammeln, autonom fahrend nach dem höchsten angestrebten Level 5, Eindrücke einer neuen Welt. Das ganze könnte in etwa zehn Jahren serienreif sein, lassen die Daimler-Ingenieure wissen.

          Autonomes Fahren: Wie ein Taxi holt der Smart seine Passagiere ab.
          Autonomes Fahren: Wie ein Taxi holt der Smart seine Passagiere ab. : Bild: F.A.S.

          Lautlos fährt der Smart EQ vor, zwinkert mit LED-Displays, und eine Anzeige auf der Frontschürze schreibt den Gruß: „Hello Kate!“ Zugleich erscheint Kates Profilbild auf jener Seite, auf der die Dame zusteigen soll. Doch Kate ist nicht hier, wir möchten mitfahren. Es sei leider keine Zeit mehr gewesen, unser Profilbild zu programmieren, entschuldigen sich die Techniker.

          Wir nehmen Kates Platz ein und verstehen: Die Gondel ist ein Taxi, gekommen, um den Fahrgast abzuholen. Von einer weißen Lederbank blicken wir auf zum Himmel Tokios. Das Dach des Smart EQ ist komplett verglast. Wir strecken die Beine aus und suchen eine Armaturentafel. Es gibt keine. Auch ein Lenkrad ist nicht verbaut, weder Handschuhfach noch Schalter noch Tasten. Im Blickfeld stattdessen ein superbreiter Bildschirm, der die Windschutzscheibe unterbaut. Über seine berührungsempfindliche Oberfläche steuern wir das Klima, surfen im Internet oder wählen ein Unterhaltungsprogramm aus. Zum Fahren bedarf es unserer Aufmerksamkeit nicht. Der Zweisitzer beschleunigt sanft.

          Aufpasser mit Funksteuerung in Sichtweite

          Wie sich der Smart EQ im komplexen Verkehrsgeschehen orientiert, teilt er uns nicht mit. Und das ist gut so, denn die vielfältigen, irrwitzig schnellen Erkennungs-, Entscheidungs- und Steuerungsprozesse könnten skeptische Geister verunsichern. Stereokameras in der Windschutzscheibe und am Heck erfassen voraus- und zurückschauend die entfernten Räume und bilden ab, was auf und neben der Straße geschieht. Fußgänger, Fahrradfahrer, Kinderwagen, Hunde, aber auch Mülltonnen und ein „ausgebüchster“ Fußball werden erkannt. Alle Kamerabilder werden in den Zentralrechner des Autopiloten eingespeist und verdichtet, dazu kommen die Daten der ungezählten Sensoren. Von „Sensor Fusion“ und selbstlernenden Mustern sprechen die Daimler-Ingenieure.

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