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FAZ.NET-Interview zu KI : „Die betrachten ein Auto wie ein Smartphone“

Bild: FAZ.NET

Ramin Assadollahi setzt auf Künstliche Intelligenz. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt er, welche Chancen die Deutschen haben, wann Perfektion ein Problem ist und was die Amerikaner besser machen.

          Die Prophezeiungen, wie sehr Künstliche Intelligenz (KI) Wirtschaft und Gesellschaft verändern werden, scheuen auch große Vergleiche nicht. Der Google-Vorstandsvorsitzende Sundar Pichai oder der KI-Pionier Andrew Ng sagen etwa voraus, dass die Umwälzungen so umfangreich sein werden wie infolge der Elektrizität vor hundert Jahren –  mindestens.

          Alexander Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Grundsätzlich ist Künstliche Intelligenz eine Art Infrastruktur“, sagt auch der deutsche Wissenschaftler und Unternehmer Ramin Assadollahi und ergänzt: „Sie ist ein Technologie-Paket, das aus verschiedenen Methoden besteht, Dinge besser zu machen oder kostengünstiger oder explorativer.“ Und ist sich sicher: „Sie wird überall mit hineinrutschen, wie etwa Alexa. Dass ich mit meinem Haus rede, wird nicht mehr aufzuhalten sein, weil die Vorteile die Nachteile von Datenschutz offensichtlich für den Markt aufwiegen. Ich glaube, dass wir KI sehr weit in das Leben bringen.“

          Konkurrent für IBM-Watson

          Assadollahi tüftelt selbst an immer schlaueren Computerprogrammen. Der in Teheran geborene Computerlinguist hat lange erforscht, wie das menschliche Gehirn funktioniert, wie es Sprache aufnimmt und verarbeitet – und daraus bereits erfolgreich Produkte gemacht. Mit seiner Unternehmung ExB Labs erfand er eine Software, die aus einer Abfolge von Wörtern versucht, das nächste Wort richtig vorherzusagen (Next-Word-Prediction). Das daraus hervorgegangene Patent verkaufte er im Jahr 2010 an den finnischen Handyhersteller Nokia. Die Technik ist auf unzähligen Mobiltelefonen im Einsatz; sie erleichtert es, Nachrichten zu schreiben, ist so etwas wie einer Erweiterung der Wortvervollständigung.

          Derzeit arbeitet Assadollahi an Software, die beispielsweise medizinische Fachartikel lesen, verstehen und vergleichen können soll – und sieht sich hier als Konkurrent etwa des berühmten IBM-Computers Watson. Der Sinn eines solchen Angebotes erschließt sich schnell: Die Zahl der Fachartikel in der Medizin wächst und wächst, dem einzelnen Experten fällt immer schwerer, den Überblick zu behalten über Neuerungen in seinem Gebiet. Ein lernfähiger Computer kann ihm helfen, ihn aufmerksam machen auf verschiedene Anwendungen bestimmter Wirkstoffe und Verfahren etwa.

          Zudem entwickelt Assadollahi mit seinen Mitarbeitern Software für und mit Autoherstellern, darunter etwa Audi. Wenn es um die Autobranche geht, dann ist seiner Ansicht nach übrigens nicht das autonome Fahren die langfristig größte Herausforderung, sondern anderer Fahrkomfort. „Wenn ich zum Beispiel ein selbstfahrendes Auto von BMW oder Mercedes habe, wird sich das Fahrverhalten nicht so stark differenzieren, weil das Auto von selber fährt“, sagt Assadollahi: „Das, was die Marke ausmacht und wie sich ein Auto anfühlt, das wird zunehmend von innen gemacht. Wie fühlt es sich an, wie erklärt es mir Sachen, dass es etwa gerade diese Route fährt und nicht eine andere, wie versteht es, warum es mich zu diesem Restaurant fahren will oder mir jenen Film zeigt.“

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