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Künstliche Intelligenz : Google-Manager Eric Schmidt warnt vor China

Eric Schmidt Bild: EPA

China will die Weltmacht der Künstlichen Intelligenz werden. Den Plan Pekings solle bloß niemand unterschätzen, mahnt der frühere Google-Chef. Und sagt auch, was Amerika tun sollte – manches wird Donald Trump nicht gefallen.

          Eric Schmidt ist gerade in Sachen Künstliche Intelligenz unterwegs. Der frühere Google-Chef, der mittlerweile Vorsitzender der Dachgesellschaft Alphabet ist, war kürzlich in Kanada und hat gemeinsam mit dem Premierminister Justin Trudeau eine wichtige Initiative vorgestellt - es geht um nicht weniger als eine „intelligente Stadt“. Im Sommer teilte Google außerdem mit, eine Forschergruppe seines KI-Teams in Toronto anzusiedeln. Geleitet wird sie vom renommierten Informatiker Geoffrey Hinton, der den gerade angesagten Methoden in diesem Bereich maßgeblich den Weg bereitete - und den Google wie so viele andere KI-Experten längst angeheuert hat.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie sehr sogar die Entscheider in einem führenden Technologieunternehmen wie Alphabet die Chancen unterschätzt haben, die sich aus dem Zusammenspiel rasant wachsender Datenmengen, schnellerer Rechner und verfeinerter KI-Modelle ergeben, das gab wiederum Eric Schmidt unlängst ganz freimütig zu. „Als wir Peter anstellten, war mir nicht bewusst, dass er ein KI-Forscher ist, er war einfach ein brillanter Forscher. Das zeigt, wie wenig wir verstanden von den Konsequenzen, die sich daraus ergaben, die führenden Forscher (in diesem Bereich) zu haben. Wir dachten nicht, dass sich das so auswirkt“, sagte er während einer Diskussionsrunde. Mit „Peter“ meinte er Peter Norvig, einen ehemaligen Informatik-Professor, der das Standardlehrbuch über Künstliche Intelligenz geschrieben hat, leitender Wissenschaftler der Weltraumbehörde Nasa war und nunmehr seit 16 Jahren für Google arbeitet.

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          „Ich will, dass sie für Google arbeiten“

          Nun hat Eric Schmidt nicht nur das von ihm mit geführte Unternehmen, sondern die Vereinigten Staaten insgesamt gewarnt, in der Künstlichen Intelligenz nicht überholt zu werden - von China. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen“, sagte er während einer Konferenz der Denkfabrik CNAS, die sich mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas befasst, berichtet das Internetportal „Verge“. Schmidt bezog sich dabei konkret auf einen nationalen KI-Plan, den die chinesische Führung unlängst verabschiedete mit dem Ziel, die Volksrepublik in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren schrittweise zur führenden KI-Nation der Welt zu machen.

          Die Ankündigung Pekings sorgte auf der ganzen Welt für Aufsehen, nicht nur in den Vereinigten Staaten. In Deutschland forderte der CDU-Politiker Thomas Jarzombek beispielsweise eine Reaktion darauf: „Wir brauchen in der neuen Legislaturperiode sofort einen Masterplan, in dem Forschung und Wirtschaft zusammenarbeiten.“ Diese Technologie sei „so entscheidend, dass wir sie nicht China überlassen dürfen, wo es ein ganz anderes Menschenbild gibt.“ Jarzombek warnte dabei davor, dass in Deutschland aus ethischen Bedenken nicht abermals eine Zukunftstechnologie verhindert werden dürfe.

          Google-Manager Schmidt seinerseits beklagte nun abermals, dass die Vereinigten Staaten zu wenig in Grundlagenforschung in diesem Bereich investierten. Und er kritisierte zugleich die unter der Regierung des Präsidenten Donald Trump restriktiver gewordene Immigrationspolitik. „Einige der besten Leute befinden sich in Ländern, die wir nicht nach Amerika hineinlassen. Wollt ihr lieber, dass sie KI woanders kreieren oder lieber hier?“, fragte er und fügte ein Beispiel an: „Iran bringt einige der Top-Computer-Wissenschaftler der Welt hervor und ich möchte sie hier haben. Um es klar zu sagen: Ich möchte, dass sie für Alphabet und Google arbeiten.“

          Schmidt warb dafür, dass die Vereinigten Staaten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch durch Fortschritt in diesem Bereich profitieren könnten. Und regte an, dies auch zu tun. Wenn nichts geschehe, werde Amerika in der KI „über die nächsten fünf Jahre führend bleiben“,  bevor China „extrem schnell“ aufholt.

          An Werbung für seine eigene Unternehmung sparte er übrigens schlussendlich auch nicht. Zwar sei eine sogenannte Allgemeine Künstliche Intelligenz, also ein Computer, der das menschliche Gehirn in allen Bereichen überragt oder zumindest gleichwertig funktioniert, noch in weiter Ferne. Alphabet habe allerdings eine größere Chance, sie zu erfinden als die meisten anderen. „Meine eigene Meinung ist, dass wenn es jemandem gelingt, eine Form von Super-Intelligenz zu erfinden, dann wird das Deep Mind sein, die KI-Tochtergesellschaft von Alphabet in London.“ Deep Mind sorgte gerade für Aufsehen mit eine neuen Version des Computerprogramms AlphaGo, das sich selbst das traditionsreiche Brettspiel beibrachte und dann die Vorgängerversion besiegte - die bereits die besten menschlichen Spieler bezwang.

          Quelle: FAZ.NET

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