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Sinkende Zahlen : Das Ende des Smartphones beginnt

Der Nokia-Chef Rajeev Suri schwärmt von der neuen Funktechnik 5G. Bild: AFP

Immer mehr Deutsche wollen ihren Handykonsum reduzieren. Auch die Hausmesse der Smartphones, der Mobile World Congress in Barcelona, dreht sich längst um andere Technologien.

          Kurz vor dem Start der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona haben Marktforscher von Gartner eine alarmierende Nachricht veröffentlicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Smartphones verkauften die Hersteller im wichtigen Weihnachtsgeschäft weniger Geräte. Bisher kannte die Industrie nur eine Richtung: nach oben. Im vierten Quartal 2016 wurden rekordträchtige 432 Millionen internetfähige Handys abgesetzt. Im vierten Quartal 2017 waren es nur 408 Millionen – 5,6 Prozent weniger. Ist das die Zeitenwende? Das Ende des Smartphone-Booms? Brauchen wir solche Alleskönner noch, wenn künftig alles miteinander vernetzt ist? Und was bedeutet das für Messen wie den Mobile World Congress?

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als 100.000 Besucher zählt die größte Mobilfunkmesse der Welt, wo gut 2.300 Unternehmen von Montag bis Donnerstag ihre Produkte vorstellen. Tim Höttges von der Telekom oder Vittorio Colao von Vodafone sind nur zwei von vielen Unternehmenschefs, die Vorträge halten, mehr als Tausend Firmenlenker haben sich angekündigt, um auf der Messe Kontakte zu knüpfen und Verträge auszuhandeln. Begleitet wird das von einer großen Produktschau: Wenn Samsung sein neues Top-Smartphone präsentiert, lauschen noch immer Heerscharen von Analysten, Journalisten und Tech-Blogger, obwohl die meisten Einzelheiten schon vorher durchsickern: Auch am gestrigen Sonntag war schon vor der Verkündung am Abend bekannt, dass das Modell S9 ein 5,8 beziehungsweise 6,2 Zoll (Variante Plus) großes Super-Amoled-Display hat. Natürlich die beste Kamera aller Zeiten, die Videos im hochauflösenden 4k-Standard aufnehmen kann und in der Plus-Variante über zwei Sensoren verfügt. 850 beziehungsweise 950 Euro will Samsung dafür haben; fast ein Schnäppchen im Vergleich zum iPhone X, für das der Branchenrivale Apple mindestens 1149 Euro verlangt.

          „Creating a better future.“

          Ob Themen wie diese auch künftig noch die Mobilfunkwelt bewegen, ist fraglich. Denn der MWC wandelt sich genauso, wie die Branche und die Gesellschaft insgesamt. Das Konferenzmotto in diesem Jahr stapelt hoch, weit über Geräte hinaus: „Creating a better future“. In einer besseren Zukunft spielen neue Handymodelle nur noch eine Nebenrolle. Telekom-Technologievorstand Claudia Nemat formuliert es im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung so: „Nicht morgen, aber vielleicht in zehn Jahren. Das Handy wird in vielen Bereichen ersetzt, davon bin ich überzeugt. Wir werden unser Leben definitiv nicht mehr so an den Bedingungen des Smartphones ausrichten, wie wir es momentan tun.“

          Ein vielleicht noch größeres Schlagwort für die Digitalisierung heißt in Barcelona deshalb 5G. Das ist der neue Mobilfunkstandard, mit dem nicht nur smarte Städte, sondern auch das autonome Fahren ermöglicht werden soll. Der Technologiekonzern Intel hat am Sonntag Bilanz gezogen, wie die technische Ausstattung der Olympischen Spiele in Südkorea funktioniert hat. Gemeinsam mit der Koreanischen Telekom haben die Amerikaner zwei Dutzend 5G-Netze installiert, sie haben mit Kameras verschiedene Sportarten wie Eisschnelllaufen live in virtueller Realität übertragen und Echtzeitdaten der Sportler direkt an der Strecke für die Zuschauer verfügbar gemacht. Das Sportereignis war damit eines der größten Testfelder für den Einsatz von 5G-Technik bislang. Für die Sommerspiele in zwei Jahren in Tokio arbeitet Intel dann mit dem größten japanischen Mobilfunkanbieter NTT Docomo zusammen. „Wir beginnen gerade erst damit, an der Oberfläche dessen zu kratzen, was 5G für die Industrie tun kann“, sagte indes Nokia-Chef Rajeev Suri am Sonntag. Gemeinsam mit der Telekom testet das finnische Unternehmen auf 8000 Hektar im Hamburger Hafen, wie künftig Ampeln gesteuert werden können oder Umweltdaten gemessen werden.

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