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Apple-Chef Cook in China : „Ich sorge mich um Menschen, die denken wie Maschinen“

Tim Cook während der Eröffnung der vierten „Word Internet Conferenz“ in Wuzhen. Bild: AFP

Wie stark soll der Staat das Internet kontrollieren oder für die Kontrolle seiner Bürger einsetzen? Während einer Konferenz in China prallen zwei Sichtweisen aufeinander. Und der mächtige Staatschef Xi gibt ein Versprechen ab.

          China ist keine Demokratie, die Führung in Peking schränkt das Volk vielfach ein. Gleichwohl hat das Land mehrere Jahrzehnte beachtlichen Wirtschaftswachstums hinter sich, ist heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – und verfügt auch in Zukunftstechnologien über international bedeutende Unternehmen wie Alibaba, Baidu und Tecent, die sozusagen chinesische Äquivalente zu Amazon, Google und Facebook sind.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorstellung, die wichtige Entscheider im Reich der Mitte von der Zukunft des Internets und dem Einsatz wichtiger Technologien wie etwa Künstlicher Intelligenz haben, unterscheidet sich dabei teils merklich vom Ansatz westlicher Demokratien. Es geht mehr um Kontrolle und mögliche Einschränkungen.

          „China steht bereit, um neue Regeln und Systeme der Internet-Verwaltung zu entwickeln, die allen Parteien dienen und gegenwärtigen Ungleichgewichten entgegenwirken“, sagte Wang Huning, ein Mitglied des mächtigen Ständigen Ausschusses der Kommunistischen Partei, nach Angaben des Finanzdienstes Reuters während der prominenten „World Internet Conference“ in der Stadt Wuzhen.

          „Wir müssen Technologie menschlich machen“

          Tatsächlich schränkt Chinas Führung das Internet stark ein. Chinesen können nur schwer auf ausländische Internetangebote zugreifen. Das soziale Netzwerk Facebook und der Kurznachrichtendienst Twitter sind beispielsweise gesperrt, ebenso die Videoplattform Youtube oder Googles Suchmaschine.

          Der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook, der an diesem Sonntag eine Rede auf der Konferenz gehalten hat, gab sich diplomatisch-kritisch gegenüber seinen Gastgebern. „Das Thema dieser Konferenz – eine digitale Wirtschaft zu entwickeln für Offenheit und geteilte Vorteile – ist eine Vision, die wir bei Apple teilen“, sagte er nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg: „Wir sind stolz darauf, mit vielen Partnern in China zusammen gearbeitet zu haben, um eine Gemeinschaft zu gründen, die an einer gemeinsamen Zukunft im Cyberspace teilhaben wird.“

          Apple steckt dabei in einem Dilemma: Für das an der Börse wertvollste Unternehmen der Welt ist China mittlerweile der nach Nordamerika wichtigste Markt. Dort verkauft Apple unzählige iPhones und andere Hardware-Angebote. Zugleich gibt es Kritik daran, was Apple an Auflagen seitens der chinesischen Administration akzeptiert, um weiter die Gunst der Führung zu haben, darunter etwa das Entfernen bestimmter Angebote aus dem App-Store wie den Mitteilungsdienst Skype. Cook stellte auch darum in den Vordergrund, wie viele Arbeitsplätze das von ihm geleitete Unternehmen im Reich der Mitte direkt oder indirekt bereitstellt – nach seinen Angaben sind dies mehr als 5 Millionen, davon 1,8 Millionen lokale App-Entwickler.

          China hat einen KI-Plan

          Der zuletzt noch mächtiger gewordene chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping hat internationalen Konzernen während einer Grußbotschaft derweil Geschäftsmöglichkeiten in Aussicht gestellt ungeachtet der strengen Internetkontrollen. Das Land werde dem  globalen Internet die Türen nicht verschließen, erklärte Xi. Er, von dessen Entscheidungen im Land immer mehr abhängt, verteidigte zugleich die verschärften Auflagen - sie seien für die Entwicklung des Internets in China entscheidend. Xi mahnte außerdem, die Souveränität jedes Staates über sein Internet müsse respektiert werden.

          Auch zum Voranschreiten der Technologie um Künstliche Intelligenz bezog Cook diplomatisch-warnend Stellung. „Viel ist gesagt worden über die möglichen Risiken von Künstlicher Intelligenz, aber ich sorge mich nicht um Maschinen, die denken wie Menschen. Ich sorge mich um Menschen, die denken wie Maschinen.“ Und er ergänzte: „Wir müssen alle daran arbeiten, der Technologie Menschlichkeit einzuflößen, unsere Werte.“

          Gerade in China sind die Hoffnungen besonders groß, teils religiös, die auf Künstlicher Intelligenz ruhen. Die Führung in Peking hat im Sommer einen KI-Plan angekündigt mit dem ausdrücklichen Ziel, China bis ungefähr zum Jahr 2030 zur führenden Nation auf der ganzen Welt zu machen, wenn es um Künstliche Intelligenz und ihren möglichst breiten Einsatz geht.

          Das alarmierte nicht nur Politiker in den Vereinigten Staaten. Unlängst mahnte auch der langjährige ehemalige Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt, wenn Amerika sich nicht mehr engagiere in diesem Bereich, werde sein Vorsprung in fünf Jahren dahin sein. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen“, so Schmidt.

          Der amerikanische Wagniskapitalgeber Jim Breyer sprach während der „Web-Summit“-Konferenz in Lissabon unlängst wiederum sogar von einem technologischen Wettlauf im Bereich der Künstlichen Intelligenz zwischen China gegen Amerika, der ihn an den Kalten Krieg erinnere. „Das ähnelt dem Weltraum-Rennen der Fünfziger“, sagte er: „Das sind zwei bemerkenswerte, große, innovative Länder, welche in vielen Fällen die besten KI-Talente anheuern und unterstützen.“

          Quelle: FAZ.NET

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