23.08.2007 · Kursverluste korrigieren frühere Übertreibungen und mahnen zur Vorsicht.
Von Benedikt FehrSeit es Finanzmärkte gibt, gibt es auch Finanzmarktkrisen. Alle Jahre wieder kommt es bei Aktien, Immobilien, Gold oder Rohstoffen zu exzessiven Preissteigerungen – und einem anschließenden Kurssturz. Der tiefere Grund dafür ist, dass die Anleger an den Finanzmärkten auf die ungewisse Zukunft spekulieren. In einer dynamischen Marktwirtschaft mit technischem Fortschritt und strukturellem Wandel bieten sich stets große Chancen auf Gewinn; das lockt die Anleger an, lässt sie bisweilen in „irrationalen Überschwang“ verfallen. Dann folgt unweigerlich eine Korrektur in Form von Preis- und Kursstürzen, die unvorsichtige Anleger mit Verlusten bestraft. Bisweilen reagieren die Investoren darauf panikartig. Dann kann der Abschwung in eine allgemeine Krise ausarten.
Jede Finanzmarktkrise hat ihre eigenen Ursachen, verläuft anders. Gleichwohl lässt sich aus der Vergangenheit lernen. So gilt inzwischen der Grundsatz, dass einzelne Banken und Investoren, die sich verspekuliert haben, durchaus pleitegehen sollen – als Warnung an die anderen Investoren. Bankaufseher und Notenbanken sollen demnach nur dann stützend eingreifen, wenn eine Kettenreaktion droht, die die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Beispiel Weltwirtschaftskrise 1929
Paradebeispiel für solch eine „Systemkrise“ ist die Weltwirtschaftskrise, die im Oktober 1929 durch einen Sturz der Aktienkurse in Wall Street eingeleitet wurde. Dass dieser Börsenkrach in eine katastrophale Deflation mündete, lag nach Studien des Ökonomen Milton Friedman – und auch des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke – an der falschen Reaktion der Notenbanken: Statt Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, ließen sie zu, dass die Geldmenge schrumpfte. In Deutschland schockierte 1974 der Kollaps der Kölner Privatbank Herstatt, die sich am Devisenmarkt verspekuliert hatte. Als Reaktion auf diese bislang größte Bankenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde der Einlagensicherungsfonds gegründet.
Auf die jüngsten Krisen – den Aktienkurssturz 1987, die Russland-, Asien- und LTCM-Krise 1997/98 und das Platzen der „New Economy“-Spekulationsblase 2000/2001 – hat der damalige amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan stets mit einer kräftigen Senkung der Leitzinsen reagiert und damit billiges Geld in die Wirtschaft gepumpt. Prompt kam es, zumindest in den Vereinigten Staaten, zu einer Stabilisierung der Wirtschaft und zu einem neuerlichen Höhenflug der Aktienkurse. Diese Krisenbewältigungsstrategie, nach einem Finanzinstrument „Greenspan Put“ genannt, stieß freilich auch auf Kritik: Nämlich dass die Senkung der Zinsen stets neuen, noch größeren Spekulationswellen den Boden bereitet habe – so auch der Immobilienhausse in Amerika und der sich nun anschließenden Krise an den Hypotheken- und Kreditmärkten.
Senkung der Leitzinsen nicht das einzige Instrument
Bislang haben die Notenbanken auf die akute Krise allerdings noch nicht mit Zinssenkungen reagiert, sondern vielmehr nur mit „Liquiditätsspritzen“, die Verspannungen am Geldmarkt lösen sollen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sogar angedeutet, ihren Leitzins im September weiter anzuheben. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Aber die EZB hat damit deutlich gemacht, dass die Senkung der Leitzinsen à la Greenspan durchaus nicht das einzige Instrument ist, einer Krise zu begegnen.
Wer sind denn die "Anleger"
Franz Heidelsberger (capitalpartners)
- 27.08.2007, 20:12 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,29 | −0,99% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2439 | −0,39% |
| Rohöl Brent Crude | 105,55 $ | −1,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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