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Krisenbank Die Schuldenkrise trifft die IKB mit voller Wucht

Die Schieflage der IKB war es, die den Deutschen im Sommer 2007 die Finanzkrise erstmals richtig ins Bewusstsein hämmerte. Bis heute hat sich die Bank nicht richtig erholt. Nun droht auch im fünften Geschäftsjahr in Folge ein Verlust.

© AFP Vergrößern Im Jahr 2007 wurde die IKB mit staatlicher Hilfe vor dem Untergang bewahrt.

Auch im vierten Jahr nach der Finanzkrise weist die IKB Deutsche Industriebank hohe Verluste aus. Die Düsseldorfer Krisenbank, die mehrheitlich der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Lone Star gehört, hat am Montag für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2011/12 (per 31. März) einen Fehlbetrag von 431 Millionen Euro ausgewiesen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum weitete sich der Verlust um 276 Millionen Euro aus, was mit der europäischen Staatsschuldenkrise begründet wurde. Der Vorstandsvorsitzende Hans Jörg Schüttler will nun 200 von 1130 Stellen in der Kernbank abbauen, um die Kosten nachhaltig zu reduzieren.

Die europäische Schuldenkrise belastete das Ergebnis mit 314 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus den Marktwertverlusten von Staats- und Bankanleihen aus den Euro-Krisenländern zusammen. Der hohe Verlust in den ersten neun Monaten stellt für den IKB-Eigentümer Lone Star einen Rückschlag in den Verkaufsbemühungen dar. Bis Herbst vergangenen Jahres gab es exklusive Verhandlungen mit der französischen Großbank BNP Paribas. Aber wegen der Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise und deren Auswirkungen auf die Banken wurden die Gespräche abgebrochen.

Ob sich ein neuer Interessent auf absehbare Zeit finden wird, muss bezweifelt werden. Denn in seinem Ausblick warnt der IKB-Vorstand: „Aufgrund der anhaltenden Kriseneinflüsse sind auch die Ertragserwartungen zeitlich verschoben und das Geschäftsmodell wird sich verzögert in ein positives Ergebnis umsetzen lassen.“ Für mehrere Geschäftsjahre dürften keine oder nur geringe Überschüsse ausgewiesen werden, teilte der Vorstand im aktuellen Zwischenbericht mit.

Seit März 2011 buhlt die IKB auch um Einlagen von Privatkunden

Neben der europäischen Staatsschuldenkrise kämpft die IKB noch immer mit den Nachwirkungen aus ihrem hohen Engagement bei amerikanischen Hypothekenanleihen. Die IKB war die erste deutsche Bank, die in den Sog der vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgehenden Finanzkrise geraten war. Die staatliche Förderbank KfW musste als ehemaliger Mehrheitsaktionär die IKB vor dem Untergang bewahren, nachdem diese schon im Sommer 2007 wegen ihrer Rhineland-Zweckgesellschaften in eine Schieflage geraten war. Die KfW erlitt deshalb Verluste von 10 Milliarden Euro und verkaufte im Herbst 2008 die IKB für 137 Millionen Euro an Lone Star.

Das Institut ist durch die Euro-Staatsschuldenkrise in ihren Sanierungsbemühungen zurückgeworfen worden. Nun droht im fünften Geschäftsjahr in Folge ein Verlust, der sogar höher ausfallen dürfte als im Vorjahr. Zur Finanzierung ist die IKB noch immer auf Bürgschaften des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin angewiesen. Die Gebühren dafür beliefen sich in den ersten neun Monaten auf 80 Millionen Euro.

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Seit März 2011 buhlt die IKB auch um Einlagen von Privatkunden, weil diese eine günstige Finanzierungsalternative darstellen. Über die Internet-Plattform „IKB direkt“ werden Privatkunden Tages- und Festgeldanlagen angeboten. So wird Festgeld, das fünf Jahre angelegt wird, jährlich mit 4 Prozent verzinst. Bis September 2011 hatte die IKB darüber 900 Millionen Euro eingesammelt. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Die Kundeneinlagen, die größtenteils aber noch immer von Unternehmen stammen, beliefen sich Ende 2011 auf 5 Milliarden Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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