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Kriselnder Autobauer Opel-Arbeiter sollen auf Lohnplus verzichten

 ·  Dieses Jahr würde es eigentlich fast 11 Prozent mehr Gehalt für die Opelmitarbeiter geben. Doch angesichts des Milliardenverlusts des europäischen Autobauers fordert der amerikanische Mutterkonzern General Motors Lohnverzicht.

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Der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) unternimmt einen neuen Anlauf, um seine deutsche Automarke profitabel zu machen - schließlich droht bei Opel im gerade beginnenden Jahr der fünfte Milliardenverlust in Folge. Um das Loch in der Bilanz von GM wenigstens einzudämmen, haben die Manager in Detroit nun abermals die Löhne der 40.000 Opel-Beschäftigten ins Visier genommen. Verhandelt wird über einen Verzicht auf einen Teil der üppigen Lohnerhöhung, die dieses Jahr eigentlich ansteht. Das wird aus Kreisen von Betriebsrat und Gewerkschaft berichtet. Das Unternehmen schweigt dazu.

Lohnerhöhung aus drei Komponenten

Um etwa 10,8 Prozent würden die Löhne bei Opel in Deutschland in diesem Jahr steigen, sollte es keine Einschnitte durch einen neuen Sanierungsplan geben. Das entspricht einer Gesamtsumme von etwa 1,1 Milliarden Euro. Doch angesichts des in jüngster Zeit wieder schrumpfenden Absatzes des Unternehmens und angesichts des abermals drohenden Milliardenverlusts erscheinen diese Mehrausgaben inakzeptabel. Deshalb wollen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den kommenden Wochen auf eine andere Lösung einigen.

Die Vorgaben für den neuen Sanierungsplan kommen vom neuen Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky, der auch Vize-Verwaltungsratschef von GM ist. Direkt verhandelt wird jedoch in Rüsselsheim zwischen dem neuen Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sowie den zwei IG-Metall-Bezirksleitern Oliver Burkhard und Armin Schild auf der einen Seite sowie Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und Personalchef Holger Kimmes auf der anderen Seite. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung in drei Wochen könnte ein Kompromiss stehen.

Die geplante Lohnerhöhung für die Opel-Arbeiter um 11 Prozent setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Da ist zum einen eine im vergangenen Jahr aufgeschobene tarifliche Erhöhung um 2,7 Prozent ab Februar. Zudem hatten die Beschäftigten 2010 und 2011 auf die Hälfte ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichtet. Der Verzicht summierte sich auf jährlich 175 Millionen Euro und war bis Ende 2011 befristet. Nun soll die Zahlung wieder aufgenommen werden. Damit nicht genug: In den gerade beginnenden Tarifverhandlungen der IG Metall mit den Arbeitgebern der Branche kommt voraussichtlich noch eine dauerhafte Lohnerhöhung um 3,5 Prozent bis 4 Prozent hinzu.

Die Verhandlungen werden hart

Auf diese zusätzliche Erhöhung aus diesem Jahr können nur die Opel-Beschäftigten im Stammwerk Rüsselsheim aus eigenem Entschluss verzichten. Denn sie werden noch übertariflich bezahlt. An allen anderen Standorten - also in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern - bräuchte dieser Schritt die ausdrückliche Zustimmung des Hauptvorstands der IG Metall. Ein erneutes Öffnen der Tarifverträge ist schwierig, weil keine absolute Notsituation vorliegt und gleiche Wettbewerbsbedingungen für andere Hersteller gewahrt werden müssen.

Die Verhandlungen werden hart. Die Gewerkschafter verlangen im Gegenzug für den Verzicht auf eine Lohnerhöhung Zusagen für die Arbeitsplätze und Standorte in Europa. Derzeit produziert Opel in Europa jährlich knapp 1,2 Millionen Autos, hat aber Kapazitäten für 1,6 Millionen Autos. Um die Fabriken voll auszulasten, wollen die Gewerkschafter Produktionsvolumina aus dem Ausland nach Europa holen. So will GM künftig eigentlich rund 300.000 Opel-Autos in Korea und Mexiko produzieren lassen, darunter ein kompakter Geländewagen auf Basis des Kleinwagens Corsa. Zudem wäre es aus Sicht des Betriebsrats möglich und angemessen, bis zu 100.000 Autos der GM-Marke Chevrolet in Europa zu produzieren. Zusätzlich soll GM die wachsenden Märkte in Brasilien, China und Indien für Exporte von Opel öffnen. So würden die mittelfristig von Schließung bedrohten Werke in Bochum und im englischen Ellesmere Port gesichert.

Arbeitsplatz-Abbau in Rüsselsheim

Solche Zusagen für die Arbeitsplätze sind den Gewerkschaftern von der IG Metall um so wichtiger, als Opel im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim insgesamt gut 1000 von 6500 Stellen einsparen will. „Ein großer Teil dieses Stellenabbaus entfällt allerdings auf Ingenieure von externen Dienstleistern“, sagte ein Opel-Sprecher auf Anfrage. In vielen Fällen gehe es nur um die Verwendung der Beschäftigten für andere Zwecke. In jedem Fall werde der Personalabbau sozialverträglich sein. Gut 200 Mitarbeitern werde eine Abfindung angeboten. Darüber hinaus sei auch weiterer Personalabbau im Rahmen von Altersteilzeitverträgen geplant.

Opel hat in den vergangenen drei Jahren schon eine harte Sanierung durchgemacht. Das Werk im belgischen Antwerpen wurde geschlossen und 8000 von 48.000 Stellen in Europa gestrichen. Dennoch macht das Unternehmen Verlust. Die zu geringen Verkaufspreise der Autos und das Absatzvolumen reichen nicht aus, um die Kosten zu decken. Laut amerikanischer Bank Morgan Stanley hat Opel als struktureller Verlustbringer für GM sogar einen „negativen Wert“ von mehreren Milliarden Euro. Es sei für den amerikanischen Konzern besser, ohne Opel einen profitablen Marktanteil von 3 Prozent in Europa zu haben als mit Opel 8 Prozent Marktanteil, der Verlust bringt.

„Keinerlei Interesse, Opel abzustoßen“

Als GM Ende 2010 nach der Sanierung unter Gläubigerschutz an die Börse zurückkehrte, hatte der Konzern noch eine zuversichtliche Einschätzung der Situation bei Opel. Der Plan war, die Sanierung in Zusammenarbeit mit der IG Metall umzusetzen. Dazu wurde im Juni 2010 ein auf vier Jahre angelegter Vertrag abgeschlossen. Für die Abfindungen im Zuge des Abbaus von 8000 Stellen gab GM gut eine Milliarde Euro aus. Ausgereicht hat all das nicht. Jetzt muss neu verhandelt werden. Ein Verkauf von Opel scheint jedoch vom Tisch: „Ich sehe in Detroit keinerlei Interesse, Opel abzustoßen“, sagt der gerade in den Ruhestand gegangene, frühere Betriebsratschef Klaus Franz.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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