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Krise Freihandel

10.02.2009 ·  Je schmerzhafter die Folgen der Weltwirtschaftskrise werden, desto häufiger zeigen sich die verschiedenen Gesichter des Protektionismus. In der Krise ist sich jeder selbst der Nächste.

Von Holger Steltzner
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In der Krise ist sich jeder selbst der Nächste. Frei nach diesem Motto hält es Frankreichs Staatspräsident Sarkozy für „unverantwortlich, Autos für den französischen Markt in Tschechien herzustellen“. Wird der globale Krisenmanager Sarkozy zum Handelskrieger? Aus Sicht französischer Industriepolitiker mag dieser Rollenwechsel kaum der Rede wert sein. Schließlich gehört zu einer nationalen Industriepolitik der Protektionismus hinzu. Aber die europäische Gemeinschaft darf dem Zorn der Tschechen danken. Der derzeitige EU-Ratspräsident, der tschechische Ministerpräsident Topolánek, spricht aus, was bislang noch keiner zu sagen wagte: Europas Binnenmarkt mit freiem Wettbewerb und gleichen Regeln für alle ist in Gefahr – und das ist ein Gipfelthema für die Staatschefs der EU.

Je schmerzhafter die Folgen der Weltwirtschaftskrise werden, desto häufiger zeigen sich die verschiedenen Gesichter des Protektionismus. So wollte der amerikanische Kongress im Konjunkturpaket festschreiben, das Geld nur für amerikanische Waren und Dienstleistungen auszugeben.

Eine andere Spielart ist der Subventionswettlauf. So können die Milliarden zur Rettung der Wall-Street-Banken wie auch der britischen Institute als Versuch gesehen werden, die Vorherrschaft von New York und London im Finanzgewerbe nicht zu verlieren. Ähnliches gilt für Bürgschaften oder andere Staatshilfen für Automobilunternehmen in der EU. Ein dritter Weg ist der Abwertungswettlauf der Währungen, durch die Wirtschaftspolitik zu Lasten anderer Länder betrieben wird. Das ist der Hintergrund für den Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China über einen fairen Wert zwischen Dollar und Yuan.

In einer protektionistischen Welt verlieren auf Dauer alle. Europa hat das in der Zeit ständiger Abwertungswettläufe nationaler Währungen erlebt – und ist heute froh über den Euro. Besonders schlimm war es in der Großen Depression des letzten Jahrhunderts. Zwischen den Weltkriegen folgte einer Episode des kurzen Freihandels die dunkle Zeit der Abschottung, die im Ankurbeln der Rüstungswirtschaft mündete. Heute kämpft die Weltwirtschaft nach einer langen Phase des Wachstums, die es ohne Handel nicht gegeben hätte, mit einer tiefen Rezession. Wirtschaftspolitiker wissen um die Geschichte – und um den Wert des Freihandels.

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