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Krise der Wirtschaft Nerven behalten

22.04.2009 ·  Vieles deutet darauf hin, dass Deutschland - gerade auch am Arbeitsmarkt - eine lange Durststrecke bevorsteht. Auch wer der Prognosekraft der Ökonomen nur noch wenig zutraut, wird Mühe haben, ihre neuen Zahlen nun als kollektive Schwarzmalerei abzutun.

Von Heike Göbel
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Schneller als erwartet sieht sich Politik wieder auf Markt und Wirtschaft angewiesen. Verschwunden sind die Gesten staatlichen Triumphes, die im Zuge der Rettung privater Banken in der Bundesregierung zu beobachten waren. Unter dem Eindruck der schwärzesten Konjunkturprognose, die die Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland je abgegeben haben, sucht die große Koalition den Schulterschluss mit den Arbeitgebern. Sie braucht deren öffentlichen Rückhalt, um im Wahlkampf nicht von den Gewerkschaften in weitere schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme getrieben zu werden. Unverantwortlich beschwört DGB-Chef Sommer schon „soziale Unruhen“.

Für neue Milliardenprogramme gibt es trotz des nun zu befürchtenden Rückgangs der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent keinen Grund. Nach wie vor muss die vordringlichste Sorge der weiteren Reparatur des Bankensystems gelten. Nur wenn die Geld- und Kreditversorgung wieder richtig funktioniert, werden die bisher angeschobenen Hilfen für die Wirtschaft greifen. Zur Kenntnis nehmen sollten die Befürworter eines dritten Konjunkturprogramms, dass die Sozialkassen im Abschwung automatisch als Puffer wirken und den Konsum stark stützen. Ernst zu nehmen ist auch die Warnung des Bundesfinanzministers, die Belastbarkeit der Kapitalmärkte sei endlich. Wenn kreditfinanzierte Hilfspakete privaten Investoren die Luft abschnüren, wird das den Weg aus der Rezession verlängern.

Gut, dass Regierung und Wirtschaft an einem Strang ziehen

Vieles deutet darauf hin, dass Deutschland – gerade auch am Arbeitsmarkt – eine kräftige Durststrecke bevorsteht, die sich weit in das nächste Jahr ziehen wird. Auch wer der Prognosekraft der Ökonomen nur noch wenig zutraut, wird Mühe haben, ihre neuen Zahlen nun als kollektive Schwarzmalerei abzutun. Die Annahmen, auf denen die Frühjahrsschätzung beruht, sind aus heutiger Sicht realistisch, vielleicht gar ein wenig optimistisch. Unterstellt wird eine langsame Gesundung des Bankensystems. Hier sehen die Wirtschaftsforscher zugleich den größten Unsicherheitsfaktor; noch wollen sie nicht ausschließen, dass es zu einer abermaligen Vertrauenskrise kommt. Es ist daher ein gutes Zeichen, dass die Bundesregierung und die Wirtschaft wieder an einem Strang ziehen. Das hilft, in dieser Krise die Nerven zu bewahren – und einen Rest Pulver für den Fall der Fälle trocken zu halten.

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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