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Krankenhäuser Brustkrebs wird oft nur unzureichend behandelt

22.08.2008 ·  Ein neuer Qualitätsreport deckt Behandlungsmängel in deutschen Krankenhäusern auf. Er zeigt aber auch, dass die Versorgung Kranker von Jahr zu Jahr besser wird.

Von Andreas Mihm
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Patientinnen mit Brustkrebs werden in deutschen Krankenhäusern nicht immer ausreichend versorgt. Zu dem Ergebnis kommt der jetzt veröffentlichte Qualitätsbericht der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) im Gesundheitswesen. Allein fünf der 20 vorgegebenen Qualitätsstandards für Krankenhausbehandlungen, die unterschritten wurden, fielen in den Bereich der Mammachirurgie. Andere als nicht ausreichend kritisierte Leistungen betrafen die Behandlung der Lungenentzündung, Geburtshilfe, Hüft- und Knieoperationen. Angaben über die Qualität der Arbeit einzelner der 1600 untersuchten Kliniken werden in dem Papier nicht gemacht.

Trotz der Kritik belege der Bericht, dass die Krankenhäuser auf hohem Niveau arbeiteten, sagte BQS-Geschäftsführer Christof Veit. Die Ergebnisse seien 2007 wieder besser als im Vorjahr ausgefallen. Die laufenden Verbesserungsmaßnahmen zahlten sich aus. Dennoch fielen immer wieder einzelne Krankenhäuser auf, weil sie die geforderte Qualität nicht erreichten. Mit diesen werde nun gesprochen, um den Fehlern nachzugehen und sie abzustellen. „Bei 20 der 194 Qualitätsindikatoren erreichen wir im Gesamtergebnis unser Ziel nicht, oder es sind ungewöhnlich viele Krankenhäuser auffällig.“ Jetzt werde der Verbesserungsbedarf analysiert, dann nach möglichst effektiven Lösungen gesucht, sagte Veit. Das kann bis zur Begehung durch Fachkommissionen führen.

„Weiterhin besonderer Handlungsbedarf“ in der Brustkrebsbehandlung

Beispielhaft für die festgestellten Mängel nannte Veit die Messung der Sauerstoffsättigung im Blut von Patienten mit einer Lungenentzündung. Fachleute hielten die Messung spätestens acht Stunden nach der Einlieferung eines Patienten in ein Krankenhaus für notwendig. Dadurch würden die Diagnose verlässlicher, die Behandlung sicherer. Zwar habe sich die Qualität in diesem Punkt seit dem Jahr 2005 kontinuierlich verbessert, zuletzt sei die Messung in 84,1 Prozent der behandelten Lungenentzündungen vorgenommen worden. „Aber das Ziel von 95 Prozent ist bislang noch nicht erreicht.“

In der Brustkrebsbehandlung sehen die Fachleute für das Röntgen von Präparaten „weiterhin besonderen Handlungsbedarf“, für die brusterhaltende Therapie wurden die „Ergebnisse als hoch auffällig“ gewertet. In 131 von 417 befragten Kliniken würden mehr Patienten nach dieser Methode therapiert, als dies die Fachwissenschaft überhaupt für akzeptabel halte. Hier ziehen die Gutachter die Angemessenheit der Therapie in Zweifel. Ein anderes Beispiel betrifft Hüftgelenkoperationen. Hier sei es medizinischer Standard, dass den Patienten vorab ein Antibiotikum verabreicht werde, um Entzündungen vorzubeugen. Dieser Standard werde inzwischen zu 99,3 Prozent eingehalten. In einem Krankenhaus seien aber nur 7,5 Prozent der Fälle dokumentiert worden.

„Reden wir über echte Fehler oder statistische Probleme?“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft suchte die Kritik zu relativieren. Zuweilen würden richtige Therapien nur unzureichend dokumentiert. Auf keinen Fall ließen sie, gerade beim Brustkrebs, sichere statistische Aussagen über eine deshalb höhere Sterblichkeit zu. Man habe großes Vertrauen in die hohe Qualität der deutschen Krankenhäuser. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor übereilten Schlüssen. „Reden wir über echte Fehler oder statistische Probleme?“, fragt Geschäftsführer Johannes Bruns. Gleichwohl empfiehlt er Patientinnen, sich möglichst an zertifizierte Brustzentren zu wenden, weil dort die Behandlungsqualität meist höher sei. Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands, sagte, der Bericht zeige, dass es Bereiche gebe, in denen ernsthafte Qualitätsverbesserungen notwendig seien. Er zeige aber auch, „dass sich die Qualität in der Regel von Jahr zu Jahr verbessert“.

Der jährlich erstellte Qualitätsbericht analysiert Daten für 26 Leistungsbereiche, die laut BQS rund ein Fünftel des Geschehens in den 1600 Krankenhäusern ausmachen. Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken. Patienten, die sich über die Qualität einer bestimmten Klinik informieren wollen, helfen die BQS-Daten nicht weiter. Sie sind auf andere Hilfsmittel angewiesen. Zum einen veröffentlichen viele Krankenhäuser Qualitätsdaten auf ihrer Homepage im Internet. Doch lassen die keinen direkten Vergleich mit anderen Häusern zu. Zum anderen haben Krankenkassen Kliniksuchmaschinen im Internet entwickelt, die die Suche erleichtern. Die wohl beste Übersicht bietet das Internetportal www.weisse-liste.de, ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann-Stiftung und von Dachverbänden großer Patienten- und Verbraucherorganisationen.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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