Home
http://www.faz.net/-gqe-73ibr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.10.2012, 17:21 Uhr

Kraftwerke Rösler gegen „Stromreserve“

Die Stromwirtschaft würde gerne stillgelegte Kraftwerke in Reserve halten, um sie bei Nachfragespitzen zuschalten zu können. Das Entgelt würde durch Auktionierung festgelegt. Die Bundesregierung lehnt dieses Verfahren nach Informationen der F.A.Z. ab.

© dapd Im vergangenen Jahr wurde unter anderem das Grosskraftwerk Mannheim als sogenannte Kaltreserve genutzt

Die Bundesregierung lehnt den von der Stromwirtschaft verlangten Aufbau einer „strategischen Reserve“ als Rückversicherung gegen Unterbrechungen der Stromversorgung ab. Das geht aus einem Argumentationspapier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, das der F.A.Z. vorliegt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte den Aufbau einer solchen Reserve nach skandinavischem Muster vorgeschlagen. Dabei werden Kraftwerke, die ansonsten stillgelegt würden, gegen Entgelt in Reserve gehalten, um sie bei Nachfragespitzen zuschalten zu können. Das Entgelt würde durch Auktionierung festgelegt.

Andreas Mihm Folgen:

Das Rösler-Ministerium hält das Verfahren für „absehbar teuer“. Zudem berge es die Gefahr, Fehlanreize für die Stilllegung von Kapazitäten zu geben. Auch würden damit derzeit debattierte umfassende Lösungen für das drängende Problem des Neubaus von Kraftwerken präjudiziert.

Derzeit lohnt der Neubau von Kraftwerken nicht, weshalb in der Wissenschaft und der Branche darüber diskutiert wird, wie - staatlich befördert, aber dennoch möglichst wettbewerblich ausgerichtet - Anreize zum Neubau von Kraftwerken geschaffen werden können. In dem Papier wird davor gewarnt, „ohne Notwendigkeit“ kurzfristig einen Mechanismus einzuführen. Vielmehr sollten Zeit und Energie in die Entwicklung eines Mechanismus gesteckt werden, der alle Erzeugungsarten - konventionelle, erneuerbare Erzeugung und Speicher - umfasse.

Auch sei diese „Reserve“ kein „milderer“ Eingriff in das Marktgeschehen, als die Pläne des Ministeriums, Kraftwerksbetreiber zu zwingen, unwirtschaftliche Anlagen aus Gründen der Versorgungssicherheit am Netz zu lassen.

Nach dem am Mittwoch versandten Entwurf der Verordnung bleibt es bei den Plänen, dass Kraftwerksbetreiber Stilllegungen ein Jahr im Voraus ankündigen müssen und die Netzagentur ihnen dies unter Umständen versagen kann. Auch bleibt es bei der neuen Vorschrift, wonach Gaskraftwerke, die als strategisch wichtig gelten, keine unterbrechbaren Gaslieferverträge mehr abschließen dürfen. Die Pläne für eine „Kaltreserve“ zielen vor allem auf Süddeutschland ab, wo es seit dem Abschalten der Kernkraftwerke in Spitzenlastzeiten Versorgungsengpässe geben kann.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Plan der Bundesregierung Bar zahlen künftig nur noch bis 5000 Euro

Die Bundesregierung dringt auf ein gemeinsames Limit für Bargeldzahlungen in Europa. Andernfalls erwägt Berlin eine Bargeldgrenze in Deutschland. Ist das der Anfang vom Ende des Bargelds? Mehr Von Manfred Schäfers, Hendrik Kafsack und Christian Siedenbiedel

02.02.2016, 19:04 Uhr | Wirtschaft
Frankreich Winterspaß auf der Plastikpiste

Im nordfranzösischen Pas-de-Calais gibt es Winterspaß das ganze Jahr: Auf einer ehemaligen Deponie in dem stillgelegten Bergbaugebiet um Noeux-les-Mines sausen die Besucher die Piste auf Plastikbahnen hinunter. Mehr

29.01.2016, 08:34 Uhr | Gesellschaft
Verpackungsmüll Die Entmachtung des Grünen Punkts

Der Bundesrat will, dass die Kommunen das Recycling von Verpackungsmüll organisieren - statt des Grünen Punktes. Die Industrie warnt vor einer Verstaatlichung. Mehr Von Helmut Bünder, Düsseldorf

29.01.2016, 15:47 Uhr | Wirtschaft
Jahreswirtschaftsbericht Bundesregierung erwartet 1,7 Prozent Wachstum in 2016

In Berlin hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Jahreswirtschaftsbericht vorgestellt. Die Bundesregierung erwartet im Jahr 2016 ein Wachstum von 1,7 Prozent. Mehr

28.01.2016, 08:51 Uhr | Wirtschaft
Bargeld Ich habe bar gezahlt

Die Bundesregierung will Bargeldgeschäfte über 5000 Euro verbieten. Aber wer zahlt überhaupt so große Beträge mit Scheinen – und wofür? Wir haben uns mal umgehört. Mehr Von Christian Siedenbiedel

05.02.2016, 14:17 Uhr | Wirtschaft

Unsere Währung, euer Problem

Von Alexander Armbruster

China ist wirtschaftlich viel zu mächtig, als dass seine Währung in ernste Schwierigkeiten geraten könnte. Das weiß auch Amerikas Notenbankchefin. Mehr 1 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Unser Gold ist etwas weniger wert

Die Bundesbank verwaltet das Gold der Deutschen. Es geht um mehr als 100 Milliarden Euro. Vor vier Jahren war der Wert sogar noch viel größer. Mehr 0