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Kraftstoffsparende Motoren : Dieselfieber in Amerika

Nicht nur für Trucker: Diesel in Amerika Bild: AFP

General Motors bringt einen von der Tochtergesellschaft Opel entwickelten Dieselmotor auf den Markt. Vielleicht steht der traditionell deutschen Spritspartechnik nun auch jenseits des Atlantiks der Durchbruch bevor.

          In der Autoindustrie sorgt die kleine Meldung für einige Aufregung: Der amerikanische Hersteller General Motors (GM) holt erstmals die Dieseltechnik seiner angeschlagenen deutschen Tochtergesellschaft Opel auf den amerikanischen Markt. Um die künftig strengeren Verbrauchsvorschriften der Regierung in Washington zu erfüllen, bietet GM seinen Kompaktwagen Chevrolet Cruze, immerhin das am besten verkaufte Modell des Konzerns, auf dem wichtigsten Markt des Unternehmens vom Jahr 2013 an auch mit einem Dieselmotor an. Die Antriebstechnik stammt zum Teil aus Rüsselsheim und wird federführend im italienischen Turin entwickelt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Ausgerechnet GM!“, wird sich mancher Amerikaner denken, bei dem diese Meldung sofort böse Erinnerungen geweckt hat. Denn gerade GM hat mit Dieselautos in seiner Heimat eine unrühmliche Geschichte hinter sich. Die letzte große Dieseloffensive des Konzerns bei Personenwagen war nämlich ein Debakel – und nach Meinung von Branchenveteranen mit dafür verantwortlich, dass Dieselmotoren allgemein unter vielen Amerikanern bis heute verpönt sind.

          Notorisch unzuverlässig

          Zur Erklärung braucht es einen Sprung in die Geschichte: In den späten siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebten Dieselautos in den Vereinigten Staaten schon einmal einen Aufstieg, als Folge der beiden Ölkrisen, die Amerikaner sensibler für den Kraftstoffverbrauch ihrer Fahrzeuge machten. Neben deutschen Herstellern setzten auch amerikanische Unternehmen auf Diesel, und an vorderster Front eben GM. Die heute nicht mehr existierende Konzernmarke Oldsmobile entwickelte damals mehrere Dieselvarianten, die auch in anderen Modellen von General Motors zum Einsatz kamen. Die Oldsmobile-Dieselmotoren erwiesen sich aber als notorisch unzuverlässig und versagten oft den Dienst. Sie prägten außerdem das Bild der Amerikaner von Dieselautos als laute, stinkende Rußschleudern. Die Anfälligkeit der Autos bescherte GM damals sogar eine Sammelklage von Verbrauchern. Das Unternehmen gab seine Initiativen mit Dieselautos in Amerika entnervt wieder auf. Auch der einheimische Wettbewerber Ford, der etwas zaghaftere Gehversuche unternommen hatte, zog sich wieder zurück.

          Seither bringen Amerikaner Dieselmotoren vor allem mit Lastwagen, Müllautos oder Schulbussen in Verbindung – so wie dereinst schon Janis Joplin in dem Lied „Me and Bobby McGee“, die einen Laster meinte, als sie davon sang, per Anhalter mit einem „Diesel“ zu fahren („Bobby thumbed a diesel down“).

          Besonders stark könnten deutsche Zulieferer wie zum Beispiel der Stuttgarter Dieselspezialist Bosch profitieren
          Besonders stark könnten deutsche Zulieferer wie zum Beispiel der Stuttgarter Dieselspezialist Bosch profitieren : Bild: dpa

          Somit kommt der Vorstoß von GM mit dem Diesel-Cruze in Amerika fast einem Tabubruch gleich. Aber der Wunsch der Kundschaft nach sparsameren Autos existiert – und den hofft GM mit dem geplanten 1,6-Liter-Dieselmotor des Cruze bedienen zu können. Der Boden dafür ist den Amerikanern nicht zuletzt von den deutschen Herstellern wie Volkswagen, Daimler und BMW bereitet worden, die in den vergangenen Jahren mit immer neuen Dieselmodellen versucht haben, die Menschen zwischen New York und San Francisco für die Antriebstechnik zu erwärmen – und damit zumindest Achtungserfolge errungen haben.

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