14.08.2007 · Der hohe Benzinpreis zeigt Wirkung: 140.000 Fahrzeuge in Deutschland fahren schon mit Gasantrieb. In diesem Jahr werden noch einmal 100.000 dazu kommen. Allerdings ist Frankreich bei der Verbreitung viel weiter.
Die steigenden Spritpreise und die Umweltschutzdiskussion bewegen immer mehr Autofahrer zum Umsteigen auf Gasantrieb. Innerhalb des vergangenen Jahres hat sich nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes die Zahl der Personenwagen in Deutschland mit Gas im Tank auf rund 140.000 verdoppelt. Und viele wollen schon einen Boom herbeireden, dessen Ende nicht abzusehen sei.
Dennoch beträgt der Marktanteil von Gasantrieb bisher nur 0,3 Prozent aller Neuzulassungen. Diese Statistik erfasst allerdings nicht alle Gasantriebe. Hinzu kommen nämlich noch jene Wagen, die als Benzinfahrzeug gekauft und sofort umgerüstet werden.
In diesem Jahr dürften nochmals mindestens 100.000 Autos mit Gasantrieb dazu kommen, denn schon im ersten Halbjahr haben nach Feststellung des Zentralverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes rund 60.000 Autobesitzer ihre Wagen mit einem zusätzlichen Gastank ausrüsten lassen. Die meisten bevorzugten den Betrieb mit dem Flüssigen Autogas (LPG), nur wenige den aufwendigeren Umbau zum Erdgas (CNG). Daneben sind bis Ende Juni auch noch 4500 schon vom Hersteller ausgerüstete Neufahrzeuge mit Erdgas und 2500 mit Flüssiggas auf die Straßen gerollt.
Gas ist billiger als Diesel und Benzin
Das Interesse am Gasantrieb hat einen einfachen Grund: Gas ist deutlich billiger als Benzin oder Diesel. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Energieinhalte kann man nach Rechnungen des Automobilclubs ADAC etwa davon ausgehen, dass Gas für rund 60 Cent genauso weit reicht wie ein mehr als doppelt so teurer Liter Benzin. Daneben verbrennt Gas auch noch etwas sauberer als Benzin oder Dieselkraftstoff.
Bis es allerdings ans Sparen geht, muss zunächst einmal investiert werden. Mindestens 2000 Euro kostet nach Angaben von Experten die Umrüstung eines Benziners auf Flüssiggas, kaum unter 3000 Euro ist der Einbau eines Erdgastanks im Kofferraum zu haben. Bei Neuwagen mit Gasausrüstung liegt der Aufpreis laut ADAC jeweils etwas günstiger.
Weniger Dreck in der Luft
Gasantrieb gilt als umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel, weil bei der Verbrennung weniger Schadstoffe in die Umwelt abgegeben werden. So fallen weder Schwefel, Blei, Staub oder Ruß an. Auch weniger Kohlenmonoxyd wird ausgestoßen.
Trotz der Sparmöglichkeiten im Alltagsbetrieb rät der ADAC den Interessenten, ersteinmal den Taschenrechner zu bemühen. „Man sollte auf keinen Fall blind zugreifen“, warnt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. „Sinn macht nur eine Gesamtrechnung“. Nach Untersuchungen des Automobilclubs hat sich der Umstieg oder die Umrüstung oft erst nach 80.000 oder mehr Kilometern Fahrstrecke rentiert - und auch nur dann, wenn man niemals auf den
unverändert vorhandenen Benzintank zurückgreift.
Geringe Reichweite, dünnes Tankstellennetz
Das Umschalten auf den herkömmlichen Kraftstoff ist allerdings kaum zu vermeiden, denn die Reichweite der meisten Erdgastanks liegt nur zwischen 300 und 400 Kilometer. Mit jedem Rückgriff auf das Benzin zögert sich eine Amortisation weiter hinaus.
Wer weniger als 15.000 Kilomter im Jahr unterwegs ist, wird finanziell nur schwer auf seine Kosten kommen. Es sei denn, die Benzinpreise klettern noch wesentlich schneller als die Gaspreise, und die Schere zwischen beiden Preisen öffnet sich rasch weiter. Das aber ist zweifelhaft, denn das Autogas ist laut ADAC ein Abfallprodukt der Benzinherstellung. Und wenn weniger Benzin gebraucht wird, fällt auch weniger Flüssiggas an.
Mit dem Gasantrieb handelt man sich aber auch einige Nachteile ein. Das Tankstellennetz ist für Gas bei weitem nicht so dicht wie für Benzin oder Diesel. „In den Ballungsgebieten sieht es schon ganz gut aus, auf dem Land dagegen gibt es noch erhebliche Lücken“, sagt Oesterle. Den etwa 2200 Zapfstellen für Flüssiggas und rund 750 für Erdgas stehen noch 15.000 Tankstellen für Benzin und Diesel gegenüber. „Beim Urlaub im Ausland sieht es oft noch schlechter aus“, berichtetet der Experte des Automobilclubs.
Frankreich ist viel weiter
Frankreich ist, was die Verbreitung von Gasantrieb einen großen Schritt weiter: Bei den meisten Modellen, die dort angeboten werden, konnte der Autofahrer bisher durch einen einfachen Umschaltheben auf Benzinantrieb wechseln, wenn der Gastank leer ist. Standard wird jedoch sogar die automatische Umschaltung. Dadurch ist der Autofahrer weniger abhängig von dem noch nicht flächendeckenden Versorgungsnetz.
Außerdem bietet der Versorgerkonzern Gaz de France jedem Autofahrer an, bei ihm zu Hause eine Versorgungsstation einzurichten. Mehr als vier Millionen Haushalte in Frankreich haben bereits einen Gastank in ihrem Garten oder ihrer Garage installiert und können so ihren Wagen bequem zu Hause auftanken.
Gasantrieb für städtische Betriebe
Vor allem die Außendienste der Versorgungsunternehmen, der städtischen Betriebe und von Post oder Telekom werden in Frankreich immer mehr mit Gasantrieb ausgestattet. Denn dort werden zwar viele Kilometer gefahren, kehren aber abends wieder in den Betrieb zurück, wo sie neu aufgetankt werden können.
Am meisten wird Gas in Frankreich jedoch noch zum Betrieb der städtlichen Omnibusse eingesetzt. Schon jeder dritte Linienbus wird mit dem Treibstoff betankt. Dadurch wird einerseits die Schadstoffdichte in den Innenstädten reduziert. Und andererseits entfallen die Fahrten zu den Tankstellen, weil die Omnibusse direkt über das Versorgungsnetz von Gaz de France betankt werden können.
Erdgasförderung in Algerien
Seit 1985 arbeitet der Autokonzern Renault mit den Städten Lyon, Lille und Marseille zusammen. Zu erkennen sind die Linienbusse der Modellreihe „Renault Agora“ an einem flachen Aufbau auf dem Dach, unter dem sieben bis neun Gasflaschen untergebracht sind.
Das französische Interesse an der Förderung von Fahrzeugen, die mit Erdgas angetrieben werden, kommt nicht von ungefähr. In Algerien fördert Gaz de France seit 2002 riesige Erdgasvorkommen in Touat im Süden des Landes. Aber auch in Ägypten produziert das Unternehmen Erdgas. In Deutschland ist Gaz de France in der Altmark aktiv, wo ihr die EEG Erdgas Erdöl GmbH gehört.
Einige Automodelle mit Gasantrieb
Citroën : C3 und Berlingo
Fiat : Punto, Panda, Doblo und Multipla
Ford : Focus
Iveco : Daily
Mercedes : E-Klasse
Opel : Combo und Zafira
Peugeot : Partner
Renault : Kangoo
Volkswagen : Caddy Life Ecofuel
Volvo : S 60
AutoGas gegen Erdgas in der Praxis
Martin Gürsch (Betroffener)
- 14.08.2007, 23:23 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,52 | −0,98% |
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| Rohöl Brent Crude | 105,51 $ | −1,25% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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