28.12.2010 · Ab dem Jahreswechsel sollte es an Deutschlands Tankstellen eigentlich neues Benzin mit zehn Prozent Biosprit-Anteil geben. Nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbands wird der neue Biosprit aber „frühestens im Februar“ an fast allen Zapfsäulen erhältlich sein.
Der neue Biosprit E10 wird nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbands noch nicht gleich im neuen Jahr an allen 14.000 Tankstellen verfügbar sein. Statt wie ursprünglich geplant zum 1. Januar werde das Bioethanol-Gemisch „frühestens im Februar“ an den meisten Zapfsäulen erhältlich sein, sagte Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Verbands, dem Bonner „General-Anzeiger“ (Dienstagausgabe). Grund sei der hohe Aufwand für die Umstellung. Einige Pächter von Tankstellen hatten bereits angekündigt, erst Tanks mit dem herkömmlichen Super-Kraftstoff zu leeren, bevor diese mit dem E10 genannten Kraftstoff befüllt werden. Das „E“ steht für Ethanol, die „10“ für den künftig zehnprozentigen Anteil von Bio-Ethanol im Benzin.
Bundesregierung und Bundesrat hatten im Herbst den Weg frei gemacht für die Einführung des neuen Super-Sprits. Damit wurde eine EU-Richtlinie umgesetzt. Laut Bundesumweltministerium können 90 Prozent aller Fahrzeuge E10 tanken - in der Regel Autos ab Baujahr 1990, wobei sich aus dem Alter eines Autos nicht immer ableiten lässt, ob sie E10 vertragen. Bei Marken wie Audi, Ford, Opel, VW oder BMW sind fast alle Modelle E10-tauglich, bei Mercedes fast alle nach 1985 produzierten Wagen. Rund 3,5 Millionen Autos vertragen den neuen Sprit aber nicht. Für alte Autos, deren Motoren den höheren Biosprit-Anteil nicht vertragen, wird weiterhin auch Treibstoff mit einem Ethanol-Anteil von fünf Prozent angeboten werden.
Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), hinter der die Autoindustrie steht, auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
Die Bundesregierung will mit E10 ihre Klimaziele erreichen und die Abhängigkeit vom Öl verringern. Mit dem Biokraftstoffquotengesetz von 2007 wurde die Beimischung zu fossilen Kraftstoffen verankert, bis 2020 soll EU-weit 10 Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr mit Pflanzensprit abgedeckt werden. Der Bundesrat hat die Regierung daher auf Initiative Bayerns aufgefordert, mehr zu tun: Auch Biokraftstoffe mit mindestens 85 Prozent Ethanol sollten den Markt erobern.
Biosprit ist noch immer umstritten: Die einen sehen ihn als Garant für mehr Klimaschutz im Verkehr, die andern verweisen auf eine unselige Konkurrenz zwischen Tank und Teller. „Die Förderung des Biosprits hat Hungerkrawalle mitverursacht“, sagt etwa der Chef des Münchener Ifo-Instituts, der Ökonom Hans-Werner Sinn. So sei durch den hohen Mais-Bedarf auch die Tortilla-Krise 2007 in Mexiko mitverursacht worden. Biosprit sei ein teurer Irrweg.
Der Präsident des Biokraftstoff-Verbands, Claus Sauter, weist Sinns Kritik zurück. Nach einer Berechnung der Weltbank würden nur 1,5 Prozent der Ackerflächen für die Biokraftstoffproduktion genutzt. In Europa würden lediglich zwei Prozent der Getreideernte für Ethanol eingesetzt. Und schließlich stünden weltweit noch ausreichend Brachen und degradierte Flächen zur Verfügung, um Biokraftstoff herzustellen. Der Naturschutzbund Deutschland sieht kaum Effekte durch mehr Biosprit und spricht von einem teuren Nullsummenspiel.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.380,52 | −0,98% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2442 | −0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 105,51 $ | −1,25% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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