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Undurchsichtige Geldzahlungen : KPMG und McKinsey im Korruptionsstrudel in Südafrika

Proteste gegen die indische Unternehmerfamilie Gupta in Johannesburg im April Bild: EPA

Südafrika wird von dem größten Korruptionsskandal seit dem Ende der Apartheid erschüttert. Auch die Wirtschaftsprüfer KPMG und McKinsey sind ins Visier geraten. Der Reputationsschaden ist enorm.

          Protest in Südafrika ist ohne Hashtag nicht mehr vorstellbar. Zuerst gab es #FeesMustFall gegen hohe Universitätsgebühren, dann #ZumaMustFall und jetzt #KPMGMustFall. Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist wie mehrere andere internationale Unternehmen in den Strudel der Korruptionsaffären um Staatspräsident Jacob Zuma und die mit ihm befreundete indische Unternehmerfamilie Gupta geraten und steht deswegen gerade erheblich unter Druck. Save South Africa, eine Protestbewegung von Bürgern und bekannten Wirtschaftsvertretern, rief in dieser Woche die Privatwirtschaft dazu auf, alle Verträge mit KPMG zu lösen. Das wäre ein harter Schlag für die Gesellschaft, die viele Großunternehmen in Südafrika zu ihren Kunden zählt, von British American Tobacco bis hin zu den großen Banken und die Johannesburger Börse.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Zuvor hatte die für Wirtschaftsprüfer zuständige Aufsichtsbehörde wegen des Eklats eine Untersuchung der gesamten Branche angeordnet. Fast schon zögerlich klang die Stellungnahme eines Interessenverbandes von Aufsichtsratsmitgliedern: Man sage alle mit KPMG gemeinsam geplanten Veranstaltungen vorübergehend ab, darunter ein Golfturnier. Südafrika wird von dem größten Korruptionsskandal seit dem Ende der Apartheid erschüttert. Seit Monaten tauchen aus einem Fundus Zigtausender privater E-Mails immer neue Details über höchst fragwürdige Transaktionen der Guptas auf. Ihnen wird vorgeworfen, den Staat um Milliarden geplündert zu haben: über direkten Einfluss auf die Besetzung von Posten in staatlichen Institutionen und über ein kaum noch zu überschauendes Netz eigener oder ihnen nahestehender Unternehmen.

          Für KPMG wurde eine Hochzeit zum Verhängnis

          Aus Sorge vor Reputationsverlust hatten Südafrikas Großbanken im Juni vergangenen Jahres sämtliche Konten der Guptas gekündigt. Sowohl der Präsident wie die Familie weisen alle Anschuldigungen zurück und sprechen von einer politischen Kampagne. Für KPMG wurde unter anderem eine Gupta-Hochzeit zum Verhängnis. Nach den E-Mails zu urteilen, hatten ehemalige KPMG-Partner die Einladung 2013 freudig angenommen. Schon das brachte ihnen viel Kritik ein, denn Wirtschaftsprüfer sollten zur Unabhängigkeit verpflichtet sein. Darüberhinaus wurde die Hochzeit wohl auch noch über viele Umwege vom Staat mit umgerechnet 2 Millionen Euro finanziert. Eigentlich soll das Geld, das angeblich auch nicht versteuert wurde, für einen Agrarbetrieb der Guptas in der verarmten Provinz Free State vorgesehen gewesen sein. KPMG war damals für die Prüfung der involvierten Gupta-Gesellschaft zuständig. Nun müssen sich die Prüfer den Fragen stellen, weshalb ihnen solche Transaktionen entgangen sind. KPMG-Südafrika-Chef Trevor Hoole gestand in dieser Woche ein, dass man sich nicht erst im März 2016 von dem Kunden hätte trennen sollen. Die Prüfungsgesellschaft sei aber nicht in Steuerhinterziehung oder Geldwäsche verwickelt.

          Um Klarheit zu schaffen, wurde eine interne Untersuchung veranlasst. Bis deren Ergebnisse vorliegen, dürfte der Sturm der Entrüstung in Südafrika nicht abebben. „KPMG war eindeutig ein zentraler Spieler in mehreren kontroversen Gupta-Geschäften“, teilte Save South Africa mit. Die Wirtschaftsprüfer hätten über viele Jahre hinweg für die Guptas und mindestens 36 mit ihnen verbundene Unternehmen gearbeitet. Eine Asset-Management-Gesellschaft kündigte unter großem Medienrummel ihren Vertrag mit KPMG. Der bekannte Ökonom Iraj Abedian legte seinen Sitz im Aufsichtsgremium von Munich Re Africa nieder, weil die Rückversicherung noch KPMG nutzt. Die Chefin von Barclays Africa, Maria Ramos, will die Verträge prüfen. Und der frühere KPMG-Südafrika-Chef, ebenfalls ein Hochzeitsgast, musste mehrere Aufsichtsratsposten abgeben.

          KPMG ist nicht das einzige Unternehmen, das vom Strudel der Korruptionsaffäre in Südafrika erfasst wurde. Jüngst hatte die einst einflussreiche britische PR-Gesellschaft Bell Pottinger einen rapiden Niedergang erlebt. Die Gesellschaft war in Verruf geraten, weil sie für die Guptas eine mit rassistischen Begriffen gewürzte Kampagne zu Gunsten von Präsident Zuma entworfen hatte. Im Juli waren auch die deutschen Unternehmen Software AG und SAP in Erklärungsnot geraten. SAP hatte daraufhin das Management in Südafrika ausgewechselt.

          Und noch ein international renommiertes Unternehmen gerät in die Bredouille. Demnächst muss McKinsey vor dem südafrikanischen Parlament Stellung beziehen. In diesem Fall ging es um Zahlungen von umgerechnet mehr als 103 Millionen Euro des staatlichen Energieversorger Eskom an McKinsey und einen lokalen Partner namens Trillian Capital. Hinter diesem steckte bis vor kurzem ein Geschäftspartner der Guptas. Unklar ist, wie die vertraglichen Beziehungen zwischen Eskom, McKinsey und Trillian genau aussahen und wer welche Zahlungen veranlasst hatte. Als unumstritten jedoch gilt, dass Trillian Capital keine erkennbaren Leistungen dafür erbracht hatte

          . Im Juni hatte Eskom noch erklärt, eine weitere Beratungsgesellschaft, Oliver Wyman, habe alle Zahlungen als unbedenklich bezeichnet. Ende August jedoch musste der Staatskonzern eingestehen, dass diese Aussage falsch gewesen sei. Oliver Wyman habe eine rechtliche Prüfung der gesamten Auftragsvergabe empfohlen.

          Quelle: F.A.Z.

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