03.01.2008 · Der hohe Ölpreis spült schier unglaubliche Dollarsummen in die ohnehin schon reichen Ölförderstaaten dieser Erde. Diese investieren ihr Geld in die eigene Infrastruktur aber auch in westliche Unternehmen. Beliebt sind sie dort nicht.
Von Daniel SchäferEine neue Macht hat die Bühne der internationalen Finanzmärkte betreten. Sie verbirgt sich hinter Akronymen wie Adia, Kia und Qia oder hört auf orientalische Namen wie Mubadala oder Istithmar. Das alles sind aus Petrodollar gespeiste Staatsfonds, die eines gemeinsam haben: Sie besitzen enorm viel Kapital und sind gewillt, es mit aggressiveren Methoden anzulegen als in der Vergangenheit.
Der hohe Ölpreis spült schier unglaubliche Dollarsummen in die ohnehin schon reichen Ölförderstaaten dieser Erde: Allein Saudi-Arabien würde ein Ölpreis von dauerhaft 100 Dollar jährliche Einnahmen von mehr als 440 Milliarden Dollar bescheren. Und schon jetzt übertreffen die Haushaltsüberschüsse der arabischen Staaten rund um den Persischen Golf den Überschuss Chinas. Dieses Geld will irgendwie angelegt werden.
Wo werden die Petrodollar angelegt?
Die arabischen Staaten verfolgen eine Doppelstrategie: Sie investieren seit Jahren ein Vermögen in die heimische Infrastruktur - nicht nur in gigantische Tourismusprojekte wie die aus 300 künstlichen Inseln bestehenden Dubai World oder das einzige Sieben-Sterne-Hotel der Welt, das Burj al Arab in Dubai, sondern auch in die Entwicklung einer von der Ölförderung unabhängigen Wirtschaft, etwa durch den Aufbau von Finanzzentren.
Zum anderen suchen die Staaten nach Wegen, die Petrodollar gewinnbringend im Ausland anzulegen. Dazu sind in den vergangenen Jahrzehnten riesige Staatsfonds entstanden. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt das Vermögen dieser staatlichen Petrodollar-Fonds - die es nicht nur in der arabischen Welt, sondern auch in Ländern wie Russland, Venezuela, Norwegen oder Nigeria gibt - auf 3,8 Billionen Dollar. Und jedes Jahr wächst diese Summe um ein Fünftel.
Beteiligungen an westlichen Unternehmen
Zusammen mit Kuweit ist Abu Dhabi in der arabischen Welt ein Vorreiter im Aufbau von „Sovereign Wealth Funds“, wie sie im internationalen Finanzjargon genannt werden. Die Ende der siebziger Jahre gegründete Abu Dhabi Investment Authority (Adia) ist mit einem Volumen von bis zu 875 Milliarden Dollar (die genaue Summe wird geheim gehalten) der mit Abstand größte dieser Petrodollar-Recyclinghöfe. Adia finanziert nicht nur die heimische Wirtschaft und fördert Technologien, sondern kauft auch Aktienbeteiligungen an westlichen Unternehmen. Erst kürzlich stieg sie in das Geschäft mit fremdfinanzierten Beteiligungskäufen (Private Equity) ein, indem sie einen Anteil an einer Fondsgesellschaft des amerikanischen Private-Equity-Unternehmens Apollo erwarb.
Beteiligungen an Private-Equity- oder Hedge-Fonds sind unter den PetrodollarFonds derzeit in Mode: Der Staatsfonds Mubadala, ebenfalls aus Abu Dhabi stammend, erwarb in diesem Jahr einen Minderheitsanteil an der Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Und die dem regierenden Scheich gehörende Dubai International Capital (DIC) will sich an dem amerikanischen Hedge-Fonds Och-Ziff beteiligen.
Auch die Übernahme ganzer Unternehmen ist möglich
Doch eine indirekte Teilhabe am renditestarken Private-Equity-Geschäft ist den Petrodollar-Fonds längst nicht mehr genug. Zunehmend kopieren sie die Methoden der Beteiligungsgesellschaften und kaufen ganze Unternehmen - was in Deutschland die jüngste Diskussion über Staatsfonds geschürt hat.
Als Minderheitsaktionäre waren Staatsfonds hierzulande zwar schon seit Jahrzehnten aktiv. Aber Komplettübernahmen wie der Kauf des Verpackungsherstellers Mauser durch DIC in diesem Jahr sind in Deutschland Präzedenzfälle. Dabei wird es nicht bleiben, in Zukunft werden sich die Petrodollar-Fonds auch an größere Unternehmen herantrauen.
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