03.01.2008 · Die großen Ölfelder auf der Welt werden allesamt schon seit Jahrzehnten ausgebeutet. Neue große Gebiete aber werden nicht entdeckt. Nähert sich die Ära des einfachen Zugangs zum Erdöl ihrem Ende?
Von Gerald BraunbergerDas Erdöl wird nach Ansicht der meisten Experten sehr wahrscheinlich auf Jahrzehnte nicht ausgehen. Aber über die Höhe der noch unerschlossenen Reserven gehen die Einschätzungen weit auseinander. Die Anhänger der sogenannten „Peak-Oil-These“ vertreten die Meinung, dass die Förderung leicht zugänglichen Rohöls schon in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt erreichen und dann allmählich nachlassen wird. Die Internationale Energieagentur in Paris, die vor allem von Industrienationen und damit Ölverbrauchern betrieben wird, hat in den vergangenen Jahren stets dem Eindruck widersprochen, eine Knappheit an Öl drohe in den kommenden Jahrzehnten. Seit einiger Zeit äußert sich die Agentur allerdings etwas zurückhaltender.
Tatsache ist, dass die größten Ölfelder der Welt ihren Förderhöhepunkt zumindest erreicht, wenn nicht sogar überschritten haben. So geht die Zahl der „Super Giant Fields“, wie man die Ölfelder mit einer Förderung von mindestens einer Million Barrel am Tag nennt, stetig zurück. Waren es ursprünglich einmal knapp 20, so sind heute nur noch vier übriggeblieben. Ghawar in Saudi-Arabien führt die Rangliste mit einem Ausstoß von fast 5 Millionen Barrel am Tag mit einem weiten Vorsprung an. Gerüchte über Produktionskürzungen haben sich bislang zwar nicht bestätigt, aber steigern lässt sich die Förderung dort zumindest nicht mehr erheblich.
Neue große Felder werden nicht entdeckt
Die anderen Riesenfelder Daqing (China), Burgan (Kuweit) und Cantarell (Mexiko), die allesamt schon seit mehreren Jahrzehnten ausgebeutet werden, haben ihren Höhepunkt überschritten. Neue große Felder aber werden nicht entdeckt. Die Ära des einfachen Zugangs zum Erdöl nähert sich ihrem Ende. So hat Exxon ausgerechnet, dass der Betrieb einer Plattform heute 600.000 Dollar kostet, dreimal so viel wie vor wenigen Jahren.
Dennoch existieren weiterhin unerschlossene Reserven, aber diese Quellen sind, soweit bekannt, technisch nicht leicht und nur mit hohen Kosten erschließbar. Sie befinden sich nicht zuletzt unter dem Meer. Außerdem sind diese Felder vermutlich bei weitem nicht so ergiebig wie die „Super Giant Fields“. Aus hohen Kosten für die Erschließung und begrenzten Fördermengen folgt zwingend, dass Öl aus diesen Quellen nicht billig sein kann. Den Wert der gesamten bekannten Ölreserven schätzt die Investmentbank Morgan Stanley auf 44.000 Milliarden Dollar.
Die Mitglieder der Opec werden an Einfluss gewinnen
Betrachtet man die Geographie der Ölerschließung, werden wohl die Mitglieder der Opec in den kommenden Jahrzehnten an Einfluss gewinnen, weil die bekannten, noch nicht erschlossenen Felder vor allem zu ihren Territorien (unter Einschluss des landnahen Meeres) gehören. Dies gilt vor allem für die Staaten im Mittleren Osten, deren Angaben über vorhandene Reserven allerdings von manchen westlichen Fachleuten in Frage gestellt werden. Im Jahr 2006 entfielen von der Tagesproduktion von 85 Millionen Barrel in der Welt 36 Millionen auf die Opec-Staaten. Nach Schätzungen der Energieagentur dürften die Opec-Staaten im Jahr 2030 knapp 61 Millionen Barrel am Tag fördern. Das wäre mehr als die Hälfte der geschätzten Welt-Tagesproduktion von 116 Millionen Barrel.
Der Anteil der Förderung, der auf westliche Länder wie die Vereinigten Staaten und Großbritannien entfällt, wird in den kommenden Jahrzehnten zurückgehen. Die Energieagentur sagt für die Vereinigten Staaten zwischen 2006 und 2030 einen Rückgang der Tagesproduktion von 7,1 auf 6,3 Millionen Barrel voraus; in Europa (ohne Russland) dürfte die Förderung sogar von 5,2 auf 2,5 Millionen Barrel schrumpfen. Daraus ergibt sich ein ernüchterndes Fazit: Die Rohölförderung wird nicht nur technisch schwieriger und kostspieliger, sie wird auch zu einem wachsenden Teil in einer Region stattfinden, die für politische Spannungen anfällig ist.
Zu Frage 3: Leidet die deutsche Wirtschaft?
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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