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Korruptionsaffäre Beschuldigte weisen Siemens-Vorstand Mitverantwortung zu

15.12.2006 ·  Die in der Siemens-Korruptionsaffäre beschuldigten ehemaligen und suspendierten Mitarbeiter werfen früheren Siemens-Vorständen vor, von zweifelhaften Beraterverträgen zumindest gewußt zu haben. Am Freitag schied Siemens aus der Antikorruptions-Organisation TI aus.

Von Joachim Herr, München
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Die in der Siemens-Korruptionsaffäre beschuldigten ehemaligen und suspendierten Mitarbeiter wollen nach Informationen der F.A.Z. die Verantwortung für ihre mutmaßlichen Taten nicht allein übernehmen. Nach ihren Aussagen sollen Vorstände von Siemens in der Zeit, als Heinrich von Pierer Vorsitzender gewesen ist, von zweifelhaften Beraterverträgen - über die Schmiergeld gezahlt worden sei - zumindest gewußt haben. Auch die Compliance-Abteilung von Siemens, die das rechtmäßige Verhalten der Mitarbeiter überwacht, ist angeblich rechtzeitig informiert worden.

„Das sind ungeheure Unterstellungen und Verleumdungen“, kommentierte ein Sprecher von Siemens diese Behauptungen. Für die Verhafteten indes bedeuten die Worte Pierers, des Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens, dem Vernehmen nach einen Affront. Pierer hatte in einem Pressegespräch am vergangenen Dienstag die „zutage getretenen Verfehlungen“ damit erklärt, daß sich eine Gruppe von Mitarbeitern zusammengeschlossen und alle Sicherungen außer Kraft gesetzt habe. Dies seien insgesamt vier Männer in der Kommunikationstechniksparte Com gewesen: der kaufmännische Leiter, der Vertriebskaufmann, der Leiter des Rechnungswesens und der Leiter der Revision.

Vieles ist weiterhin unklar

Die Beschuldigten stellen die Situation gegenüber den Strafermittlern jedoch anders dar. Angeblich hat bisher auch nur ein Teil der Beschuldigten zugegeben, Geld aus „schwarzen Kassen“ auch in die eigene Tasche abgezweigt zu haben. Die meisten behaupten offenbar, das Geld nur für Unternehmenszwecke verwendet zu haben. Freilich stehen die Strafermittler in München noch am Anfang ihrer Arbeit, und vieles ist weiterhin unklar.

Video: Siemens-Schwarzgeldaffäre gewinnt an Brisanz

Wie berichtet, ist mit Thomas Ganswindt ein ehemaliges Mitglied des Zentralvorstands von Siemens am vergangenen Montag verhaftet worden. Er wurde gleich danach vernommen. Die zweite Runde findet angeblich am kommenden Montag statt. Nach Informationen dieser Zeitung sitzt Ganswindt sowohl wegen Flucht- als auch wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft. Die Fluchtgefahr wird mit einem möglichen hohen Strafmaß begründet, die Verdunklungsgefahr mit dem Verdacht auf heimliche Konten, wie zu hören ist. Ganswindt befinde sich in Landsberg, 50 Kilometer westlich von München, um sich nicht mit den in der Landeshauptstadt Inhaftierten absprechen zu können.

Folgen für das Geschäft

Die Korruptionsaffäre hat inzwischen auch Folgen für das Geschäft von Siemens. Wie berichtet, verschiebt sich der Beginn des Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks vom 1. Januar auf einen unbestimmten Termin im ersten Quartal 2007. Nokia will sich an den Prüfungen der Vorfälle und der Kontrollmechanismen von Siemens Com beteiligen. Die Ergebnisse sollen die Vereinbarungen für das Gemeinschaftsunternehmen ergänzen. Nokia sei aber weiterhin entschlossen, die Netzinfrastruktur mit dem Geschäft von Siemens zu verschmelzen, stellte Finanzvorstand Rick Simonson in Finnland klar. „Momentan geht niemand davon aus, daß es nicht klappt“, sagte Bernd Laux, Analyst von CAI Cheuvreux. Der Aktienkurs von Siemens pendelte am Freitag um den Schlußwert des Vortags.

Am Freitag endete die Mitgliedschaft von Siemens in der Antikorruptions-Organisation Transparency International (TI). Vor einer Woche hatte die Organisation schon angekündigt, eine Trennung von Siemens anzustreben. Das Unternehmen habe das Angebot aufgegriffen, die Mitgliedschaft einvernehmlich zu beenden, teilte TI mit.

Quelle: him. / F.A.Z., 16.12.2006, Nr. 293 / Seite 14
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