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Konzertveranstalter : Was kosten abgebrochene Festivals?

  • -Aktualisiert am

Wortwörtlich ins Wasser gefallen: Das Southside Festival in Neuhausen ob Eck wurde bereits nach wenigen Stunden komplett abgeblasen. Bild: obs

Der deutsche Festival-Sommer ist bisher weitestgehend ins Wasser gefallen. Die Besucher von Rock am Ring bekommen Geld zurück. Auch der Veranstalter von Southside und Hurricane muss wohl einen Teil des Ticketpreises zurückerstatten.

          „Hurra, diese Welt geht unter“ von K.I.Z. dröhnte aus den Lautsprechern eines Ghettoblasters, als die Besucher des Southside Festivals am Freitagabend das Gelände verließen und sich zu Autos oder Notunterkünften aufmachten. Der Himmel war rabenschwarz, es regnete, bald fing es an zu hageln und orkanartig zu stürmen. In den frühen Morgenstunden stand dann fest: Das war's, das Festival ist abgeblasen.

          Fast drei Wochen ist das inzwischen her, und wenn die Welt nur untergegangen wäre – sie hätte dem Festivalveranstalter und der Versicherung einiges an Ärger erspart. Denn nun muss sich das Konzertunternehmen FKP Scorpio in den Verhandlungen mit der Versicherung Novitas mit einer lästigen Frage herumschlagen: Bekommen die Besucher einen Teil des Ticketpreises zurückerstattet? Und, die fast noch lästigere Frage: Wie viel?

          „Der Veranstalter muss schon was bezahlen“, sagt Novitas-Geschäftsführer Matthias Grischke auf Nachfrage zur Ticketrückerstattung, „zumindest beim Southside.“ Seine Versicherung verhandle aktuell mit FKP Scorpio zu den beiden großen Festivals des Veranstalters, Southside und Hurricane, die immer mit den selben Künstlern am selben Wochenende stattfinden und in diesem Jahr wetterbedingt beide nur teilweise stattgefunden haben.

          Hotels und Anfahrt werden nicht zurückerstattet

          Die Besucher akzeptierten die Entscheidung des Veranstalters zwar überwiegend, doch sie haben zwischen 125 und 166 Euro für ihre Festivaltickets bezahlt – dabei hat selbst beim Hurricane nur gut die Hälfte aller Bands wirklich gespielt. Und obwohl die Veranstalter zwar für den wetterbedingten Ausfall nichts können, müsste zumindest ein Teil des Ticketpreises zurückerstattet werden, sagt Josina Starke, Rechtsexpertin vom Verbraucherschutz Niedersachsen. Wenn es gefährlich stürmt, kann der Veranstalter ein Konzert absagen, sagt Starke, „also sind aber auch die Besucher von ihrer Leistungspflicht, also dem Ticketpreis, befreit.“ Falls schon bezahlt ist, muss es also Geld zurückgeben.

          Ausgaben über den Ticketpreis hinaus, wie die Buchung eines Hotels oder die Anfahrtskosten, müsse der Veranstalter allerdings bei einer wetterbedingten Absage nicht übernehmen, so Starke.

          An diese Regel hat sich die Marek Lieberberg Konzertagentur, Veranstalter des ebenfalls abgebrochenen Festivals Rock am Ring, nach Verhandlungen mit ihrer Versicherung gehalten: Gegen Ticketvorlage wird den Besuchern 40 Prozent des Preises – abzüglich des Müllpfandes – zurückerstattet. Das dürfte entsprechend Druck auf FKP Scorpio ausgeübt haben, mit einem ähnlichen Rückerstattungsangebot nachzuziehen.

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          Auch FKP Scorpio soll sich finanziell beteiligen

          Noch laufen die Verhandlungen, laut Grischke soll es eine Lösung mit Selbstbeteiligung des Veranstalters geben. Denn durch die vorzeitige Absage müsse FKP Scorpio Kosten gespart haben, sagt Grischke. Eingenomen hat der Veranstalter nur beim Southside mit 60.000 Besuchern wohl um die neun Millionen Euro allein aus Ticketverkäufen. Somit könnte der Veranstalter auch dabei helfen, den Schaden – wie beispielsweise die teilweise Rückerstattung von Ticketpreisen – zu bezahlen.

          Bei Rückzahlungen wäre allerdings „eine Quote von zehn Prozent schon fast eine Million Euro“, sagt Grischke. Man unterhalte sich also über Millionenbeträge, daher werden die Verhandlungen noch eine Weile andauern. Was der Spaß die Versicherung und den Veranstalter letztlich kosten wird, steht noch nicht fest. Das sagt auch Katja Wittenstein, Pressesprecherin von FKP Scorpio, die allerdings in einer Stellungnahme nur von „eventuellen Ansprüchen der Besucher“ spricht. Für eine konkrete Aussage sei es noch zu früh, so Wittenstein. Man „überlege sich aber etwas“ für die Besucher, heißt es auf der Internetseite des Southside-Festivals.

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