Erstmals seit 2001 haben die wichtigsten Notenbanken der Welt in einer konzertierten Aktion die Leitzinsen gesenkt. Die Notenbanken versuchen, sich gegen den weltweiten Verfall der Börsen und die wachsenden Rezessionsängste zu stemmen (siehe Notenbanken senken Zinsen).
Doch an der Börse verpuffte der Effekt der überraschenden Zinssenkungen binnen zweier Stunden. In einer ersten Reaktion hatten die europäischen Märkte die starken Kursverluste aus dem Vormittagsgeschäft zunächst zwar etwas eindämmen können - aber nur vorübergehend. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am frühen Nachmittag zunächst bis an die Vortagsmarke von 5326 Punkten heran, sackte dann aber deutlich ab und schloss bei 5013,62 Zählern.
Nach Börsenschluss gab es eine weitere Meldung im Zusammenhang mit dem schlechten Börsenumfeld: Das Mainzer Solarunternehmen Schott Solar sagt seinen Börsengang ab. Die Emission werde auf unbestimmte Zeit verschoben, sagte ein Sprecher der Gesellschaft am Mittwoch. Das Umfeld sei „umwerfend schlecht“. Dies sei zu Beginn des Prozesses für den Börsengang nicht absehbar gewesen. Ursprünglich sollte der Börsengang an diesem Donnerstag (9. Oktober) über die Bühne gehen, vorausgegangen waren mehrere Verzögerungen. (siehe Schott Solar sagt Börsengang ab).
Sechster Verlusttag in Folge an der Wall Street
Auch an den amerikanischen Aktienmärkten ist der Effekt der Zinssenkung am Mittwoch weitgehend verpufft. Nach anfänglichen Gewinnen schlossen die amerikanischen Märkte deutlich im Minus. Die Rezessionsängste der Anleger und die Furcht vor anhaltend eingefrorenen Kreditmärkten überwogen. Zu den Verlierern gehörten abermals Finanztitel. Der Dow-Jones-Index verlor nach vorläufigen Schlussangaben 2,02 Prozent und fiel auf 9256,11 Punkte. Der S&P-500-Index gab um 1,14 Prozent auf 984,86 Punkte nach. Der NASDAQ-Index fiel um 0,83 Prozent auf 1740,33 Punkte. Der Euro notierte leicht höher bei 1,3687 Dollar nach 1,3615 Dollar am Vortag.
Auf die Stimmung drückten zu Beginn der neuen Berichtssaison auch schlechte Zahlen des amerikanischen Konzerns Alcoa. Händler sagen, dass die Zinssenkungen der Fed um 50 Basispunkte im Verbund mit anderen großen westlichen Notenbanken die Finanzmärkte zwar etwas gestützt habe, gleichwohl nicht für großen Optimismus sorge.
Steinbrück mit Acht-Punkte-Plan
Derweil wurde bekannt, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf dem Treffen der Finanzminister aus großen Industrieländern neue Finanzmarktregeln durchsetzen will. In einem veröffentlichten Brief an seine Kollegen schlägt er acht Maßnahmen vor.
Erstens müssten alle innovativen Finanzinstrumente in den Bilanzen ausgewiesen werden. Zweitens sei der Liquiditätspuffer der Banken aufzustocken. Drittens sollten internationale Standards für die Haftung von Managern eingeführt werden. Viertens müssten die Bezahlung und Anreizsysteme, die zu dem Rennen nach möglichst hohen Renditen geführt hätten, angepasst werden. Fünftens sollten der Internationale Währungsfonds und das Financial Stability Forum enger kooperieren. Sechstens seien schädliche Leerverkäufe zu verbieten. Siebtens sollten Banken Kreditrisiken nicht vollständig verkaufen dürfen. Achtens müssten die nationalen Regulierungsbehörden nach europäischem Vorbild enger zusammenarbeiten.
Sonderbeitrag des deutschen Managements Unterbrechung der Abwärtsspirale
georg neumann (geofra)
- 08.10.2008, 10:54 Uhr
Was ist mit den deutschen Superbossen ?
georg neumann (geofra)
- 08.10.2008, 11:45 Uhr
geht die Zockerei einfach weiter?
ren hoeg (saddat)
- 08.10.2008, 11:53 Uhr
@Neumann
(Neutrino)
- 08.10.2008, 12:01 Uhr
Es ist die Zeit gekommen...
Wassilios Kafiwas (lrt14174)
- 08.10.2008, 12:46 Uhr
