23.12.2011 · Konzernchef Christoph Franz will mit Hilfe von McKinsey oder Boston Consulting bis 2013 rund 1,5 Milliarden Euro sparen. Ein neuer Werbeauftritt soll zudem mehr Privatkunden locken.
Von Ulrich Friese, Julia LöhrDer Deutschen Lufthansa stehen gravierende Veränderungen bevor. Vorstandschef Christoph Franz, der seit Jahresbeginn Europas größte Fluggesellschaft führt, arbeitet mit Hochdruck an einem neuen Sparprogramm, das die Fixkosten im Konzern abermals um 1,5 Milliarden Euro senken soll. Gleichzeitig will er in Kürze externe Berater verpflichten, um interne Verlustquellen aufzuspüren, Arbeitsabläufe zu straffen und die aktuelle Organisation zu überprüfen. Die Details des neuen Konzepts, das auch einen neuen internationalen Werbeauftritt der deutschen Traditionsmarke einschließt, sollen bis Ende Februar vorliegen.
Ein verschärfter Sparkurs und neue Konzepte haben für den 51Jahre alten Lufthansa-Chef höchste Priorität, weil der für das Jahr 2011 erwartete Gewinn „bei weitem nicht die Größenordnung erreicht, die erforderlich ist, um unser Unternehmen und unsere Arbeitsplätze auch in Zukunft zu sichern“, kündigte Franz kürzlich den 120.000 Beschäftigten über die Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ an (F.A.Z. vom 17. Dezember). Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für das Sparprogramm auf Hochtouren. Unter Führung von Jörg Beißel aus dem Finanzressort und dem ehemaligen deutschen Vertriebschef Josef Bogdanski feilt eine zwölfköpfige Projektgruppe an den Details. Sie identifiziert Verlustquellen im Konzern und listet unnötige Doppelarbeiten in diversen Ressorts auf.
Kontrolle und Umsetzung des Katalogs sollen dann externe Dienstleister „als neutrale Instanz“ übernehmen. Eine Ausschreibung für das lukrative Projekt, bei dem wohl bis zu 20 Experten zum Einsatz kommen, läuft gegenwärtig mit den Beratergesellschaften McKinsey und Boston Consulting, berichten Kenner des Unternehmens. Roland Berger blieb außen vor, unter anderem weil die Luftfahrtexperten in München vollauf mit der Nachbesserung ihres Sparprogramms „Shape & Size“ für den Lufthansa-Rivalen Air Berlin ausgelastet sind.
Das neue Konzept von Franz fällt härter aus als das bis Jahresende terminierte „Climb 2011“-Programm, das sein Amtsvorgänger Wolfgang Mayrhuber angeschoben hatte. Das gewünschte Sparvolumen von 1,5 Milliarden Euro muss spätestens bis Ende 2013 realisiert sein, lautet die interne Vorgabe. Ziel von „Climb“ war es, die Fixkosten binnen zwei Jahren um eine Milliarde Euro zu drücken, wobei sich die Vorstandsriege fast vollständig auf die „freiwilligen Vorgaben“ und Vorschläge der Belegschaft stützte.
Mit dem Streben nach Konsens und Harmonie ist es jedoch bald vorbei. „Bogdanskis Truppe geht ausschließlich in Eigenregie vor und soll Kostgänger im Konzern ausschalten, indem beispielsweise zentrale Aufgaben wie IT, Personal oder Controlling für mehrere Ressorts und Abteilungen zusammengelegt werden“, beschreibt ein Manager das neue Vorgehen. Dass solche Schnitte Personalabbau nach sich ziehen werden, liegt für viele auf der Hand. Teile der Belegschaft und die organisierten Arbeitnehmervertreter sind alarmiert. Um ihre Kräfte für mögliche Arbeitskämpfe zu bündeln, teilten die bislang konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und Ufo schon vorsorglich mit, dass sie in den Tarifverhandlungen im kommenden Jahr an einem Strang ziehen wollen.
Mit dem Abbau von Fixkosten und strafferen Arbeitsabläufen im Passagier- und Frachtgeschäft muss die Lufthansa vor allem Verluste im Europa-Verkehr begrenzen, die jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Franz scheut selbst radikale Schritte nicht, die unter der Ägide Mayrhubers undenkbar waren: Er stellte kurz nach seinem Dienstantritt den Betrieb der verlustreichen Tochtergesellschaft Lufthansa Italia ein, stieß BMI an den Rivalen British Airways ab und setzt auf unrentablen Flugrouten der Lufthansa neuerdings die konzerneigene Billigflug-Gesellschaft Germanwings ein.
Die geplante Rosskur für das Kerngeschäftsfeld „Passage“, das rund drei Viertel zum Konzernumsatz und etwa die Hälfte zum operativen Ergebnis des Konzerns beisteuert, könnte der Auftakt für einen umfassenden Konzernumbau sein, sagen Manager der Lufthansa. Zwar stehe der regelmäßig diskutierte Verkauf des Catering-Geschäfts von Lufthansa Sky Chef aktuell keineswegs zur Debatte. Aber nach einem Käufer oder Partner für die Sparte IT Services wird längst gesucht.
Um insbesondere mehr Privatkunden zu gewinnen, soll im März kommenden Jahres eine neue internationale Werbekampagne gestartet werden, für die Lufthansa dem Vernehmen nach binnen drei Jahren 200 bis 300 Millionen Euro ausgeben will. Verantwortlich dafür wird die Agentur Kolle Rebbe aus Hamburg sein, die sich im Wettbewerb um den Lufthansa-Etat durchgesetzt hat und Etathalter McCann Erickson ablöst. Kolle Rebbe hatte in dem Auswahlprozess Außenseiterstatus - mit BBDO, Scholz & Friends und Serviceplan waren deutlich größere und internationaler ausgerichtete Agenturen im Rennen. „Der Einsatz der großen Werbenetzwerke wäre für die Lufthansa wohl mit hohen Kosten verbunden gewesen, was sich mit Blick auf das neue Sparprogramm verbietet“, kommentiert ein Manager den Etatwechsel.
Um die in Hamburg entwickelte Kampagne im Ausland zu adaptieren, wird Kolle Rebbe Partneragenturen aus dem Netzwerk „The Network One“ einbinden, in dem inhabergeführte Agenturen aus aller Welt zusammenarbeiten. Es gilt vor allem, die Bekanntheit der Lufthansa in Schlüsselmärkten wie Japan oder an der Westküste Amerikas aufzubessern. Details der Kampagne sind noch nicht bekannt, nur so viel: Der Werbeslogan „There’s no better way to fly“ wird ebenfalls abgelöst.
In Deutschland schaltete Lufthansa im vergangenen Jahr für rund 34 Millionen Euro Werbung. In diesem Jahr hat der Konzern dieses Niveau schon im November überschritten. Der Etat zählt nicht zu den größten des Landes - Markenartikler Procter & Gamble gibt mehr als zehnmal so viel aus. Er gilt aber als prestigeträchtig. 20 Mitarbeiter sollen sich bei Kolle Rebbe um Lufthansa kümmern. Auf den neuen Etat haben die Mitarbeiter schon einmal stilecht mit Tomatensaft angestoßen.
Man sollte einmal beim
Norbert G. Kaess (GeJN)
- 23.12.2011, 15:21 Uhr
Was für ein Haufen Nichtskönner.
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 23.12.2011, 14:36 Uhr
45 Millionen für Werbung
Michael Kleinszmit (d353rt)
- 23.12.2011, 14:01 Uhr
Miesest möglicher Service
Andreas Wolf (Lobo1962)
- 23.12.2011, 12:39 Uhr
O je!
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 23.12.2011, 12:35 Uhr
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