http://www.faz.net/-gqe-71xjh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 08.08.2012, 12:34 Uhr

Konzentration aufs Lokale WAZ-Gruppe strafft Abläufe und baut um

Im Unternehmenskern der WAZ-Gruppe, den Zeitungen in Nordrhein-Westfalen, soll angesichts sinkender Auflagen das Lokale künftig weitaus mehr zählen. Dazu werden Stellen aus überregionalen Ressorts in Lokalredaktionen verlegt.

von
© Kai Nedden / F.A.Z. Alle Macht dem Lokalen: Zentrale des in Europa führenden Regionalzeitungsverlegers in Essen.

Über Jahrzehnte leben sie in Essen in einem Spannungsverhältnis sondergleichen. Wer im dritten Stock der Zentrale aus einem der beiden kleinen Fahrstühle stieg, stand stets zwischen den beiden gleich starken Teilen des großen WAZ-Konzerns. Links ging es zur Brost-Familie, dort residierte bis Anfang des Jahres der von der Familie berufene Geschäftsführer Bodo Hombach. Rechts ging es zur Funke-Familie und dem von ihnen berufenen Geschäftsführer Christian Nienhaus. Jedem Stamm gehörte exakt 50 Prozent des größten Regionalzeitungsverlages Europas, keiner konnte gegen den anderen regieren. Da das Büro von Hombach dunkel vertäfelt war und das von Nienhaus weiße Wände hatte, sprach mancher im Unternehmen von einer hellen und einer dunklen Seite der Macht. Ein Gegensatz wie Tag und Nacht.

Jan Hauser Folgen:

Diesen Spannungsknoten hat Petra Grotkamp, eine Tochter des Mitgründers Jakob Funke, zerschlagen. Sie kaufte Anfang des Jahres den Anteil der Brost-Familie auf. Seitdem sitzt Hombach nicht mehr in dem alten Büro, und der Konzern liegt ganz in der Hand des Funke-Stamms. Alle Gesellschafter haben danach mit Manfred Braun, dem Herrn über die Zeitschriften im Hause, einen weiteren Geschäftsführer neben Nienhaus berufen. Als dritter Mann an der Spitze arbeitet seit Monatsbeginn der neue Finanzchef Thomas Ziegler in Essen, der vom Handelskonzern Metro kommt. Er sitzt im renovierten Hombach-Büro, während Braun ein Büro im dritten Stock nahe Nienhaus fand. Die Zeichen stehen auf Gemeinsamkeit: In ihren Zimmern blicken alle Geschäftsführer heute auf Wände wie weißes Papier.

Neue Einigkeit

Schon vor eineinhalb Monaten demonstrierten Braun und Ziegler in der Öffentlichkeit Einigkeit: Mit rotem WAZ-Schriftzug auf der Brust liefen beide, wie viele andere Mitarbeiter, im Juni bei einem Firmenlauf durch Essen und brauchten für die 5,1 Kilometer lange Strecke 26 Minuten und 12 Sekunden. Die Geschäftsführer wollen nicht nur an einem Strang ziehen, sondern auch gemeinsam ins Ziel kommen.

Auf dieser Strecke liegt genug Arbeit für den Konzern im Wandel, dem an manchen Stellen eine Renovierung nicht schaden wird. Wer sich in diesen Tagen darüber mit Manfred Braun unterhält, merkt, wie sehr er sich an der Spitze eingefunden und ins Zeitungsgeschäft eingegraben hat. „Das Internet zerstört nicht die Tageszeitung, sondern die Zeitung ist zu vorsichtig, sich der Zeit anzupassen“, warnt er. Braun ändert lieber die Zeitung als die Zeit.

Mehr zum Thema

An ihm liegt es, die Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen, dem Unternehmenskern der Gruppe, zu beleben: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung, Westfälische Rundschau und Westfalenpost kommen zusammen auf eine verkaufte Auflage von 732 473 Exemplaren, haben jedoch 5 Prozent zum Vorjahresquartal verloren. Die Titel steuern mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz von 1,1 Milliarden Euro bei. Daneben besitzt das Medienhaus 20 weitere Tageszeitungen und 175 Zeitschriften (Gong, Neue Welt) und kam 2011 auf ein operatives Ergebnis von 110 Millionen Euro. Braun ist für die Zeitschriften zuständig, Nienhaus für Zeitungen; aber die vier NRW-Titel teilen sie sich - Braun macht Vertrieb und Redaktion, Nienhaus die Druckereien und Anzeigen.

Das Geschäft hatte im Westen schon bessere Zeiten. „Das erste halbe Jahr war bei den Tageszeitungen davon geprägt, dass die Umsätze im Einzelhandel gefallen sind“, sagt Manfred Braun. Oft hört er, dass der Werbemarkt wegbreche, sie unter Druck stehen und auf dem absteigenen Ast seien - das alles klinge sehr negativ. Der neue Geschäftsführer will aber nicht ein neuer Sparkommissar sein, sondern die Stimmung drehen und den Auflagenrückgang stoppen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen eines Formfehlers Mandatsverzicht von Petra Hinz ist offenbar ungültig

Petra Hinz ist wohl weiterhin Mitglied des Deutschen Bundestags. Die wegen falscher Angaben in ihrem Lebenslauf in der Kritik stehende SPD-Politikerin habe dem Büro des Parlamentspräsidenten ein nicht ganz korrektes Fax geschickt. Mehr

24.08.2016, 21:45 Uhr | Politik
Fliegendes Essen In Neuseeland kommt die Pizza bald per Drohne

Eine Pizza-Kette aus Auckland wird in Neuseeland vermutlich schon bald die weltweit erste Pizza-Lieferung per Drohne anbieten. So ganz vom Himmel gefallen kommt das Essen dann aber doch nicht. Mehr

25.08.2016, 20:19 Uhr | Technik-Motor
Reaktionen zur Auslosung Das ist eine Hammergruppe

Die Bayern freuen sich in der Champions League auf die schnelle Chance zur Revanche. Dortmund trifft alte Bekannte. Für Leverkusen ist alles möglich. Und die Gladbacher rechnen sich doch etwas aus. Mehr

25.08.2016, 20:04 Uhr | Sport
Wolfsburg VW einigt sich mit Lieferanten

Der Streit zwischen Volkswagen und zwei Lieferanten der Prevent-Gruppe ist nach einem Verhandlungsmarathon beigelegt. VW hat mitgeteilt, dass die betroffenen Standorte nun schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vorbereiten würden. Über weitere Inhalte der Einigung sei Stillschweigen vereinbart worden. Mehr

24.08.2016, 19:43 Uhr | Wirtschaft
Möbel für Hund und Katze Der will doch nur wohnen

Lange Zeit waren Kratzbaum und Katzenklo unschöner Bestandteil deutscher Haushalte. Doch nun hat die Designbranche Tiere für sich entdeckt und damit spezielle Kuschelkissen, Zelte, Betten. Mehr Von Anja Martin

25.08.2016, 09:22 Uhr | Stil

Für den Steuerzahler

Von Kerstin Schwenn, Berlin

In Zeiten steigender Haushaltsüberschüsse sollte in Berlin das Bewusstsein dafür reifen, dass dieses Geld großenteils dem Steuerzahler gebührt. Die Leistungsträger haben das verdient. Mehr 1 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“