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Kontakte knüpfen im Web Der Kumpel aus dem Netz

27.04.2007 ·  Jeder kennt jeden - über höchstens sechs Ecken. Diese Ecken zu überwinden haben sich die Betreiber von Online-Netzwerken wie Xing oder StudiVZ auf die Fahnen geschrieben. Hunderte solcher Seiten gibt es schon. Doch eigentlich macht es keinen Sinn, dass alle überleben.

Von Patrick Bernau
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Es ist ziemlich unübersichtlich geworden in der Welt der Kontaktnetzwerke: Mehrere hundert gibt es inzwischen, fast täglich geht ein neues online - mit neuen Funktionen, für eine andere Zielgruppe und so weiter. Den Überblick hat kaum noch jemand.

Doch diese Angebote sind beliebt. Unter den 100 meistgenutzten Websites der Deutschen sind der Suchmaschine Alexa zufolge sieben solcher Netzwerke - die bekanntesten sind die Studenten-Seite StudiVZ und das Geschäftskontakte-Netzwerk Xing, jede mit zwei Millionen Mitgliedern. Aber selbst das wenig bekannte Netzwerk Jappy zählt nach eigenen Angaben 360.000 Mitglieder.

Jeder kennt jeden - über höchstens sechs Ecken

Ein paar Grundfunktionen haben alle diese Seiten gemeinsam, vor allem: Die Nutzer können ihre Freundschaften im Netzwerk abbilden und so Freunde von Freunden kennenlernen. Das ist die praktische Umsetzung der „Kleine Welt“-Theorie des amerikanischen Soziologen Stanley Milgram.

Jeder Mensch auf der Welt kennt jeden anderen über höchstens sechs Ecken, mit wenigen Ausnahmen. Diese „Ecken“, die gemeinsamen Bekannten, lassen sich auf den Netzwerkseiten finden. Außerdem können sich die Nutzer dort in Gruppen zu speziellen Themen zusammenfinden und Nachrichten austauschen.

Nur einer wird übrig bleiben

Die Wirtschaftstheorie sagt: Auf Dauer bleibt nur eine große Seite übrig. Diesen Mechanismus nennen die Ökonomen „Netzwerk-Effekt“. Der Gedanke: Je mehr Leute auf so einer Seite Mitglied sind, desto mehr Personen kann man dort kontaktieren, und desto besser sind die gefundenen Verbindungen zwischen zwei Menschen. Also strömen alle Nutzer zur größten Plattform - und die anderen Seiten verwaisen.

Auf so einen Nutzerstrom hofft auch das Internetunternehmen United Internet, das diese Woche mit seiner Seite „unddu.de“ online gegangen ist. Aufmerksamkeit ist dieser Seite sicher. Denn über die E-Mail-Anbieter Web.de und GMX sowie andere Töchter hat United Internet nach eigenen Angaben bereits Kontakt zur Hälfte der deutschen Internetnutzer. Die will United Internet damit locken, dass sie ihr berufliches und privates Netzwerken verbinden können.

Für „alle Lebenslagen“

Dazu legen die Nutzer unterschiedliche Profilseiten an und machen diese Seiten unterschiedlichen Kontakten zugänglich - ihren beruflichen Bekanntschaften die beruflichen Seiten, den Fußballfreunden die Fußballseiten. „Die Nutzer können alle Lebenslagen abbilden“, sagt Vorstand Matthias Greve von United Internet.

Bisher haben die Nutzer diese Bereiche allerdings gut getrennt. Entgegen der Wirtschaftstheorie haben sich mehrere große Netzwerke gebildet, viele davon haben auch auf längere Sicht gute Überlebenschancen.

„Das themenbezogene Netzwerk hat sich durchgesetzt“, resümiert Bengt Feil von der Unternehmensberatung Boogie Medien, der in einer Umfrage untersucht hat, wie die Menschen Kontaktnetzwerke nutzen. „Als Kunde weiß ich ganz genau, was ich von einem themenbezogenen Netzwerk erwarten kann. Bei einem ohne Fokus kann ich nicht so leicht sagen, was es mir bringt.“

Mütter, Manager, Musiker

Und so gibt es extra Netzwerke für Mütter, für Manager und für Musiker. Auf einen leichteren Überblick über die ungezählten Kontakte-Netzwerke kann man darum wohl vorerst nicht hoffen - aber darauf, dass sich für jedes Thema ein führendes Netzwerk bildet. Umso wichtiger wird ein guter Wegweiser. Wir zeigen auf dieser Seite die besten Netzwerke in sechs Kategorien, Nutzer beschreiben ihre Vorlieben bei den einzelnen Verzeichnissen.

Bei allem Unterschied zwischen den Netzwerken sollten sich Nutzer aber auf eines nicht verlassen: Dass das, was sie in einem Netzwerk schreiben, auch darin bleibt. Auch Geschäftsfreunde kann man auf MySpace wiedertreffen, und dann sehen sie möglicherweise die Informationen.

Oder der Personalchef schleicht sich im Studiverzeichnis ein und betrachtet das Profil seiner Bewerber, bevor er sich entscheidet. Darum sollte man in Netzwerken nur die Dinge schreiben, die öffentlich gemacht werden dürfen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.04.2007, Nr. 16 / Seite 53
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