27.08.2004 · Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist im August wie im Juli abermals gesunken. Die Gesellschaft für Konsumforschung erwartet für dieses Jahr keine Konjunkturimpulse mehr durch den privaten Konsum.
Die Furcht der Menschen vor sinkenden Einkommen vor allem in Ostdeutschland hat die schon schlechte Stimmung der Verbraucher im August weiter eingetrübt. „Der Abwärtstrend beim Konsumklima scheint sich zu verfestigen", folgerte Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag aus der monatlichen Umfrage der Marktforschungsgruppe.
Das GfK-Konsumklima sank für September auf 2,0 von revidierten 3,0 Punkten für August. „Die Diskussion um Reformen am Arbeitsmarkt (Hartz IV) sowie die stark gestiegenen Ölpreise lassen vor allem die Einkommenserwartungen weiter zurückgehen.“ Dabei fürchteten besonders die Ostdeutschen um ihre Einkünfte, im Westen hätten die Einkommenserwartungen stagniert. Auch bei der Bereitschaft zu größeren Anschaffungen wie Fernsehern oder Autos bremste eine weitere Verschlechterung im Osten den kräftigen Anstieg in Westdeutschland zum Teil aus.
Bürger skeptischer als Forscher
Die GfK, die jeden Monat rund 2000 Personen befragt und aus den Umfragen das Konsumklima für den Folgemonat berechnet, erwartet nun keinen Schub beim Konsum in diesem Jahr mehr. „Die Hoffnungen ruhen auf 2005, wenn sich die Arbeitsmarktlage nach den vorliegenden Prognosen verbessern sollte", sagte Bürkl. Die meisten Volkswirte gehen wie die Regierung davon aus, daß die deutsche Wirtschaft dank des starken Exports in diesem Jahr um 1,5 bis 2,0 Prozent wächst und 2005 auch mehr Arbeitsplätze schafft. Allerdings blicken die Verbraucher angesichts der noch immer düsteren Beschäftigungsaussichten mit Skepsis auf die Wirtschaftsentwicklung.
Der Indikator für die Konjunktureinschätzungen machte im August mit einem Anstieg von 2,1 Zählern auf minus 18,4 Punkte nur ein Viertel des Einbruchs vom Juli wett. Auch die Unternehmen zeigten sich zuletzt zuversichtlich, daß die Nachfrage nach deutschen Produkten im Ausland nicht abreißt. Trotz Rekordhoch beim Ölpreis und schwacher Binnennachfrage trübte sich das Ifo-Geschäftsklima im August kaum ein. Allerdings stuften die von der Kauflaune der Deutschen abhängigen Einzelhändler ihre Lage schlechter ein. Der Konsum - auf den fast 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entfallen - gilt als Achillesferse der deutschen Konjunktur.
Stimmungskluft zwischen Ost und West wächst
Ungünstige Vorzeichen für den Einzelhandel lieferten der GfK zufolge im August vor allem die Einkommenserwartungen. Der Indikator sank den zweiten Monat in Folge und erreichte mit minus 19,5 Punkten den niedrigsten Stand seit März 2003. Besonders im Osten hätten offenbar die Pläne zur Arbeitsmarktreformen ihre Spuren hinterlassen, da wegen der hohen Arbeitslosigkeit mehr Menschen betroffen seien und Angst vor Einkommenseinbußen hätten, sagte Bürkl. „Zudem haben die Verbraucher offenbar das Gefühl, daß die hohen Ölpreise Kaufkraft entziehen.“
Viele Bürger fürchteten angesichts der Debatten um Standortverlagerungen wohl auch, daß sie bald auf bislang gewohnte Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten müssen. Die Stimmungskluft zwischen Ost und West schlug sich der GfK zufolge auch in der aktuellen Kauflaune nieder. Der Indikator für die Anschaffungsneigung kletterte rund zehn Punkte auf minus 27,8 Zähler, wobei die GfK allerdings nur in den alten Bundesländern deutlich mehr Kauffreude registrierte. Im Osten dagegen nahm die Bereitschaft zum Kauf von langlebigen Produkten von dem sowieso schon niedrigeren Niveau weiter ab. „Hier findet momentan offenbar eine Polarisierung statt", sagte Bürkl. Grund dürften die größere Sorge der Ostdeutschen um ihre zukünftigen Einkommen sein.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.381,83 | −0,88% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2441 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 105,55 $ | −1,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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