06.01.2012 · Zum neunten Mal in Folge hat Airbus seine Vormachtstellung gegenüber Boeing verteidigt und im vergangenen Jahr mehr Flugzeuge ausgeliefert. Doch bei den Langstreckenmaschinen könnte Boeing davonziehen.
Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat zum neunten Mal in Folge seine Vormachtstellung gegenüber Boeing verteidigt. 2011 lieferte Airbus mehr als 530 Jets aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr. Damit übertraf der Boeing-Konkurrent auch sein selbstgestecktes Ziel von 520 bis 530 Auslieferungen. Airbus wollte die Zahlen vor seiner Jahres-Pressekonferenz am 17. Januar nicht kommentieren. Bis Ende November verließen 477 Airbus-Jets die Montagehallen.
Genauso viele lieferte Boeing nach eigenen Angaben im Gesamtjahr aus und blieb damit knapp hinter seiner Erwartung von 480 Maschinen zurück. 2010 hatte Boeing 462 Verkehrsflugzeuge an den Mann gebracht. Im vierten Quartal verließen 128 Maschinen die Montagehallen. Boeing beendete das Jahr mit einem Auftragsbestand von 3771 Verkehrsflugzeugen.
Den Markt für Flugzeuge mit mehr als 100 Sitzen teilen sich Airbus und Boeing praktisch auf. China, Russland und Kanada wollen ihnen aber zumindest bei den kleineren Flugzeugen bis Ende des Jahrzehnts Paroli bieten. Die EADS-Tochter Airbus setzte sich erstmals 2003 an die Spitze.
Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage aufgrund der Schuldenkrise in Europa verzeichnet die Luftfahrtbranche derzeit Auftrieb. Zu verdanken hat sie dies den Schwellenländern, deren Nachfrage ungebrochen ist. Dank der prall gefüllten Auftragsbücher werden sowohl Airbus als auch Boeing in den kommenden Jahren keine Abstriche bei der Produktion machen müssen. Beide sehen die Finanzierung der bestellten Flugzeuge trotz der weltwirtschaftlichen Turbulenzen als gesichert an. Reuters zufolge sind bei Airbus im vergangenen Jahr mehr als 1600 Aufträge eingegangen. Damit könnte Boeing bei den Bestellungen den geringsten Marktanteil im 40-jährigen Wettbewerb mit Airbus verzeichnet haben. Bei dem Wert der Orders ist der Unterschied allerdings nicht ganz so groß, da es Boeing gelang, mehr teure Langstreckenflugzeuge zu verkaufen.
In einer getrennten Mitteilung räumte Airbus ein, dass an mehreren Flugzeugen vom Typ Airbus A380 Risse in den Tragflächen entdeckt worden seien. Ein Unternehmenssprecher versicherte, dass die Flugsicherheit dadurch nicht beeinträchtigt sei. Die betroffenen Flugzeuge könnten bei den alle vier Jahre vorgesehenen Wartungsprüfungen repariert werden. Die australische Fluggesellschaft Qantas und ihre asiatische Rivalin Singapore Airlines bestätigten, dass trotz der Haarrisse kein Risiko für die Sicherheit der Passagiere bestünde. Es sei nur eine kleine Anzahl an Flugzeugen betroffen, deren Mängel bei den Routine-Inspektionen behoben würden.
Der A380 ist weltweit das größte Passagierflugzeug und ein Flaggschiff des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Sieben europäische und asiatische Fluggesellschaften fliegen bereits mit dem Langstreckenflugzeug mit 525 Sitzen, Airbus hat zudem 243 Bestellungen von 18 Fluggesellschaften.
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