http://www.faz.net/-gqe-71m0u

Konjunktureller Gegenwind : Siemens stellt die Prognose infrage

  • Aktualisiert am

Schlechtes Umfeld: Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher glaubt nicht mehr an ein Erreichen der Gewinnprognose. Bild: dapd

„Wir spüren einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind“, so formuliert es Siemens-Chef Peter Löscher - und äußert Zweifel an der Erreichbarkeit der Gewinnprognose. Jetzt soll ein neues Sparprogramm helfen. Auch der Osram-Börsengang wird verschoben.

          Die aufziehende Konjunkturkrise verdüstert die Perspektiven von Siemens. Im abgelaufenen dritten Quartal kletterte der Umsatz des Münchener Technologieriesen zwar binnen Jahresfrist nochmals um ein Zehntel auf 19,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang brach allerdings um ein Viertel auf 17,8 Milliarden Euro ein. Siemens-Chef Peter Löscher zweifelt daran, dass sein Haus wie geplant im fortgeführten Geschäft einen Jahresgewinn von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro einfahren kann.

          „Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, vor allem in den industriellen kurzzyklischen Geschäften“, erklärte Löscher am Donnerstag. „Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen.“

          Löscher kündigte kündigte deshalb ein Sparprogramm an. Ob das auch Stellenabbau heißt, blieb zunächst offen. In allen Sektoren „arbeiten wir gezielt an Kostensenkungen“, sagte Löscher am Donnerstag in München. Siemens erwarte keine Erholung, sondern eine weitere Abkühlung der Weltwirtschaft. Deshalb lasse er jetzt ein Programm ausarbeiten, „das den Fokus auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozessen legt“, sagte Löscher. Siemens werde „aus dieser Krise schlanker, schneller und agiler“  herauskommen. Heute beschäftigt Siemens in Deutschland rund 119.000 Mitarbeiter - 3000 mehr als vor einem Jahr.

          Gewinn des Industrie-Segments knickte ein

          Vor allem das Geschäft mit Fabrikausrüstung lahmt. Der Gewinn des konjunkturanfälligen Industrie-Segments des Konzerns knickte in den Monaten April bis Juni um ein Viertel auf 523 Millionen Euro ein. Die Marge der Sparte ging bei stagnierendem Umsatz um fast vier Punkte auf 10,2 Prozent zurück.

          Der Gesamtgewinn der Münchner legte in deren dritten Geschäftsquartal zwar um 70 Prozent auf 850 Millionen Euro zu, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Im Vorjahreszeitraum hatte Siemens hohe Sonderlasten verbucht.

          Im Energiesektor hat Siemens mit schlechten Geschäften mit Wind- und Solaranlagen zu kämpfen. Der Gewinn der Division Erneuerbare Energie knickte um die Hälfte auf 36 Millionen Euro ein, das Solarsegment weitete seinen Verlust aus. Der „grüne Infrastrukturriese“ verdient weiter am besten mit Gaskraftwerken und Ausrüstung zur Stromgewinnung aus fossilen Quellen.

          Osram-Börsengang verschoben

          Wegen des schlechten Umfelds will Siemens seine Lichttochter Osram nicht mehr in diesem Jahr an die Börse bringen, sondern die Osram-Aktien nächstes Jahr an die Siemens-Aktionäre verschenken. Ursprünglich war dies bereits im vergangenen Jahr geplant. Wegen Abschreibungen in Höhe von 443 Millionen Euro rutschte Osram im abgelaufenen Quartal in die roten Zahlen.

          Damit reiht sich Siemens in die Serie der IPO-Absagen ein. Wegen den Verwerfungen an den Kapitalmärkten hatten schon mehrere Unternehmen ihre Börsenpläne abgesagt oder auf Eis gelegt. Siemens-Chef Peter Löscher hatte noch Anfang Juli gesagt, Osram weiter an die Börse bringen zu wollen. Die jüngsten Rückzüge von Börsenaspiranten wie Evonik oder Kolbenschmidt-Pierburg würden das Vorhaben nicht anfechten.

          Quelle: Reuters / DPA / Dow Jones

          Weitere Themen

          Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen Video-Seite öffnen

          Stellenabbau bei Großkonzern : Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen

          Siemens will weltweit fast 7000 Stellen streichen - davon die Hälfte in Deutschland. In den betroffenen Werken geht nun die Angst um. In Offenbach hatte Siemens angekündigt, den Standort aufzugeben. Dabei könnte es zum ersten Mal seit zehn Jahren zu Entlassungen bei Siemens auf dem Heimatmarkt kommen.

          10 Milliarden Euro für Elektro-Antrieb Video-Seite öffnen

          VW in China : 10 Milliarden Euro für Elektro-Antrieb

          Der Wolfsburger Autobauer steckt in China zehn Milliarden Euro in die Entwicklung sogenannter „New Energy Vehicles“. Die von China verlangte Quote für Elektroautos sieht vor, dass ab 2019 zehn Prozent des Jahresabsatzes der Hersteller aus E- und Hybrid-Fahrzeugen bestehen.

          Topmeldungen

          Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden.

          F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

          Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Ernennung neuer Bundesrichter : Wie Trump Amerikas Justizsystem umbaut

          Von seinen Wahlversprechen hat Donald Trump noch nicht allzu viel erreicht. Aber seine Regierung verändert das Land schon tiefgreifend. Ein mächtiger Hebel ist besonders nachhaltig – und wird noch andere Präsidenten beschäftigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.