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Konjunkturausblick auf 2013 Neues Jahr, alte Lasten

Europa hat seine Krise noch nicht überwunden. Zumindest in Deutschland deutet aber einiges daraufhin, dass dem Land eine abermalige Rezession erspart bleibt. Eine Analyse.

© dapd Vergrößern Hoffnungsträger: Die deutsche Bauindustrie sollte von den niedrigen Zinsen und der Flucht in Sachwerte profitieren.

Das Schlimmste der Euro-Krise liegt hinter uns. Nein, das Schlimmste kommt noch. Beide gegensätzliche Aussagen sind derzeit von Politikern und Ökonomen zu hören, für beide gibt es Gründe. Das Kartell der Rettungspolitiker verbreitet beruhigende Worte, viele Ökonomen und Steuerzahler bleiben aber besorgt über die Kosten der Rettung. In der deutschen Wirtschaft, die unter dem Eindruck der Euro-Krise oft Investitionen verschoben hat, fassen dennoch viele wieder Mut. Konjunkturell könnte der Tiefpunkt, zumindest für Deutschland, im Winterhalbjahr durchschritten werden.

Philip Plickert Folgen:    

Das Damoklesschwert der Krise scheint zuletzt etwas an Schrecken verloren zu haben. Das geht vor allen auf Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, zurück, der den Märkten den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen in Aussicht gestellt hat. Es ist nicht ausgemacht, dass diese Strategie langfristig aufgeht. Die zur Schuldenfeuerwehr mutierte Zentralbank muss höllisch aufpassen, dass sie als monetärer Staatsfinanzier nicht den Reformdruck wegnimmt und die Währung schwächt. Kurzfristig jedoch hat der EZB-Zauber gewirkt. Die Risikoprämien der Südländer sind gesunken. Allerdings gibt es bislang keine Anzeichen für ein Ende der Rezessionen in Südeuropa. Im Gegenteil: Die Industrie ist zum Jahreswechsel auf einen neuen Tiefpunkt gesunken.

Deutschland wird eine Rezession vermeiden können

Deutschland wird eine Rezession aber wohl vermeiden können. Hauptgrund der konjunkturellen Bremsung im vergangenen Jahr war die Investitionszurückhaltung der Unternehmen, die sorgenvoll nach Süden blickten und die Abkühlung der Weltkonjunktur zu spüren bekamen. Die Industrie, besonders die Investitionsgüterhersteller, musste große Einbußen in Südeuropa hinnehmen. Der Anteil der Eurozone am deutschen Export, der zu Anfang der Währungsunion noch 46 Prozent betrug, liegt inzwischen zehn Prozentpunkte niedriger. Die Einbußen wurden jedoch durch die sehr starke Nachfrage aus Asien und Amerika überkompensiert, so dass der Außenhandel einen positiven Wachstumsbeitrag leistete.

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Die fehlenden Investitionen haben die Binnenkonjunktur ausgebremst. Von Quartal zu Quartal sank die Auslastung der Industrie. Eine Konjunkturstütze ist der Wohnungsbau. Er profitiert von den ausnehmend günstigen Bauzinsen und der Flucht in die Sachwerte. Erfreulich stabil blieb der Arbeitsmarkt. Auch wenn seit einem halben Jahr die Arbeitslosenzahlen saisonbereinigt leicht steigen, hat die Beschäftigung einen historischen Rekordwert erreicht, und die Reallöhne entwickeln sich etwas stärker. Das sollte den Konsum stärken.

Stimmungsindikatoren deuten auf Konjunkturwende hin

Rechtzeitig zum neuen Jahr deuten Stimmungsindikatoren auf eine Konjunkturwende hin. Das Ifo-Geschäftsklima ist zwei Mal in Folge stärker als prognostiziert gestiegen. Zwar laufen die Geschäfte aktuell so schlecht wie seit zweieinhalb Jahren nicht, doch in den Chefetagen der Unternehmen zieht wieder verhaltene Zuversicht ein. Allerdings ist dies bislang nicht mehr als eine Bodenbildung.

Die professionellen Konjunkturforscher haben ihre Prognosen für 2013 drastisch gesenkt. Nur noch magere 0,3 bis 0,7 Prozent Wachstum trauen sie der deutschen Wirtschaft zu. Pessimisten sehen das Risiko einer längeren Schwäche, wenn die Kapazitätsauslastung weiter sinkt und Erweiterungsinvestitionen daher ausbleiben. Optimisten hoffen, dass die für Deutschland extrem niedrigen Zinsen der Konjunktur doch wieder Schwung geben müssten. Der Export könnte vom langsam anziehenden Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Und nachdem die Vereinigten Staaten haarscharf die Fiskalklippe umgangen haben, ist dort ein moderates Wachstum wahrscheinlich.

Griechenlands Verbleib im Euro ist nicht gesichert

Allerdings stehen all diese vorsichtig zuversichtlichen Ausblicke unter erheblichen Vorbehalten. Die Unsicherheiten sind gewaltig. Ein Risiko bleibt Griechenland, dessen Verbleib im Euroraum ist nicht gesichert. Die Dauerrezession könnte zum Zerbrechen der Athener Regierungskoalition führen. Kämen dann die Linkspopulisten an die Macht und stoppten die Reformen, müssten die Euro-Retter eigentlich als Konsequenz den Geldhahn zudrehen. Spannend wird die Entwicklung in Italien, es steht in Frage, ob sich dort die reformorientierten Kräfte durchsetzen. Bislang sind die fundamentalen Wettbewerbsschwächen der südeuropäischen Volkswirtschaften erst in Ansätzen korrigiert worden. Es gibt erste Fortschritte, etwa die sinkenden Lohnstückkosten, doch sind das zarte Pflänzchen. Der Weg zu einer richtigen Erholung wird noch lang und steinig.

Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, als die industrialisierte Welt in den ökonomischen Abgrund schaute, sind viele Grundprobleme nur verschoben worden. Die schwerste Altlast ist die sprunghaft gestiegene öffentliche Verschuldung. Im Durchschnitt des Euroraums nähert sich die Schuldenquote der Marke von 90 Prozent, von der an Ökonomen ein auf Dauer geschwächtes Wachstum sehen. Die Defizite zu senken, ohne durch einen allzu harten Sparkurs die Konjunktur vollends abzuwürgen, ist eine Gratwanderung, bei der es noch manchen Rückschlag geben kann. Europa hat die Krise wohl noch lange nicht hinter sich.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.01.2013, 07:55 Uhr

Näher an die rote Linie

Von Philip Plickert

Schritt für Schritt nähert sich die EZB dem Kauf von Staatsanleihen. Wenn die Konjunktur weiter schwach bleibt und die Inflationsrate Richtung Nulllinie sinkt, wird der Druck enorm groß, diese „atomare Option“ zu zünden. Mehr 43 51


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