Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten fiel im Juni drastisch um 27,7 Punkte auf minus 16,9 Zähler. Es war der zweite Rückgang des Stimmungsbarometers nach zuvor fünf Anstiegen in Folge und mithin der stärkste Rückgang des Indikators seit Oktober 1998, teilte das ZEW mit.
Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf plus 2,8 bis 4,0 Punkte erwartet. Eine Notierung im positiven Bereich zeigt an, dass die Mehrheit der Befragten eine positive Konjunkturentwicklung voraussieht. Auch die aktuelle Lage bewerteten die befragten Experten schlechter: Dieser Indikator fiel auf von 44,1 Punkte auf 33,2 Zähler, derweil Volkswirte 39 bis 40 Zähler prognostiziert hatten.
Finanzmärkte unbeeindruckt
„Zum deutlichen Rückgang des Indikators dürfte die Zuspitzung der Lage des spanischen Bankensektors und der über weite Teile des Umfragezeitraums noch unbekannte Ausgang der griechischen Parlamentswahl beigetragen haben“, sagt ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Das Ergebnis des Erwartungsindikators sei eine Warnung vor einer allzu optimistischen Einschätzung der deutschen Konjunkturperspektiven in diesem Jahr.
Die Finanzmärkte beeindruckt der ZEW-Index bisher wenig. Der marktbreite FAZ-Index rutschte nur kurzzeitig leicht ins Minus und notiert weiter 0,5 Prozent höher bei 1363 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau vor Veröffentlichung des Konjunkturindex. Der Euro hielt sich um 1,26 Dollar, und der als für den als sicherer Hafen geltenden Anleihenmarkt richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, weitete seine Verluste noch aus. Der Kontrakt gibt derzeit 51 Basispunkte auf 142,13 Zähler nach.
„Man war auf eine Enttäuschung eingestellt. Der ZEW war unter den Konjunkturdaten zuletzt ohnehin immer der positive Ausreißer, vielleicht wird die schwache Zahl heute lediglich als Anpassung daran gesehen, was wir längst schon wissen“, sagt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Der ZEW-Indikator sei indes ein negativer Vorbote für den am Freitag anstehenden Ifo-Geschäftsklimaindex. Die aktuellen Schätzungen dafür erschienen zu ambitioniert. Die meisten Experten rechnen bisher lediglich mit einem moderaten Rückgang des Ifo-Index.
Nachholbedarf bei den "Erwartungen"
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 21.06.2012, 18:02 Uhr
Die Wirtschaft wird überbewertet in Deutschland
Hansjörg Dohm (MCfive)
- 19.06.2012, 12:09 Uhr
