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Wirtschaftswachstum Ökonomen kappen Prognosen drastisch

08.10.2008 ·  Jetzt reagieren die Ökonomen auf die Finanzkrise und schrauben ihre Wachstumsprognosen herunter: Die Vorhersage des „World Economic Outlook“ muss korrigiert werden, der IWF sieht ein Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft. Für Deutschland senkt der Bankenverband seine Prognose für 2009.

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Die Finanzkrise wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) das Wachstum der Weltwirtschaft merklich abschwächen. Die neue Prognose des World Economic Outlook musste gegenüber September nach unten korrigiert werden, wie der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, am Mittwoch in Berlin berichtete.

Der IWF bewerte die Risiken für die Konjunkturentwicklung aktuell deutlich größer als die Chancen; die Lage sei von großer Unsicherheit geprägt, sagte er. Laut IWF gibt es Anzeichen, dass die Krise der weltweiten Finanzsysteme nun auch auf die Realwirtschaft durchschlägt. IWF und Weltbank kommen ab Freitag zu ihrem halbjährlichen Treffen in Washington zusammen.

Zudem ist das BIP im Euro-Raum laut zweiter Schätzung des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaften, Eurostat, im zweiten Quartal 2008 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal hat es dagegen saisonbereinigt 1,4 Prozent zugelegt.

Bankenverband reduziert Prognose für 2009 drastisch

Die deutsche Wirtschaft wird nach Erwartung des Bundesverbandes Deutscher Banken in der zweiten Hälfte dieses Jahres stagnieren und sich 2009 wieder etwas erholen. Für 2009 sei insgesamt nur noch ein Wachstum von rund 0,5 Prozent zu erwarten, erklärte der Geschäftsführende Vorstand des Verbandes, Manfred Weber, am Mittwoch in Berlin. Der Verband setzte die Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr damit drastisch zurück. Noch im September hatten die Chefvolkswirte der führenden privaten Banken erwartet, dass das BIP 2009 um 1,0 bis 1,5 Prozent zulegt.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Situation gelassener. DIW-Präsident Klaus Zimmermann sagte für das kommende Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus. „Wir gehen davon aus, dass eine Eindämmung der Finanzkrise gelingt“, sagte Zimmermann am Mittwoch bei der Vorstellung der „Herbstgrundlinien 2008“ des DIW in Berlin.

Lob für Stützungsmaßnahmen der Regierungen

Weber sagte im Vorfeld der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank voraus, dass trotz der eingetrübten weltwirtschaftlichen Perspektiven eine weltweite Rezession nicht zu befürchten sei. Große Bedeutung misst der Verband dabei den in den Vereinigten Staaten und Europa eingeleiteten Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor zur Überwindung der Finanzmarktkrise bei: „Sie sollten dazu beitragen, dass es nicht zu einer Ausweitung der Krise mit abrupten realwirtschaftlichen Folgen kommt.“

Diese Maßnahmen seien ein wichtiger Beitrag, um das Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen, geordnete Verhältnisse an den Finanzmärkten zu erreichen und die Rahmenbedingungen für die Realwirtschaft zu stabilisieren.

Auch DIW-Chef Zimmermann sagte, sein Institut erwarte derzeit kein Überspringen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. Außerhalb des Bankensektors gebe es keinerlei Anzeichen für eine Kreditverknappung an Unternehmen. Mit Blick auf ruhende oder gedrosselte Produktionen in einigen Autowerken sprach Zimmermann im ZDF-Morgenmagazin von einer Dramatisierung: „Das Konjunkturmuster ist weiterhin auch für Deutschland eher robust.“

Nachlassende Rohstoffpreise

Weber erklärte weiterhin, die konjunkturelle Entwicklung werde derzeit auch begünstigt von nachlassenden Rohstoffpreisen - vor allem den Ölpreisen - und damit fallendem Inflationsdruck.

Der Höhenflug des Ölpreises, die gestiegene Inflationsrate sowie der hohe Eurokurs haben den Aufschwung in Deutschland nach Einschätzung der Bankenverbandes im Frühjahr zum Erliegen gebracht. Die Frühindikatoren ließen für die zweite Jahreshälfte kaum mehr als Stagnation erwarten, nur die zurückgehende Inflationsrate verhindere eine noch schlechtere Entwicklung.

Die Ausgangsbedingungen für 2009 seien damit bescheiden, erklärte Weber. Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt und viele deutsche Unternehmen verbessert. Damit seien die Chancen gut, dass die deutsche Wirtschaft von einer Wiederbelebung der Weltwirtschaft profitieren könne. Voraussetzung sei eine Fortführung des Reformkurses und „situationsgerechte Lohnabschlüsse“, erklärte Weber.

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Von Heike Göbel

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