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Wirtschaftskrise : Der industrielle Niedergang Frankreichs setzt sich fort

Kein gutes Jahr für Frankreich: Die Industrie geht immer weiter zurück, Tendenz sinkend Bild: REUTERS

Um Frankreichs Industrie ist es nicht gut bestellt. Allein dieses Jahr mussten 191 Fabriken schließen. Die französische Regierung versucht vergeblich die Wirtschaft zu entlasten.

          Das verarbeitende Gewerbe befindet sich in Frankreich weiter auf dem Rückzug. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres haben 191 Fabriken und Werke geschlossen, berichtete die französische Beratungsgesellschaft Trendeo am Mittwoch in Paris. Das entspricht ungefähr dem Rückgang des Vorjahres. Gleichzeitig sind jedoch rund ein Viertel weniger Industriestandorte eröffnet worden als im Vorjahr. „Für zwei Fabriken, die schließen, macht ungefähr eine neue auf“, berichtet David Cousquer, Ökonom und Geschäftsführer von Trendeo, einer Gesellschaft, die nach eigenen Angaben Veröffentlichungen in Medien und anderen öffentlichen Quellen auswertet. Dies habe den Vorteil, dass die jüngsten Entwicklungen schneller erfasst würden als durch die offiziellen statistischen Behörden, meint Cousquer.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die langfristige Tendenz eines industriellen Niedergangs Frankreichs bestätigt sich auch in Zahlen des statistischen Amtes der EU-Kommission (Eurostat). Danach trug das verarbeitende Gewerbe 2011 nur noch 10,1 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Das ist der niedrigste Wert im Euroraum. Italien dagegen kam auf 16 und Deutschland auf 22,6 Prozent. In fast allen europäischen Ländern geht der Industrieanteil an der Wertschöpfung zurück, in Frankreich jedoch besonders stark. Zwischen 2001 und 2011 sank der Anteil im europäischen Vergleich um 2,5 Prozentpunkte, in Frankreich um 4,6 Prozentpunkte.

          Steuererleichterungen sollen Industrieunternehmen dienen

          Seit 2009 habe Frankreich im Saldo 613 Fabriken weniger, berichtet Trendeo – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Beschäftigung. 140.000 Arbeitsplätze seien in diesem Zeitraum verlorengegangen. Im laufenden Jahr habe sich der Prozess noch einmal beschleunigt. 17.000 Stellenstreichungen wurden zwischen Januar und August gezählt, 3000 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

          Die Regierung versucht den Niedergang der Industrie aufzuhalten, indem sie zum Beispiel mit öffentlichen Mitteln innovative Industrieunternehmen fördert. Auch ihr Steuererleichterungsprogramm in Höhe von 20 Milliarden Euro jährlich soll den Industrieunternehmen dienen. Doch tatsächlich sind es vor allem große Dienstleistungskonzerne wie die Post und Einzelhändler, die am stärksten davon profitieren.

          Der Arbeitgeberverband Medef protestiert lautstark gegen die hohen Lasten durch Steuern und Abgaben, findet bisher aber wenig Gehör in der Regierung. Das gilt auch für die Forderung nach Deregulierung. Am Mittwoch begannen die Abgeordneten die Debatte über das geplante Gesetz gegen die Schließung von profitablen Standorten. Der jüngste Gesetzentwurf sieht vor, dass ein Konzern drei Monate lang einen Käufer für ein Werk suchen muss, das Gewinne macht und dennoch aus strategischen Gründen geschlossen werden soll.

          Entlastung der Wirtschaft gestaltet sich schwierig

          Nach Ansicht der sozialistischen und anderer linker Abgeordneter kommt es häufig vor, dass vor allem finanzorientierte Investoren Standorte stilllegen und sie nicht der Konkurrenz überlassen wollen. Die Beschäftigten hätten dann den Schaden. Wenn das neue Gesetz nicht beachtet wird, ein Unternehmen zum Beispiel nicht ernsthaft sucht, sollen Strafzahlungen von bis zu 28.000 Euro je betroffenem Arbeitnehmer fällig werden. „Dieser Gesetzentwurf verbietet nicht die strategischen Restrukturierungen, sondern verteuert ihre Kosten in der Hoffnung, dass dies abschreckend wirkt“, sagte der Abgeordnete François Brottes, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses in der Nationalversammlung.

          Die Arbeitgeber halten das geplante Gesetz dagegen für eine „Absurdität“, wie der Vizepräsident Geoffroy Roux de Bézieux kürzlich sagte. Es würde vor allem ausländische Investoren davon abhalten, in Frankreich zu investieren. Der Gesetzentwurf heißt in Frankreich „Loi Florange“, was auf das stillgelegte Stahlwerk des indischen Unternehmers Lakshmi Mittal in Lothringen abzielt.

          Dass sich die Regierung mit einer Entlastung der Wirtschaft schwertut, zeigen auch die jüngsten Manöver in der Steuerpolitik. Präsident François Hollande hatte für nächstes Jahr eine „Steuerpause“ für Haushalte und Unternehmen angekündigt. Sein Premierminister Jean-Marc Ayrault meinte hingegen am Mittwoch, dass die Steuererhöhungen erst 2015 zu einem Ende kämen.

          Quelle: F.A.Z.

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