27.06.2007 · Früher hatten die sechs führenden Wirtschaftsinstitute den Job sicher: Sie waren für die Konjunkturdiagnose für das Wirtschaftsministerium verantwortlich. Jetzt werden die Gutachten ausgeschrieben. Nach F.A.Z.-Informationen wird das DIW dabei eher nicht das Rennen machen.
Von Patrick WelterDem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin droht der Ausschluss von der Konjunkturdiagnose für das Bundeswirtschafts-ministerium. Nach Informationen der F.A.Z. empfehlen die Fachleute in der Vorlage für die Entscheidungsebene des Ministeriums, das Institut bei der Ausschreibung des Gutachtens nicht mehr zu berücksichtigen.
Das Institut hatte sich bei der Ausschreibung, die in diesem Jahr erstmals offen über den Kreis der bisherigen fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute hinaus stattfindet, zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beworben. Eine Entscheidung gegen das DIW könnte so auch das Aus für das ZEW bedeuten, das sich erhofft hatte, in den Kreis der Konjunkturgutachter aufzurücken.
Schwächen in der Diagnose
Die Empfehlung der Fachleute mehrerer Ministerien gegen das DIW legt die Schwächen offen, die das Institut nach Angaben von Ökonomen in den vergangenen Jahren in der Konjunkturdiagnose offenbarte. Nach dem Abgang des Leiters der Konjunkturabteilung, Gustav Horn, zum Jahresende 2004 hatten viele Volkswirte der Abteilung das Institut verlassen.
Horn hatte nach seinem Abgang das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung IMK aufgebaut. Auch sein Nachfolger am DIW, Alfred Steinheer, verlässt zum Herbst das Institut. Aus den anderen Instituten, die zuletzt an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligt waren, war zuletzt viel Kritik an der mangelnden Mitarbeit des DIW an dem Gutachten laut geworden.
Das DIW wehrte sich gegen Vorwürfe mangelnder Qualität und sprach von einer „politisch motivierten Kampagne“ gegen das Institut. In der deutschen konjunkturpolitischen Beratung habe das DIW durch neue Ansätze immer wieder aktiv zur Weiterentwicklung der Gemeinschaftsdiagnose beigetragen. Die Konjunkturabteilung habe eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen u. a. der Einsatz fortgeschrittener quantitativer Methoden.
Entscheidung kommende Woche
Die Empfehlung der Fachleute des Ministeriums bindet die politische Leitungsebene des Hauses nicht. Eine Entscheidung über die bis zu vier Institute, die künftig gemeinsam eine Konjunkturprognose für das Wirtschaftsministerium erstellen sollen, soll wahrscheinlich bis Ende kommender Woche fallen.
Beworben haben sich neben der Kombination DIW und ZEW das Institut für Weltwirtschaft in Kiel, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen zusammen mit dem österreichischen Institut für Höhere Studien, das Ifo-Institut in München mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, das IMK mit dem IWH in Halle und dem Wifo in Wien, das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sowie das Baseler Bak-Institut zusammen mit Oxford Economics.
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