24.07.2007 · Im Euroraum ließ die Wirtschaftsdynamik im Juli nach. Trotzdem sind die Konjunkturforscher optimistisch für das Gesamtjahr. Das sieht auch das DIW so: Es hob seine Prognose auf 2,6 Prozent an.
Die Wirtschaft in den Euro-Ländern hat zu Beginn des zweiten Halbjahres an Schwung verloren. Sowohl Industrie als auch Dienstleister schalteten im Juli einen Gang herunter, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Dienstag zu seiner Umfrage unter 5000 Unternehmen mitteilte. Die erneut gestiegenen Aufträge lassen aber einen robusten Aufschwung in den kommenden Monaten erwarten, weshalb die Unternehmen erneut mehr Beschäftigte einstellten.
Der RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank vorläufigen Angaben zufolge von 55,6 Punkten im Vormonat auf 54,8 Punkte. Das war der schwächste Wert seit fast anderthalb Jahren. Bei den Dienstleistern gab der Index auf 58,1 Zähler nach und blieb knapp unter dem im Juni erreichten Zwölf-Monats-Hoch von 58,3.
Konjunkturbarometer zeigen noch auf Wachstum
Beide Barometer behaupteten sich klar über der Marke von 50 Punkten, von der an Wachstum angezeigt wird. Die 3000 befragten Industrieunternehmen steigerten ihre Produktion so gering wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Auch die Aufträge kletterten so schwach wie seit November 2005 nicht mehr.
Die Unternehmen stellten dennoch vermehrt Beschäftigte ein. Mit 53,4 Punkten hielt sich der Beschäftigungsindex nahe dem im Juni erreichten Sechseinhalb-Jahres-Hoch von 53,7 Punkten. Besser lief es bei den 2000 befragten Dienstleistern.
Für Dienstleister läuft es bestens
Sie sammelten so viele Bestellungen ein wie seit der Fußball-WM im Juni 2006 nicht mehr. Die gute Auftragslage veranlasste die Firmen zu so vielen Neueinstellungen wie zuletzt während der WM in Deutschland.
Experten sehen in den Umfrageergebnissen einen Beleg für eine weiter robuste Konjunktur, die aber ihre besten Zeiten bereits gesehen haben dürfte. „Der Gipfel liegt hinter uns“, sagte Andreas Scheuerle von der
Deka-Bank. „Die Industrie ist nach wie vor recht gut in Fahrt, auch wenn das Tempo etwas nachgelassen hat“, sagte auch Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.
Teurer Euro und hoher Ölpreis belasten
Der teure Euro und hohe Ölpreise machten den Unternehmen das Leben aber künftig schwerer. Dies dürften viele deutsche Unternehmen aber dank einer größeren internationalen Wettbewerbsfähigkeit wohl besser schultern, betonte Scheuerle. „Um die deutsche Industrie mache ich mir ohnehin keine Sorgen, die ist Spitzenreiter in Europa.“
Die vorläufigen Daten liefern eine Woche vor Bekanntgabe der endgültigen Einkaufsmanagerindizes und damit früher als andere Indikatoren einen ersten Überblick über den Konjunkturverlauf. Der RBS/NTC-Composite-Index, der Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, sank von 57,8 auf 57,3 Punkte.
DIW erhöht Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent
Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge fällt der Konjunkturaufschwung in Deutschland kräftiger aus als erwartet und wird auch 2008 anhalten. Das Institut setzte am Dienstag seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,4 auf 2,6 Prozent herauf. 2008 wird das
Bruttoinlandsprodukt vor allem dank eines stärkeren Privatkonsums um 2,5 Prozent zulegen.
Die konjunkturellen Perspektiven in Deutschland blieben „eindeutig aufwärts gerichtet“, erklärte das DIW. Die Zahl der Arbeitslosen werde auf 3,3 Millionen sinken. Nachdem die deutsche Wirtschaft in der Vergangenheit vor allem vom Exportboom profitiert hatte, werde nun die Binnennachfrage zunehmend bedeutender. Ihr Wachstumsbeitrag steige auf über 80 Prozent, nach 57 Prozent im vergangenen Jahr.
Investitionen treiben die Konjunktur an
Konjunkturmotor im Inland seien derzeit die Investitionen der Unternehmen, 2008 übernehme diese Rolle der private Verbrauch. Im laufenden Jahr steige der Privatkonsum wegen der Erhöhung zu Jahresbeginn nur moderat. 2008 werde er mit 2,5 Prozent dann deutlich stärker zulegen (Siehe auch: Branchen und Märkte (103): Handwerk).
Ursachen sind neben dem Rückgang der Arbeitslosigkeit auch reale Lohnsteigerungen, wie das Institut erklärte, das bis Frühjahr 2010 nicht mehr an der Konjunkturprognose für das Bundeswirtschaftsministerium mitarbeiten darf. Das Ministerium hatte sich kürzlich bei einer Ausschreibung für vier andere Institute oder
Bietergemeinschaften entschieden.
Arbeitslosigkeit wird sinken
Das staatliche Defizit wird der Prognose zufolge in diesem Jahr auf unter 2 Milliarden Euro sinken. „Damit kann erstmals seit langem ein fast ausgeglichener Haushalt vergelegt werden“. 2008 könnten sogar Überschüsse erzielt werden. Diese Entwicklung sei vor allem auf die wieder stärker sprudelnden Steuereinnahmen und den Rückgang der Arbeitslosigkeit zurückzuführen.
Die Zahl der Menschen ohne Jobs wird demnach im Jahresdurchschnitt 2007 auf 3,7 Millionen sinken und im kommenden Jahr auf 3,3 Millionen. „Einem rascheren Abbau steht ein zunehmender Fachkräftemangel entgegen, erklärten die Forscher.
„Risiken sind überschaubar“
Die Risiken für die Konjunkturentwicklung - eine drastische Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro und die Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beurteilte das DIW als „überschaubar“. Zudem habe die bisherige Erfahrung gezeigt, dass eine Abkühlung an den Immobilienmärkten nicht zu einer Konjunkturabkühlung führen müsse.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,97 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2441 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 105,55 $ | −1,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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