26.05.2010 · Die Wirtschaft kommt schneller als befürchtet aus dem Konjunkturtal, schreibt die OECD. Das Wachstum werde „ab dem zweiten Quartal kräftig an Schwung gewinnen, wenn sich der Welthandel weiter verbessert und die Unternehmen ihre Investitionsausgaben nach und nach erhöhen“.
Von Christian Schubert, ParisDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet eine deutlich stärkere Konjunkturerholung in Deutschland sowie in der Weltwirtschaft als noch Ende vergangenen Jahres. Wie sie in ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick schreibt, rechnet die Organisation für Deutschland in diesem Jahr mit einer Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,9 Prozent. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im vergangenen November erwartet. Für 2011 hat sie ihre Prognose von 1,9 auf 2,1 Prozent heraufgesetzt. Das Wachstum werde „ab dem zweiten Quartal kräftig an Schwung gewinnen, wenn sich der Welthandel weiter verbessert und die Unternehmen ihre Investitionsausgaben nach und nach erhöhen“.
Die Erholung kommt vor allem vom Export, denn Schwellenländer wie China und Indien treiben die Weltwirtschaft an. Auch für die Vereinigten Staaten und Japan hat die OECD ihre Wachstumsprognosen kräftig heraufgesetzt. Demgegenüber liegt der Euroraum deutlich zurück. Die Organisation warnt dabei besonders vor zwei Risiken: Die Instabilität an den Märkten für Staatsanleihen könnte sich ausweiten, und die Volkswirtschaften einiger Schwellenländer könnten überhitzen. Grundsätzlich hält sie diese Risiken für kontrollierbar, wenn die überschuldeten Länder im Euroraum konsequent ihre Defizite abbauen und die Geldpolitik in den Schwellenländern angemessen reagiere.
Der Arbeitsmarkt in Deutschland sei, gemessen am Rückgang der Produktion, „weiterhin außerordentlich robust“. Dies schreibt die OECD mehr als dem staatlichen Kurzarbeitergeld der „zunehmenden Flexibilität der Arbeitszeitregelungen auf Betriebsebene im verarbeitenden Gewerbe“ zu. Im privaten und öffentlichen Service-Sektor seien zudem Teilzeitkräfte eingestellt worden. Als Folge davon hätten die Unternehmen in Deutschland infolge gestiegener Lohnstückkosten an Wettbewerbsfähigkeit verloren, berichtete der OECD-Ökonom Felix Hüfner. Wahrscheinlich würden sie sich daher in naher Zukunft von einem Teil der Belegschaft trennen, doch in überschaubarem Maße. „Die Arbeitsmarktverbesserung bleibt im Vergleich zu früheren Rezessionen weiterhin außergewöhnlich gut“, meint die OECD.
Aufgrund des gestiegenen Exports werde sich der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands wahrscheinlich wieder erhöhen, da der Inlandskonsum schwach bleibe. Die OECD empfiehlt Maßnahmen zur Erhöhung der Investitionen in Deutschland. Die Wirtschaftssektoren, die nicht exportieren, müssten attraktiver werden, etwa durch eine Liberalisierung der freien Berufe. Eine Politik der Lohnzurückhaltung zur Ankurbelung der Exporte sei dagegen langfristig nicht durchhaltbar, meint Hüfner. Stattdessen müsste die Innovationstätigkeit in Deutschland gestärkt werden, nicht zuletzt durch bessere Bildung, die der Knappheit an Fachkräften entgegenwirke.
Zum Kampf gegen die Staatsschulden-Krise empfiehlt die OECD, die „institutionelle und operative Architektur des Euroraums erheblich zu stärken“. Maßnahmen wie effektivere Sanktionen „bis hin zu externen Prüfungen der Haushalte der Länder, dass heißt bis zu einer De-facto-Fiskalunion“, seien zu erwägen. Nach Angaben des stellvertretenden Chefvolkswirts Jorgen Elmeskov müssten die Staaten künftig auf einen Teil ihrer Autonomie verzichten. Denn die europäischen Rettungsmaßnahmen könnten die Risikobereitschaft einzelner Staaten erhöhen. Dem sei nur mit mehr politischer Koordination zu begegnen, wenn man die Sanktionen der Finanzmärkte nicht akzeptiere.
Volkswirte rechnen mit 1,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr und sogar mit 2,1 Prozent im kommenden Jahr. Allerdings könnte die Finanzkrise belasten. Europa müsse daher eine Fiskalunion prüfen.
Bitte, bitte
Michael Arndt (Mikel1962)
- 26.05.2010, 20:41 Uhr
Schockprognose
Hiep Van Tran (WatersToronto)
- 26.05.2010, 20:46 Uhr
Versteckte Botschaften
thomas schulz (peanutbutter)
- 27.05.2010, 11:22 Uhr
Ganz schöne Verluste letztes jahr
Stefan Vieregg (Kuselianer)
- 27.05.2010, 14:39 Uhr
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