30.09.2004 · Die Ökonomen des IWF halten den Ölpreis, eine mögliche Beschleunigung der Inflation sowie eine "harte Landung" der chinesischen Wirtschaft für die größten Bedrohungen der Weltkonjunktur.
Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr um 5 Prozent wachsen, so schnell wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Im kommenden Jahr steht allerdings eine Abkühlung des Aufschwungs auf 4,3 Prozent Wachstum bevor, und viele Risiken drohen die Konjunktur sogar noch deutlicher zu dämpfen. Das sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft voraus.
Darin bezeichnen die Ökonomen des IWF einen weiteren Anstieg des schon jetzt konjunkturdämpfend hohen Ölpreises, eine mögliche Beschleunigung der Inflation sowie eine "harte Landung" der chinesischen Wirtschaft als größte Gefahren für die Weltkonjunktur. Sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von Ländern Europas fordert der Fonds größere Anstrengungen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen und zur Reform der Rentensysteme.
Prognose für Japan erhöht
Die Vereinigten Staaten, die größte Volkswirtschaft der Erde, werden der neuen Prognose zufolge in diesem Jahr um 4,3 Prozent wachsen, 0,3 Prozentpunkte weniger als im April erwartet. Die Prognose für das kommende Jahr hat der IWF ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte auf nun 3,5 Prozent verringert. Die deutsche Wirtschaft dürfte demnach in diesem Jahr 2 Prozent wachsen, 0,5 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr vorhergesagt. Dafür sagt der Fonds für 2005 nur noch 1,8 Prozent voraus, 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor.
Die Gesamtwirtschaft aller 12 Euro-Länder soll sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr jeweils 2,2 Prozent wachsen. Deutlich erhöht hat der IWF die Wachstumsprognose für Japan, die nun 4,4 Prozent (plus 1,1 Prozentpunkte) für 2004 und 2,3 Prozent (plus 0,5 Punkte) für 2005 lautet. Der chinesischen Wirtschaft, die den globalen Konjunkturmotor ebenfalls antreibt, sagen die IWF-Fachleute eine leichte Abkühlung von 9 auf 7,5 Prozent Wachstum voraus.
„Ölmarkt bleibt anfällig für weitere Schocks“
„Der Ölmarkt bleibt sehr anfällig für weitere Schocks, beispielsweise durch Terroranschläge", warnte Raghuram Rajan, Chefökonom des IWF, anläßlich der Vorstellung des Berichts. Ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 5 Dollar je Faß verringere das Wachstum der Weltwirtschaft um rund 0,3 Prozent. Nicht zuletzt wegen des hohen Ölpreises bestehe zudem die Gefahr einer Beschleunigung der Inflation. Zur Eindämmung der Preisrisiken könnten dann Leitzinserhöhungen notwendig werden, die sich in den Erwartungen der Finanzmarktakteure derzeit nicht widerspiegelten. Höhere Kapitalmarktzinsen würden nicht nur die Finanzierungsbedingungen vieler Schwellenländer verschlechtern, sondern womöglich zu einem Rückgang der Immobilienpreise in einigen Industrieländern führen, mit negativen Folgen für das Wachstum.
Amerikanische Geldpolitik „angemessen“
Den aktuellen Kurs der amerikanischen Geldpolitik, die Zinsen "maßvoll" zu erhöhen, hält der IWF angesichts der aktuellen Wirtschaftslage aber noch für angemessen (). Der Europäischen Zentralbank raten die Ökonomen indes, die Geldpolitik erst dann zu straffen, wenn der Aufschwung in Europa an Kraft gewonnen habe. Bisher werde der Konjunkturmotor des Euro-Raums vor allem vom Export getrieben, die Binnennachfrage sei weiterhin schwach, besonders in Deutschland. Die geringe Kauflust der Deutschen sei zum einen auf die geringen Einkommenszuwächse vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit zurückzuführen; zum anderen erhöhten offenbar die Haushalte ihre Sparneigung. "Deutschland braucht viele Reformen, und die Agenda 2010 zielt in die richtige Richtung. Die Bundesregierung muß an diesem Kurs festhalten", sagte Rajan. Der IWF rechnet nur mit einem geringen Rückgang der Arbeitslosenquote in Deutschland von 9,7 in diesem auf 9,5 Prozent im kommenden Jahr. Das Defizitkriterium von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushalt wird Deutschland 2004 mit 3,9 Prozent ebenso verfehlen wie im kommenden Jahr mit 3,3 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,75 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2446 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 105,43 $ | −1,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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