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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Weltkonjunktur Nicht nur Europa

 ·  Die Unsicherheit in der Eurozone gibt Anlass zu zahlreichen Spekulationen. Doch Europa ist nicht die Welt. Schwächt die Weltkonjunktur ab, ist das alles andere als eine gute Nachricht.

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Es ist verständlich, wenn man gerade als Europäer derzeit vor allem auf die Lage im Euroraum blickt. Alleine die Unsicherheit um die Zukunft von Griechenland und Spanien gibt Anlass zu zahlreichen Überlegungen und zu Spekulationen, zu Beschwichtigungsversuchen wie zu Panikmache. Aber so wichtig die Frage über die weitere Entwicklung im Euroraum auch sein mag: Europa ist nicht die Welt. Auch das, was außerhalb Europas geschieht, verdient größte Beachtung. Denn es scheint, als schwäche sich die Weltkonjunktur ab. Und das ist alles andere als eine gute Nachricht.

Natürlich strahlt die Unsicherheit über die Zukunft von Staaten, Wirtschaft und Banken in der Währungsunion auf den Rest der Welt aus. Die nachlassende wirtschaftliche Dynamik in Osteuropa dürfte zu einem erheblichen Teil der Schwäche des südlichen Teils des Kontinents geschuldet sein. Auch Asien und Amerika sind nicht gegen ein europäisches Schwächevirus immun. Aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen: Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum dürfte 2012 nach aktuellen Schätzungen um ein bis zwei Prozent zurückgehen. Ein solches Minus verdient die Bezeichnung Rezession, aber es handelte sich weder um eine sehr schwere Rezession noch um eine Depression oder gar um einen Weltuntergang.

Wachstum oder Globalisierung - eine Scheinfrage?

Nein, auch anderswo gibt es hausgemachte Schwächen. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten wächst so, wie man es in einem Land erwarten kann, in dem der Staat mit aggressiver Finanz- und Geldpolitik gegen die Folgen einer Bilanzrezession kämpft: Die Wirtschaft wächst langsam und stotternd; ein nachhaltiges kräftiges Wachstum dürfte sich erst dann einstellen, wenn die Exzesse der jüngeren Vergangenheit nicht mehr nachwirken. Das kann noch Jahre dauern.

In Schwellenländern mit einem starken industriellen Export wie China schlägt sich die Konjunkturschwäche wichtiger Abnehmerländer nieder. Sie dürfte Überlegungen stärken, das eigene Geschäftsmodell weniger stark an der Ausfuhr auszurichten, aber eine Anpassung benötigte Zeit und verliefe wohl auch nicht ohne Friktionen. Rohstoffländer wie Brasilien oder Australien wiederum werden von sinkenden Rohstoffpreisen getroffen, die auf der anderen Seite den Industrienationen eine Entlastung bescheren.

Man braucht wenig Phantasie, um gerade von den Finanzmärkten Forderungen nach weiteren Lockerungen von Geldpolitik und Finanzpolitik vorherzusagen. Die (Schein-)Frage „Wachstum oder Konsolidierung?“ erhält eine globale Dimension.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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