12.04.2006 · Für den Welthandel wird 2006 zwar kein Rekordjahr, die Zuwachsrate dürfte aber immerhin über dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts bei sieben Prozent liegen. Noch verteidigt Deutschland seinen Spitzenplatz, die Entwicklungsländer holen aber auf.
Für den Welthandel wird 2006 zwar kein Rekordjahr, doch die Zuwachsrate dürfte immerhin über dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts liegen. Die Ökonomen der Welthandelsorganisation (WTO) rechnen mit einer Zunahme des Handelsvolumens um 7 Prozent. Das wäre eine leicht höhere reale Wachstumsrate als im Vorjahr (plus 6 Prozent). Bei der Präsentation der Prognose räumte WTO-Chefökonom Patrick Low am Dienstag in Genf allerdings ein, daß die Schätzung mit Unsicherheiten behaftet sei. So könnten Ölpreise und Zinsen stärker als erwartet steigen und damit Wachstum und Welthandel dämpfen.
In ihrer Prognose unterstellen die WTO-Ökonomen vor allem ein etwas schnelleres Wachstum der Wirtschaft in der Europäischen Union, die im Vorjahr im Welthandel das Schlußlicht bildete. Die EU-Exporte nahmen 2005 mit real etwa 3 Prozent nur halb so stark zu wie im Welt-durchschnitt. Spitzenreiter waren wieder einmal Asien, Mittel- und Südamerika sowie die Ölexporteure aus dem Nahen Osten. Wenn man statt der realen die nominalen Steigerungsraten nimmt, also die Verteuerung von Öl und anderen Rohstoffen, sowie die Wechselkursänderungen berücksichtigt, fällt Europa noch weiter ab.
Welthandel: 10 Billionen Dollar
Die Exporte Brasiliens wuchsen dann im Vorjahr um 23 Prozent, in Rußland waren es 34 Prozent und in China 28 Prozent. Wegen der fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaft überstieg der Wert des Welthandels erstmals die Marke von 10 Billionen Dollar (8,3 Billionen Euro), was einem Plus von 13 Prozent gegenüber 2004 entspricht. Der Wert der kommerziellen Dienstleistungen (Transport, Tourismus und Finanzdienste) wuchs um 11 Prozent auf 2,4 Billionen Dollar. Damit haben grenzüberschreitende Dienstleistungen das dritte Jahr nacheinander weniger stark zugenommen als der Handel mit Rohstoffen und Industriegütern.
Trotz der großen regionalen Wachstumsdifferenzen im Güterhandel hat sich die Rangliste der größten Exportnationen 2005 nur wenig verändert. Deutschland blieb die Nummer eins, mit einem Exportanteil von 9,3 Prozent (ohne Dienstleistungen), gefolgt von den Vereinigten Staaten und China. Wann China an die globale Spitzenposition vorrückt, dazu wollte WTO-Ökonom Michael Finger keine genaue Prognose machen. Seiner Ansicht nach wird das jedoch spätestens 2010 der Fall sein.
Statistik versus Politik
Sollten indes die chinesischen Exporte weiterhin um jährlich knapp 30 Prozent zunehmen, dann dürfte die Volksrepublik schon 2007 Deutschland vom Spitzenplatz verdrängen. Bei kommerziellen Dienstleistungen sind die Vereinigten Staaten die größte Exportnation, gefolgt von Großbritannien und Deutschland. China ist auf den achten Rang vorgerückt, und Indien liegt schon auf Platz zehn (Vorjahr 16).
Obwohl Politiker aus der Dritten Welt oft beklagen, sie profitierten zuwenig von der Globalisierung, zeichnet die WTO-Statistik ein anderes Bild. Der Exportwert der Entwicklungsländer erhöhte sich 2005 um 22 Prozent, also neun Punkte stärker als der Weltdurchschnitt. Damit überstieg der Anteil dieser Länder an den globalen Exporten erstmals die Marke von 33 Prozent. Dies liegt einerseits daran, daß die Wirtschaft armer Länder 2005 oft schneller wuchs als jene der Industriestaaten. Zum anderen profitierten etliche Entwicklungsländer von höheren Öl- und Rohstoffpreisen. Die massive Verteuerung führte dazu, daß Energierohstoffe und Metalle mit 16 Prozent am Welthandel die höchste Quote seit 1985 erreichten. Agrarexporteure aus der Dritten Welt profitierten dagegen weniger. Die Preise von Nahrungsmitteln stagnierten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,75 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2446 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 105,43 $ | −1,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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