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Warenverkehr Hohes Wachstum in China beschleunigt den Welthandel

06.04.2004 ·  Der Welthandel hat sich wegen des überraschend kräftigen Wachstums in Asien und Amerika schneller erholt als erwartet. Deutschland verdankt seinen Spitzenplatz unter den Exporteuren der Dollar-Abwertung.

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Der Welthandel hat sich wegen des überraschend kräftigen Wachstums in Asien und Amerika schneller erholt als erwartet. Statt mit einer geschätzten Zuwachsrate von 2,5 Prozent ist 2003 das Handelsvolumen um 4,5 Prozent gewachsen, berichtete die Welthandelsorganisation (WTO) in Genf.

Nach Ansicht ihrer Ökonomen könne der Welthandel 2004 noch kräftiger wachsen, sofern die Wirtschaft im prognostizierten Ausmaß von knapp 4 Prozent wächst. Gemäß der WTO könnte dann das Handelsvolumen sogar um 7,5 Prozent zunehmen, was über dem Durchschnitt der neunziger Jahre läge, als die Globalisierung den internationalen Warenverkehr stark beflügelte.

Dynamik Asiens

Für die Erholung des Welthandels, die im  zweiten Halbjahr 2003 einsetzte, sorgte vor allem die Dynamik Asiens. Der starke Aufschwung im China-Handel, der den Exportwert dieses Landes um 35 Prozent erhöhte, brachte die Volksrepublik bereits auf den vierten Platz unter den größten Exportnationen der Welt (siehe Tabelle).

China liefert aber nicht nur immer mehr, es kauft auch kräftig ein in anderen Ländern:  Die Einfuhren wuchsen im Vorjahr mit 40 Prozent sogar noch stärker als die Exporte. Dies führte dazu, daß China in der Rangliste der größten Importnationen um drei Plätze nach oben rutschte und nun erstmals hinter Amerika und Deutschland auf Rang 3 liegt. Die WTO schreibt, solche Steigerungsraten bei einem derart großen Land seien in der Handelsgeschichte einmalig. 

Osteuropa ist schneller

Fast ebenso dynamisch wie Asien entwickelten sich im Vorjahr die mittel- und osteuropäischen Reformstaaten. Ihr Handel wuchs mit einer Rate von knapp 30 Prozent und damit doppelt so schnell wie der internationale Durchschnitt. Im Falle Rußlands hängt dies jedoch teilweise mit dem Preisanstieg des Rohöls zusammen, der die Exportzahlen aufbläht. Denselben Effekt gab es bei Saudi-Arabien und einigen afrikanischen Ländern. Das teure Öl sorgte auf der anderen Seite dafür, daß sich auch die amerikanischen Einfuhren trotz der Dollar-Abwertung um 9 Prozent erhöhten.

Wird nicht die nominale, sondern die ungleich wichtigere reale Veränderung im Welthandel betrachtet, hat Nordamerika zum dritten Mal nacheinander bei den Importen den Weltdurchschnitt übertroffen und somit - anders als Westeuropa - die Weltwirtschaft gestützt. Dies weitete allerdings das amerikanische Handelsdefizit noch mehr aus.

Wichtig: Wert oder Volumen

Die Unterscheidung zwischen nominalen und realen Steigerungsraten, also zwischen Handelswert und Handelsvolumen, war im vergangenen Jahr besonders wichtig, da die Preissteigerungen bei einigen Rohstoffen und die Abwertung des Dollar zu erheblichen Verzerrungen in der nominalen Handelsstatistik führten. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar sorgte zum Beispiel dafür, daß trotz der Wirtschaftsschwäche in Westeuropa die (nominalen) Ausfuhren um 17 Prozent stiegen, was fast ausschließlich auf Währungseffekten beruht. Es war auch einzig die Dollar-Abwertung, die Deutschland wieder einmal auf den Spitzenplatz unter den größten Exportnationen beförderte. In der realen Betrachtung war im Vorjahr Westeuropa neben Lateinamerika dagegen die schwächste Region: Die Exporte nahmen um nicht einmal 1 Prozent zu, wenn Dollar-Effekt und Preisänderungen ausgeklammert werden.

Weil sich nicht nur der Euro, sondern auch andere Währungen gegenüber dem Dollar verteuerten, stieg der traditionell in der amerikanischen Währung errechnete Wert des weltweiten Warenhandels um 16 Prozent auf 7,3 Billionen Dollar. Der Wert des Dienstleistungshandels erhöhte sich um 12 Prozent auf 1,8 Billionen Dollar. Auch im grenzüberschreitenden Handel mit Diensten (Verkehr, Tourismus, Finanzen, Beratung) ist somit eine deutliche Erholung zu spüren. Bei Dienstleistungen wächst Asien noch nicht so stark. Dort ist Europa auch - gemessen an den Exporten - bedeutender als Amerika.

Quelle: km., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2004, Nr. 82 / Seite 12
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