Home
http://www.faz.net/-gqf-qfs8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Wachstum Unternehmereinkommen wachsen weniger stark

28.04.2005 ·  Die Revision der deutschen Statistik hat die Staatsquote verringert und das Wirtschaftswachstum leicht erhöht. Unternehmer- und Vermögenseinkommen sind 2004 nicht so stark gewachsen wie bisher angenommen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Unternehmer- und Vermögenseinkommen sind 2004 nur um 7 Prozent und nicht wie bisher ausgewiesen um 10,4 Prozent gestiegen. Das ist eine der größten Änderungen durch die große Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR). Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am Donnerstag erste Ergebnisse.

In der gesamten Zeit seit 1992 wuchsen die Unternehmereinkommen etwas weniger stark als bisher genannt, von 2000 bis 2003 indes stärker. Den Zuwachs der Arbeitnehmereinkommen hat die Revision kaum verändert; 2004 ergab sich ein Plus von 0,2 Prozent. Der Anteil des Arbeitnehmereinkommens am Volkseinkommen liegt nach der Revision durchgängig niedriger als zuvor; für 2004 errechnen sich nun 69,3 anstatt 70,1 Prozent.

Höhere Produktion

Nach den revidierten Angaben produzieren die Deutschen erheblich mehr als bekannt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen wird für die Jahre 1992 bis 2004 nun zwischen 1,4 und 2,6 Prozent höher als zuvor ausgewiesen. Für 2004 beziffern die Statistiker das BIP mit 2207,24 Milliarden Euro, 30,24 Milliarden Euro oder 1,4 Prozent mehr als zuvor genannt.

Niedrigere Staatsquote

Als Folge der größeren Erzeugung steht die staatliche Haushaltspolitik optisch ein wenig besser da als zuvor. Die Staatsquote, die Ausgaben des Staates im Verhältnis zum BIP, betrug 2004 nun 46,9 anstatt 47,5 Prozent. Am Verlauf änderte sich indes nichts. Zuletzt lag die Staatsquote 1991 niedriger. 2004 fiel sie um 1,3 Prozentpunkte. Auch der staatliche Haushaltssaldo wird, bezogen auf das BIP, ein wenig niedriger ausgewiesen. Die Defizitquote in Prozent des BIP beträgt für 2004 nun 3,6 anstatt 3,7 Prozent.

Höheres Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaft ist in den Jahren seit der deutschen Vereinigung nach den neuen Angaben im Schnitt etwas stärker gewachsen als bisher errechnet. In einzelnen Jahren ergeben sich Abweichungen bis zu 0,4 Prozentpunkten. So wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2001 nicht um 0,8, sondern um 1,2 Prozent. 2003 schrumpfte die Wirtschaft nun nicht mehr leicht, sondern sie stagnierte. Die jahresdurchschnittliche Wachstumsrate über die gesamte Zeit beträgt nun 1,5 anstatt 1,3 Prozent.

Im Verlauf der Wirtschaftsentwicklung zeigt sich indes kaum eine Veränderung. Die Entwicklung von Quartal zu Quartal blieb nahezu gleich. Wachstumsspitzen wurden ausgeprägter, Wachstumsschwächen fielen etwas geringer aus. Für das vierte Quartal 2004 weisen die Statistiker nun eine Schrumpfung des preisbereinigten BIP um 0,1 anstatt um 0,2 Prozent aus. Die Erwartung eines starken ersten und eines schwachen zweiten Quartals 2005 ändere sich dadurch nicht, erklärten Volkswirte.

Der private Konsum, der nach der Revision deutlich höher beziffert wird, hat sich preisbereinigt in der Schwächephase seit 2000 etwas weniger schlecht entwickelt als zuvor ausgewiesen. Die Bruttoanlageinvestitionen blieben im Niveau und in der Entwicklung fast unverändert.

Sparquote niedriger

Die Sparquote der privaten Haushalte ist nach den neuen Angaben 2004 leicht von 10,7 auf 10,6 Prozent gefallen. Hier wurde bisher ein Anstieg angezeigt. Durchgängig liegt die Sparquote nun niedriger als zuvor. Das Volkseinkommen je Einwohner lag nach den neuen Angaben 2004 bei 19831 Euro. Die Lohnstückkosten je Kopf sind von 1992 bis 2004 jahresdurchschnittlich um 1 Prozent gewachsen, bisher wurden 1,2 Prozent genannt.

Mit der Revision hat das Bundesamt Rechenmethoden eingeführt, die die internationale Vergleichbarkeit der VGR verbessern sollen. Eine neue Verbuchung von Bankdienstleistungen hat maßgeblich zum höheren BIP und Konsum beigetragen. Zudem verwenden die Statistiker zur Preisbereinigung nun die Vorjahrespreismethode, die Veränderungen von Preisen schneller erfaßt.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 29.04.2005, Nr. 99 / Seite 15
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 11 13

30.05.2012 10:46 Uhr
  Vortag
Dax 6.335,82 −0,95%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.380,75 −0,96%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2446 −0,34%
Rohöl Brent Crude 105,43 $ −1,33%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.