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Wachstum in Europa „Deutschland Top, dahinter klafft eine Lücke“

13.08.2010 ·  Europas Fachleute sind überrascht: Deutschland prescht voran mit 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum im Frühjahr - und zieht ganz Europa mit. Vor allem dank des Exports schneidet Deutschland besser ab als Frankreich - und viel besser als das weit abgeschlagene Südeuropa.

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Mit sehr kräftigen Wachstumszahlen für das zweite Quartal hat die deutsche Volkswirtschaft Fachleute in ganz Europa überrascht: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 16 Euro-Ländern wuchs gegenüber dem Vorquartal um 1,0 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mitteilte. Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas stand dabei mit einem Plus von 2,2 Prozent an der Spitze des Aufschwungs und übernahm die Rolle des Zugpferds. Das Quartalswachstum in Deutschland war das größte seit Einführung der gesamtdeutschen Statistik nach der Wiedervereinigung.

Zu Jahresbeginn hatte die Wirtschaft in den Euro-Ländern nur leicht um 0,2 Prozent zugelegt. Ebenfalls mit 1,0 Prozent wuchs die Wirtschaft in den 27 EU-Ländern. Auf Jahressicht betrug das Plus in den Euro-Staaten sowie auch in den EU-Staaten 1,7 Prozent.

Hinter den deutschen Spitzenwerten blieben andere große Länder weit zurück: Großbritannien kam auf ein Plus von 1,1 Prozent, auch Frankreich (0,6 Prozent), Italien (0,4 Prozent) und Spanien (0,2 Prozent) hat weit weniger Wachstum zu verkünden. „Deutschland Top, dahinter klafft eine Lücke“, schrieben Analysten der Commerzbank. Als Schlusslicht verzeichnete das hochverschuldete Griechenland den größten Wachstumseinbruch mit minus 1,5 Prozent.

Video: Deutsche Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Starker Export

Der Boom in Deutschland hat mehrere Ursachen: Er wird sowohl traditionell vom Export befeuert, aber auch vom privaten Konsum der Deutschen, der über Jahre schwach war. Der Export wurde vor allem durch Aufträge aus Asien befeuert. Zudem wirken sich den Statistikern zufolge die Konjunkturprogramme des Staates positiv aus. Die Unternehmen investieren außerdem wieder mehr. Noch im vergangenen Jahr war Deutschland in der Folge der Finanzkrise in eine schwere Rezession gerutscht.

Die Wirtschaft war im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt nun mitteilte. Sie korrigierte damit die bisherigen Zahlen leicht, die ein Minus von 4,9 Prozent ausgewiesen hatte. Die beispiellosen Schwankungen in der jüngsten Krise führen dazu, dass die Wachstumswerte ungewöhnlich stark korrigiert werden müssen.

Brüderle: „Wachstum von weit über zwei Prozent möglich“

Nach dem Rekordboom der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal geht die Bundesregierung nun von einem deutlich höheren Wachstum für das Gesamtjahr aus. Die Dynamik des zweiten Quartals lasse „ein Wachstum von weit über zwei Prozent für 2010 in den Bereich des Möglichen rücken“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Freitag in Berlin. Bisher geht die Bundesregierung für das laufende Jahr offiziell von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. „Wir erleben derzeit einen Aufschwung XL“, sagte Brüderle.

Der Wirtschaftsminister fügte hinzu, die aktuellen Zahlen seien „eine klare Ermutigung, den Ausstieg aus der staatlichen Krisenfürsorge fortzusetzen“. Zugleich solle der Weg der Haushaltskonsolidierung weitergegangen werden. Die Bundesregierung hatte in der Krise umfangreiche Konjunkturprogramme beschlossen, etwa mit Einführung der Abwrackprämie oder der Förderung der Energiesanierung von Schulen oder Kindergärten. Dem drohenden Anstieg der Arbeitslosigkeit war sie mit einer Ausweitung der Kurzarbeit begegnet.

Bankfachleute erwarten noch mehr Wachstum

In den Banken wird sogar noch mehr Wachstum für möglich gehalten als Brüderle voraussagt. „Das ist der Wahnsinn“, sagte Unicredit-Fachmann Alexander Koch. „Wir rechnen jetzt mit mehr als drei Prozent Wachstum im gesamten Jahr.“ Auch Dekabank-Fachmann Andreas Scheuerle betonte: „Ich kann drei Prozent Wachstum verkünden in diesem Jahr, vielleicht sogar ein bisschen mehr als drei Prozent“. In den kommenden Quartalen werde sich das Wachstum aber verlangsamen. „Die Weltwirtschaft schaltet einen Gang zurück, das werden wir als Export-Vizeweltmeister spüren“, sagte Scheuerle.

Für 2011 rechnen die meisten Experten bislang mit einem Plus von etwa 1,5 Prozent, weil die Weltwirtschaft mit dem Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme an Schwung verlieren dürfte. Im Krisenjahr 2009 war das Bruttoinlandsprodukt mit 4,7 (bislang: 4,9) Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.

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Von Heike Göbel

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30.05.2012 10:42 Uhr
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