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Wachstum Die „New Economy“ ist an Deutschland nicht vorbeigegangen

20.04.2004 ·  Für die Wachstumsschwäche in Deutschland ist die geringe Nutzung des Faktors Arbeit verantwortlich, nicht aber eine zu geringe Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik. Das zeigt eine Studie der Bundesbank.

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Die deutsche Wirtschaft leidet nicht unter mangelnden Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnik (IuK). Hauptgrund für die relative Wachstumsschwäche Deutschlands ist vielmehr die unzureichende Nutzung des Faktors Arbeit. Zu diesem Schluß kommen die Ökonomen der Deutschen Bundesbank in einer Untersuchung des Einflusses der IuK-Technik auf die Wirtschaft im Monatsbericht April.

Die „New Economy“ sei an Deutschland nicht vorbeigegangen, schreiben die Ökonomen. Darauf wiesen etwa die überdurchschnittlichen Zuwachsraten der Produktion im Bereich der IuK-Technik hin. So ist die Bruttowertschöpfung im Bereich der IuK-Technik preisbereinigt von 1991 bis 2002 um 66,6 Prozent gestiegen, gegenüber 13,1 Prozent in der gesamten Volkswirtschaft. Die Zahl der Erwerbstätigen im IuK-Bereich wuchs indes unterdurchschnittlich mit 2,7 gegenüber 3,7 Prozent. Die Bundesbank nimmt das damit verbundene überdurchschnittliche Produktivitätswachstum im IuK-Bereich als einen Beleg für die Vermutung, daß Produktivitätsgewinne durch die IuK-Technik überwiegend aus der Herstellung und nicht aus der Nutzung der Kommunikationsgüter entstehen.

IuK-Nachfrage treibt das Wachstum

Die Nutzung der IuK-Güter durch die privaten Haushalte hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Ausstattungsgrad wuchs von 1998 bis 2002 jahresdurchschnittlich um 8 Prozent bei Computern, um 50 Prozent beim Internetzugang und um 67 Prozent beim mobilen Telefon. 2002 besaßen mehr als 50 Prozent der Haushalte einen Computer. Mehr als 40 Prozent hatten einen Internetzugang und rund 70 Prozent nutzten ein Mobiltelefon. Die Zahlen zeigen nach Ansicht der Bundesbank, daß der Wunsch nach neuen IuK-Gütern zum wichtigen Faktor für das Wirtschaftswachstum geworden ist.

Dies gilt auch für die Investitionen der Unternehmen in IuK-Technik. Ihr Anteil an allen Investitionen stieg von 1998 bis 2002 von 34 auf 42 Prozent. Bis zum Platzen der "New Economy"-Blase am Aktienmarkt 2001 trugen Investitionen in IuK-Technik zunehmend bis zu 0,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei, um danach das Wachstum deutlich zu belasten. Im internationalen Vergleich der Wachstumsbeiträge zeigt sich, daß der Kapitalstock in Informations- und Kommunikationstechnik in Deutschland von 1995 bis 2001 etwa 0,4 Punkte zur durchschnittlichen Wachstumsrate von 1,9 Prozent beitrug. Damit liegt Deutschland in Europa im Mittelfeld, aber deutlich hinter den Vereinigten Staaten.

Regulierung bremst die Wirtschaft

Auffällig ist im Vergleich der Wachstumsbeiträge, daß der Beitrag des Faktors Arbeit in Deutschland negativ ist. Mit minus 0,1 Prozentpunkten belastete der langjährige Beschäftigungsabbau das Wachstum. Das ist Minusrekord in Europa. In Amerika trug die gute Beschäftigungsentwicklung 1,1 Punkte zum Wirtschaftswachstum von jahresdurchschnittlich 3,5 Prozent bei.

Die Bundesbankökonomen folgern daraus, daß die den Arbeitsmarkt lähmende starke Regulierung in Deutschland die Wirtschaft bremse, nicht aber eine zu geringe Nutzung der IuK-Technik. Untersuchungen der OECD zeigten zudem, daß die Investitionen in IuK-Technik um so geringer ausfielen, je höher die Regulierungsdichte am Arbeitsmarkt sei. Eine stärkere Liberalisierung des Arbeitsmarktes, so der Schluß der Bundesbank, stärke nicht nur das Wachstum und die Investitionen in Informationstechnik, sondern erleichtere den notwendigen Strukturwandel, der mit der Nutzung der neuen Technik einhergehe.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2004, Nr. 93 / Seite 15
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