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Wachstum Der höhere Ölpreis stärkt die deutsche Wettbewerbsfähigkeit

05.08.2005 ·  Das Petrodollar-Recycling nutzt Deutschland mehr als Amerika. Das Bundeswirtschaftsministerium kommt zudem zu dem überraschenden Schluß, daß der hohe Ölpreis die deutsche Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

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Deutschland profitiert vom Petrodollar-Recycling der ölexportierenden Staaten stärker als die Vereinigten Staaten oder Japan. Zu diesem Schluß kommen die Ökonomen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) in einer jetzt vorgelegten Studie.

Wichtiger noch als die Einkäufe der ölproduzierenden Staaten etwa in Deutschland aber sei, daß mit einem höheren Erdölpreis zumindest in der Vergangenheit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gestiegen sei, heißt es. Im Klartext: Die deutschen Exportunternehmen haben indirekt vom Ölpreisanstieg profitiert. Diese positiven Wirkungen reichten jedoch nicht aus, um insgesamt die wirtschaftliche Belastung durch einen Ölpreisanstieg auszugleichen, warnt das Ministerium.

Was Faustregeln außer acht lassen

Übliche Faustregeln auf Basis von Modellrechnungen kämen zu dem Schluß, daß ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent innerhalb von drei Jahren das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um bis zu 0,5 Prozentpunkte senke, schreiben die Ökonomen aus der Grundsatzabteilung des Ministeriums. Solche Simulationen vernachlässigten aber in der Regel unter anderem, daß die Erdölstaaten die höheren Öleinnahmen wieder für Importgüter ausgäben (Petrodollar-Recycling). Unter Berücksichtigung solcher Effekte belaste ein Ölpreisanstieg die deutsche Konjunktur weniger stark, als es die Faustregeln nahelegten.

Nach der Analyse, die auf dem Zeitraum 1980 bis 2003 beruht, erhöhen die Länder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) ihre Gütereinfuhr um 6 Prozent, wenn der Ölpreis um 10 Prozent steigt. Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan profitieren davon überdurchschnittlich. Steigt der Opec-Import um 10 Prozent, wächst der deutsche Export in die Opec-Länder um 13 Prozent. Für Amerika und Japan ergeben sich 11Prozent.

Wettbewerbsfähigkeit steigt

Gesamtwirtschaftlich sei dieser Außenhandelseffekt auch unter Einbezug der Ölförderstaaten Rußland und Norwegen zu klein, um eine relevante Verbesserung des deutschen BIP zu bringen, schreiben die Ökonomen. Rund dreimal wichtiger sei, daß die deutsche Wirtschaft zumindest früher als Folge von Ölpreissteigerungen ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit gesteigert habe. Eine Erhöhung der Erdöleinnahmen um 10 Prozent führe insoweit dazu, daß der deutsche Export um 0,7 Prozent steigt.

Gründe für die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit könnten sein, daß die Inflation in anderen Ländern als Folge des Ölpreises stärker als hierzulande steige oder daß ölpreisbedingte Lohnsteigerungen in Deutschland geringer ausfielen als anderswo (reale Abwertung), mutmaßen die Ökonomen. Auch dürfte der Euro mit höheren Ölpreisen gegenüber dem Dollar der Tendenz nach abwerten, weil die Erdölexporteure die Einnahmen zu einem größeren Anteil in Dollar anlegten.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 06.08.2005, Nr. 181 / Seite 12
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