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Wachstum Chinas Volkswirtschaft lässt sich nicht bremsen

20.04.2007 ·  Die Wirtschaft in China wächst schneller als zuvor. Droht bald eine Überhitzung? Oder ist die wirkliche Gefahr eine Blase am chinesischen Aktienmarkt?

Von Christoph Hein, Singapur
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Trotz aller Versuche zur Abkühlung wächst Chinas Volkswirtschaft schneller als zuvor. Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Volksrepublik um 11,1 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2006 zu. In den vergangenen drei Monaten des vergangenen Jahres hatte die Wachstumsrate noch bei 10,4 Prozent gelegen. „Wenn sich dieses Wachstumstempo fortsetzt, droht die Gefahr, von einem schnellen Wachstum in eine Überhitzung zu geraten", sagte Li Xiaochao, Sprecher des Nationalen Statistikbüros, in Peking bei der Vorlage der Daten.

Der Aktienindex in Schanghai schloss nach seinem Rekordlauf der vergangenen Wochen am Donnerstag mit einem Minus von 4,5 Prozent, Shenzhen mit minus 4,9 Prozent. Aktionäre fürchten Abkühlungsschritte Pekings. Die Vorlage der Quartalswerte hatte die Regierung vorsichtshalber schon auf den Nachmittag nach Börsenschluss verlegt.

Blase am Aktienmarkt

„Wir halten die Blase am innerchinesischen Aktienmarkt für ein viel ernsteres Risiko als dasjenige einer Überhitzung der Volkswirtschaft", warnte Michael Spencer, Chefvolkswirt Asien der Deutschen Bank, am Abend. Der Markt in Schanghai hat in diesem Jahr 30 Prozent, der in Shenzhen 75 Prozent gewonnen. Zuvor hatte die Bankenaufsicht in Peking ihre Sorge darüber ausgedrückt, dass der Handelsüberschuss, der sich im ersten Quartal auf gut 46 Milliarden Dollar fast verdoppelte, zu weiterer Liquidität und damit zu einer wachsenden Gefahr uneinbringlicher Kredite führe. Zeitgleich wächst der Druck vom wichtigsten Handelspartner Amerika auf China, den Yuan aufzuwerten.

Gerade erst hatte China verblüfft durch den enormen Zuwachs seiner Währungsreserven. Sie sind im ersten Quartal um 135,7 Milliarden Dollar auf 1,2 Billionen Dollar gestiegen. Der durchschnittliche Zuwachs von 45 Milliarden Dollar im Monat liegt mehr als doppelt so hoch wie derjenige in den vergangenen drei Jahren. "Der Anstieg der Reserven geht teilweise zurück auf den Handelsüberschuss. Er zeigt aber auch, dass chinesische Unternehmen, die auf einen steigenden Kurs des Yuan spekulieren, ihre Erlöse aus Börsengängen im Ausland über alle denkbaren Kanäle nach China transferieren. Zudem haben auch die Geschäftsbanken ihre Devisentauschgeschäfte mit der Zentralbank beschleunigt", sagte Wu Xiaoling, Vizegouverneur der Zentralbank. Dieses Handeln der Banken interpretieren Analysten als deutlichen Hinweis auf eine baldige Aufwertung des Yuan.

Peking dreht an der Zinsschraube

Nicht nur die Ausfuhr zog im ersten Quartal an, auch weil die Exporteure Handelseinschränkungen und den Abbau von Steuernachlässen erwarten. Auch der Konsum lag um 15,3 Prozent über dem Vergleichsquartal 2006. Mit 3,3 Prozent stieg die Inflationsrate im März erstmals seit zwei Jahren wieder über die Marke von 3 Prozent, die sich die Zentralbank setzt. Beobachter erwarten nun eine weitere Geldverknappung durch eine Zinserhöhung und steigende Reservenanforderungen an die Geschäftsbanken. Zumal einerseits das Kreditwachstum Sorgen bereitet, andererseits die Zinsen für einjährige Anlagen mit 2,7 Prozent deutlich unter der Inflationsrate liegen. Bislang drehte Peking in diesem Jahr einmal an der Zinsschraube und setzte schon dreimal die Reserveanforderungen herauf.

Quelle: che./F.A.Z., 20.04.2007, Nr. 92 / Seite 13
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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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