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Veröffentlicht: 28.04.2017, 13:59 Uhr

Vor den Parlamentswahlen Wirtschaftswachstum in Britannien knickt ein

Die Wirtschaft im Vereinigten Königreich schwächelt. Das liefert Gegnern der Regierungschefin Theresa May Munition für den bevorstehenden Wahlkampf.

von , London
© Reuters Big Ben: Die Zeit läuft bis zur Parlamentswahl in Großbritannien - und dann auch bis zum Brexit.

Es sind nicht die Wirtschaftsdaten, die sich Großbritanniens Premierministerin Theresa May vor den Parlamentswahlen und dem Beginn der Brexit-Verhandlungen mit der EU gewünscht haben dürfte: Im ersten Quartal hat sich das Wachstum auf der Insel mehr als halbiert. Die britische Wirtschaft expandierte in den ersten drei Monaten des Jahres um lediglich 0,3 Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2016 noch um 0,7 Prozent zugelegt hat. Der Wachstumsknick fällt damit stärker aus als von Volkswirten erwartet.

Marcus Theurer Folgen:

Die Regierungschefin May hat in der vergangenen Woche überraschend Neuwahlen für den 8. Juni anberaumt. Meinungsumfragen zufolge kann sie dabei mit einer satten Mehrheit im Unterhaus rechnen.

Doch nun liefert die schwache Wachstumsziffer ihren politischen Gegnern Munition für den bevorstehenden Wahlkampf: Sie warnen seit Monaten davor, dass die Briten für Mays harter Brexit-Kurs mit Wohlstandseinbußen bezahlen müssten.

Sondergipfel am Samstag

Bisher konnten Mays Unterstützer darauf verweisen, dass sich das Wirtschaftswachstum  auf der Insel seit dem Austrittsvotum im vergangenen Sommer viel besser behauptet hat als zuvor erwartet. Doch die neuen Wirtschaftszahlen für das erste Quartal setzen ein Fragezeichen hinter dieses Argument.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Briten am Donnerstag in einer Regierungserklärung zum Brexit davor gewarnt, sich „Illusionen“ hinzugeben. Über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen werde die EU erst verhandeln, wenn alle wichtigen Austrittsfragen geklärt seien. Damit könnte sich die wirtschaftlich schädliche Hängepartie für die britischen Unternehmen verlängern.

Das Land wird die EU voraussichtlich im Frühjahr 2019 verlassen. Die Britin May will bis dahin einen Freihandelsabkommen mit der EU abschließen. Die meisten Fachleute halten diesen Zeitplan allerdings für unrealistisch. Die EU-Regierungschefs (mit Ausnahme von May) werden am Samstag auf einem Sondergipfel über ihre Linie bei den bevorstehenden Austrittsverhandlungen beraten.

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Bisher haben vor allem die britischen Verbraucher die Wirtschaft trotz der Brexit-Ungewissheit auf Kurs gehalten. Während die Unternehmen ihre Investitionen gedrosselt haben, gaben die Konsumenten weiter Geld aus. Doch weil das Pfund seit dem Referendum stark an Wert verloren hat, steigt die Inflation - und schmälert damit die Kaufkraft. Die Einzelhandelspreise im Königreich sind im Februar im Vorjahresvergleich um 3,2 Prozent gestiegen.

Die Bürger beginnen also die Auswirkungen des bevorstehenden Brexits im Geldbeutel zu spüren. Das spiegelt sich auch in den Wachstumszahlen zum ersten Quartal, die einen gravierenden Rückgang im dominierenden Dienstleistungssektor zeigen, der wiederum stark vom Konsum abhängt.

Aber die Schwäche des Pfunds hat auch gute Seiten: Sie könnte den chronisch schwächelnden britischen Export ankurbeln. Befragungen zeigen, dass die britischen Unternehmen, was das Auslandsgeschäft angeht, in diesem Frühjahr so optimistisch sind wie seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr.

In Sachen Brexit ist Großbritannien weiterhin tief gespalten. Eine in dieser Woche veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt, dass 45 Prozent das Austritts-Votum  vom vergangenen Sommer für einen Fehler halten. 43 Prozent halten es weiterhin für richtig, 12 Prozent sind unschlüssig.

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