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Volkswirtschaft Der deutsche Staat hat 2003 Sachvermögen abgebaut

22.06.2004 ·  Der deutsche Staat hat im vergangenen Jahr so wenig investiert, daß der Wert des staatlichen Sachvermögens geschrumpft ist. Und die Unternehmen sparen lieber, als zu investieren.

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Der deutsche Staat hat im vergangenen Jahr so wenig investiert, daß der Wert des staatlichen Sachvermögens geschrumpft ist. Die Bruttoinvestitionen reichten nicht aus, um den Wertverzehr durch Abschreibungen aufzufangen. Das geht aus der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung für das Jahr 2003 hervor, die die Deutsche Bundesbank jetzt vorgelegt hat.

Schon 2002 war der staatliche Sektor mit einem Vermögensaufbau um 0,5 Milliarden Euro nur knapp daran vorbeigeschrammt, Sachvermögen abzubauen (Desinvestition). Im vergangenen Jahr nun hat die öffentliche Hand netto Sachvermögen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro verloren - obwohl sie 86,6 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen hat. Das ist das höchste Defizit seit der Wiedervereinigung.

Investitionszurückhaltung der Unternehmen

Insgesamt bildete die deutsche Wirtschaft den Angaben zufolge im vergangenen Jahr Sachvermögen in Höhe von 61 Milliarden Euro. Die Nettoinvestitionen liegen damit zwar auf dem Niveau des Vorjahres. Sie machen aber nur noch knapp die Hälfte der Sachvermögenswerte aus, die in den neunziger Jahren geschaffen wurden. Gemessen am gesamtwirtschaftlich verfügbaren Einkommen, fiel die Quote der Nettoinvestitionen von 8 bis 12 Prozent in den neunziger Jahren auf 4 Prozent im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Diese aus Sicht der Bundesbank "ausgeprägte Investitionsschwäche" ist ein Grund für das schwache Wirtschaftswachstum.

Deutlich wird dies an der Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Diese haben 2003 in Ausrüstungen und Bauten netto nur noch 18,3 Milliarden Euro investiert und damit zum vierten Mal in Folge weniger als im Vorjahr (2002: 25,8 Milliarden Euro). Wie unattraktiv das Unternehmertum in Deutschland ist, zeigt sich auch daran, daß die Unternehmen das zweite Jahr in Folge weniger investiert als angelegt haben. Den Anlageinvestitionen von 18,3 Milliarden Euro steht eine Ersparnis von 24,9 Milliarden Euro gegenüber.

Verunsicherung breiter Bevölkerungskreise

Auch die privaten Haushalte, zu denen in der Finanzierungsrechnung auch die Einzelkaufleute und Selbständige zählen, haben im vergangenen Jahr weniger als zuvor investiert. Das Investitionsvolumen sank von 45,5 auf 41,1 Milliarden Euro. Darin schlägt sich der Rückgang des privaten Wohnungsbaus nieder, aber auch die rückläufigen Investitionen der Einzelunternehmen. Die Ersparnis der privaten Haushalte stieg im vergangenen Jahr demgegenüber von 160,8 auf 167,4 Milliarden Euro und liegt so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Gemessen am verfügbaren Einkommen, stieg die Sparquote der privaten Haushalte von 10,6 auf 10,8 Prozent. Sie liegt unter den Werten zu Beginn der neunziger Jahre und in früheren Dekaden, aber einen Prozentpunkt höher als 2000. Die Bundesbank begründet den jüngsten Anstieg mit dem verstärkten Bemühen um eine private Altersvorsorge und einer zunehmenden Verunsicherung breiter Bevölkerungskreise.

Gesamtwirtschaftlich lag die Sparquote im vergangenen Jahr mit 6,5 Prozent des verfügbaren Einkommens auf dem zweitniedrigsten Wert seit 1991. In absoluten Zahlen sparten die Deutschen mit 115,3 Milliarden Euro indes weniger als im Vorjahr. Dies liegt vor allem am abermals gestiegenen staatlichen Defizit. Private Haushalte, Unternehmen und Finanzunternehmen erzielten 2003 einen Finanzierungsüberschuß von 136,4 Milliarden Euro, der weit überwiegend durch die Sparleistung der privaten Haushalte gespeist wurde. Davon verzehrte der deutsche Staat 82,1 Milliarden Euro; 54,3 Milliarden Euro oder fast das Dreifache der inländischen Unternehmensinvestitionen gingen an ausländische Finanzmärkte.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2004, Nr. 143 / Seite 11
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