05.04.2007 · Der internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose für die Vereinigten Staaten nach unten revidiert. Was heißt das für Europa?
Von Claus Tigges, WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten im laufenden Jahr nach unten revidiert. Dies hatte der Geschäftsführende Direktor der Organisation, Rodrigo Rato, vor einigen Tagen bereits angedeutet. Wie am Donnerstag aus einem Papier hervorgeht, das für ein Treffen von asiatischen Regierungsbeamten vorbereitet wurde, erwartet der IWF für die Vereinigte Staaten in diesem Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,2 Prozent. Im September 2006 hatte der Fonds noch mit einem Zuwachs von 2,9 Prozent gerechnet.
Wenig Gefahr für Europa
Die Abkühlung der amerikanischen Konjunktur wird die Weltwirtschaft jedoch nicht in eine Rezession gleiten lassen. Nur für den Fall, dass der Abschwung vom Häusermarkt auch auf den privaten Konsum und die Investitionen der Unternehmen in Amerika übergreift, ist auch in anderen Regionen der Welt mit deutlichen Wachstumseinbußen zu rechnen. Zu dieser Einschätzung gelangen die Ökonomen in ihrem neuen Weltwirtschaftsbericht. Darin argumentieren sie auch, die amerikanische Handelsbilanz reagiere auf Änderungen des realen Dollar-Wechselkurses stärker als weithin angenommen.
"Wenn Amerika niest, bekommt der Rest der Welt einen Schnupfen." An diesem Spruch sei nach wie vor etwas dran, denn das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt habe tatsächlich Folgen für die Konjunktur anderswo. Die Abhängigkeit sei sogar mit dem Anschwellen der Handels- und Kapitalströme über die Jahre noch größer geworden. "Man sollte es aber auch nicht übertreiben. Wenn Amerika einen Wachstumsknick erlebt, verlangsamt sich die Konjunktur anderswo meist in viel geringerem Maße", erläutern die IWF-Volkswirte. Auch müsse zwischen den verschiedenen Regionen unterschieden werden. Das Wachstum in Afrika oder auch im Nahen Osten beispielsweise hänge nur in geringem Maße von Amerika ab, während Kanada und Mexiko als zwei der drei wichtigsten Handelspartner dies viel stärker spürten. Im Durchschnitt verringere sich das Wachstum dort um 0,4 Prozentpunkte, wenn in Amerika der jährliche Zuwachs im Bruttoinlandsprodukt 1 Prozentpunkt sinke. "Wenn es bisher zu einem globalen Abschwung gekommen ist, waren auch globale Gründe dafür ausschlaggebend, nicht eine spezifisch amerikanische Entwicklung." Der Fonds verweist unter anderem auf den Konjunkturaufschwung in Europa; dieser fange einen Teil des schwächeren amerikanischen Wachstums auf.
Die Wirkung von Wechselkursänderungen wird unterschätzt
Das stärkere Wachstum in Europa dürfte demnach auch dazu beitragen, das Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz zu verringern. Doch auch eine reale - also um Inflationsunterschiede bereinigte - Abwertung des Dollar gegenüber Währungen von Überschussländern könne in diesem Zusammenhang hilfreich sein. "Viele ökonomische Modelle unterschätzen die Sensibilität der verschiedenen Wirtschaftszweige für Wechselkursänderungen", schreiben die IWF-Ökonomen. Ihren Berechnungen zufolge reiche bereits eine Abwertung des realen Dollar-Kurses von weniger als 10 Prozent aus, um das Verhältnis von Leistungsbilanzdefizit zu BIP um 1 Prozent zu senken. Derzeit beträgt das Defizit rund 6,5 Prozent des BIP, ein Niveau, das viele Ökonomen auf Dauer nicht für tragfähig halten.
Der Fonds bekräftigt seine Forderung an die amerikanische Regierung, die Konsolidierung der Staatsfinanzen voranzutreiben und sich um eine Erhöhung der privaten Spartätigkeit zu bemühen, um den Kapitalbedarf aus dem Ausland zu verringern.
Die aktuellen Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft wird der IWF Mitte kommender Woche veröffentlichen. Der Bericht dient als Diskussionsgrundlage während des Frühjahrstreffens von IWF und Weltbank am Wochenende nach Ostern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,53 | −0,83% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2446 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 105,43 $ | −1,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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