05.09.2005 · Die Zerstörung von Wohnungen und Betrieben in den vom Wirbelsturm "Katrina" heimgesuchten Landesteilen wird auch in der amerikanischen Arbeitsmarktstatistik ihre Spuren hinterlassen.
Die Zerstörung von Wohnungen und Betrieben in den vom Wirbelsturm "Katrina" heimgesuchten Landesteilen wird auch in der amerikanischen Arbeitsmarktstatistik ihre Spuren hinterlassen. Zunächst sei zwar damit zu rechnen, daß die wöchentlich berichtete Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung deutlich sinken werde, sagen Wall-Street-Ökonomen. Sie erwarten für die vergangene Woche einen Rückgang der Anträge um mindestens 20 000 auf 300 000 oder weniger; dies werde aber zum großen Teil darauf zurückzuführen sein, daß viele Arbeitslose in Mississippi und Louisiana aufgrund des Sturms gar keine Gelegenheit gehabt hätten, ihre Anträge abzugeben. Die Daten hierzu werden am Donnerstag veröffentlicht. In den kommenden Wochen sei mit erheblichen Ausschlägen in der ohnehin schwankungsanfälligen Zahl der Anträge zu rechnen, sie dürfte aber auf mindestens 350 000 steigen, erwarten die Volkswirte.
Die Arbeitslosigkeit in den beiden am schlimmsten betroffenen Bundesstaaten im Süden lag schon vor der Katastrophe deutlich über dem Landesdurchschnitt: In Louisiana betrug die Arbeitslosenquote im Juli 6,2 Prozent, in Mississippi waren es 6,7 Prozent. Die landesweite Arbeitslosenquote wurde im Juli mit 5,0 Prozent berechnet, im August sank sie sogar auf 4,9 Prozent, das niedrigste Niveau seit vier Jahren. Allein in der Südstaaten-Metropole New Orleans und ihrer unmittelbaren Umgebung waren vor "Katrina" und den folgenden Überflutungen Schätzungen zufolge rund 600 000 Menschen beschäftigt, vom Restaurant- und Hotelgewerbe bis zum wichtigen Überseehafen. Die Schließung des Hafens hat nicht nur Folgen für die Beschäftigung in New Orleans selbst. Unzählige Frachter stromaufwärts auf dem Mississippi können keine Waren mehr absetzen. Den Eignern bleibt nichts anderes übrig, als sich von Teilen ihrer Belegschaft solange zu trennen, bis aus dem Strom wieder eine nutzbare Wasserstraße geworden ist.
Eine halbe Million weniger Beschäftigte?
"Die Zahl der Beschäftigten wird beim nächsten Arbeitsmarktbericht deutlich niedriger liegen als zuletzt. Ich rechne im Saldo mit einem Minus von einer halben Million", sagt Ian Shepherdson, Amerika-Ökonom der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York. Die Arbeitsmarktstatistik für August weist 142,4 Millionen Beschäftigte aus, außerhalb der Landwirtschaft waren 169 000 mehr Menschen beschäftigt als im Juli. Zwischen Juni und August sind damit insgesamt 586 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden.
Derweil hat die Regierung des Bundesstaates Louisiana über das Wochenende und am Montag die in der vergangenen Woche fälligen Schecks an jene ausgezahlt, die bereits vor dem Sturm arbeitslos gemeldet waren. Wie in vielen anderen Bundesstaaten auch haben Arbeitslose dort 26 Wochen lang Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entrichten ausschließlich die Arbeitgeber. Für jene, die ihren Arbeitsplatz erst durch die Katastrophe verloren haben, stehen finanzielle Mittel aus einem Sondertopf zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Arbeitslosenunterstützung über mehr als 6 Monate zu gewähren, wenn außerordentliche Gründe vorliegen und die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist.
Das Arbeitsministerium in Washington hat für Louisiana inzwischen rund 62 Millionen Dollar und für Mississippi 50 Millionen Dollar Notfallhilfe für vom Sturm betroffene Erwerbsfähige als direkten Zuschuß zur Verfügung gestellt. Mit dem Geld sollen jeweils rund 10 000 auf 12 Wochen befristete Arbeitsplätze zur Unterstützung der Aufräumarbeiten, Reparaturen und des Wiederaufbaus geschaffen werden. Vorrang bei der Wiederherstellung sollen unter anderem die Häuser und Wohnungen von Armen, Alten und Behinderten erhalten. Die Teilnehmer des Programms erhalten einen Stundenlohn von 9 Dollar bei einer maximalen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Neben den Löhnen werden von dem bewilligten Geld auch Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. "Viele Menschen in Mississippi und Louisiana haben keinen Lohn erhalten, weil ihre Betriebe vorübergehend geschlossen haben oder völlig zerstört worden sind. Die Notfallhilfe stellt sicher, daß die Aufräumarbeiten vorankommen, und sie bringt Menschen in bezahlte Arbeit", sagte Arbeitsministerin Elaine Chao.
| Name | Kurs | Prozent |
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