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Unternehmensgewinne Die Geschäfte laufen blendend

16.08.2007 ·  Gibt es in Amerika eine Immobilienkrise? Ja, aber die produzierende deutsche Wirtschaft merkt davon bisher nichts. Die deutschen Unternehmen sind so gut aufgestellt wie nie, um mit einer solchen Krise umgehen zu können. Von Carsten Knop.

Von Carsten Knop
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Gibt es in Amerika eine Immobilienkrise? Ja, aber die produzierende deutsche Wirtschaft merkt davon bisher nichts. Diese Feststellung gilt für das exportierende Gewerbe uneingeschränkt. Schwierigkeiten mit der Kreditvergabe gibt es nicht. Das Geschäft läuft normal. Und das heißt, es läuft blendend. Die deutschen Unternehmen sind so gut aufgestellt wie nie, um mit einer solchen Krise umgehen zu können. Das haben nicht zuletzt die vorgelegten Halbjahresberichte der 30 Aktiengesellschaften bewiesen, die mit ihren Papieren im Deutschen Aktienindex Dax vertreten sind. Kein Unternehmen musste seine Prognosen für die weitere Entwicklung im laufenden Jahr zurücknehmen. Im Gegenteil wurden die Ergebnisziele mindestens bekräftigt oder sogar erhöht. Von einer Krise findet sich in diesem Berichten keine Spur.

So hat die BASF, der größte Chemiekonzern der Welt, Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal deutlich gesteigert und die Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Das Unternehmen sei in Topform, schwärmt der Vorstandsvorsitzende. Auch Deutschlands größter Stromproduzent RWE verdient prächtig. Im Halbjahr ist das Betriebsergebnis um knapp 20 Prozent geklettert, die Prognose wurde erhöht. Von zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz, Auftragseingang und Ergebnis berichtete auch der Stahl-, Industriegüter- und Dienstleistungskonzern Thyssen-Krupp, nicht ohne ebenfalls mit einer Erhöhung der Ergebnisprognose zu glänzen. Im gesamten Maschinen- und Anlagenbau und damit auch in vielen mittelständischen Betrieben gilt ohnehin, dass die Unternehmen der Auftragsflut gar nicht mehr Herr werden können. Und selbst die von Streik und Umstrukturierung gebeutelte Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal wegen der hohen Umsatzzuwächse im Ausland, aber auch wegen erster Erfolge des Sparprogramms den operativen Gewinn leicht gesteigert

Finanzielle Polster

Diese Beispiele zeigen nicht zuletzt den Erfolg der Restrukturierungen und damit verbundenen Kostensenkungen der vergangenen Jahre, die die deutsche Wirtschaft international konkurrenzfähiger gemacht haben. Wenn überhaupt, leiden die Ergebnisse der Unternehmen derzeit nur unter Integrationskosten für Übernahmen der jüngeren Vergangenheit, etwa beim Pharma- und Chemieanbieter Merck KGaA, beim Konsumgüterhersteller Henkel oder beim Einzelhandelskonzern Metro. Doch sind auch diese jeweiligen Übernahmen zum Beispiel des Schweizer Biotechnologieunternehmens Serono oder der deutschen Filialen von Wal-Mart eher ein Zeichen von Stärke, sollen sie doch erkannte Schwächen heilen helfen oder strategische Lücken im Portfolio schließen - und werden stets mit guter Finanzkraft unterfüttert. Auch grundsätzlich sitzen die deutschen Unternehmen auf bequemen finanziellen Polstern in Form hoher liquider Mittel und können ihre laufenden Investitionen oft genug aus eigener Kraft finanzieren.

Konjunkturell steht die Unternehmenswelt also weiter unter Dampf, trotz aller Verunsicherung an den Finanzmärkten, trotz der zuletzt leichten Abschwächungstendenzen beim Wirtschaftswachstum, die sich in Deutschland in erster Linie auf die Bauindustrie beziehen. Die Mehrzahl der Fachleute ist deshalb davon überzeugt, dass die börsennotierten deutschen Unternehmen ihre Gewinne im laufenden Jahr im Durchschnitt um einen zweistelligen Prozentsatz steigern werden - "problemlos", wie es heißt. Auch deshalb können sie die Turbulenzen an den Kreditmärkten mit einer gewissen Gelassenheit verfolgen.

Realwirtschaftliche Effekte wichtiger als Kapitalmarktturbulenzen

In Amerika sieht die Situation anders aus. Hier ist deutlich spürbar, dass die Krise ihren Ausgang sehr real auf dem Immobilienmarkt genommen hat - und von ihr eben nicht nur Finanzinstitute, sondern auch echte Konsumenten betroffen sind: Soeben mussten die amerikanischen Einzelhandelsketten Wal Mart und Sears ihre Gewinnerwartungen zurückschrauben. Wenig erstaunlich ist auch, dass Home Depot, der größte Betreiber von Baumärkten der Welt, leidet. Dort ist der Gewinn im zweiten Quartal deutlich zurückgefallen. Die amerikanischen Hausbesitzer halten sich angesichts der rückläufigen Hauspreise mit Renovierungen zurück, die Neubauaktivitäten sind rückläufig. Diese realwirtschaftlichen Effekte könnten schließlich für die exportorientierten deutschen Unternehmen wichtiger werden als die Kapitalmarktturbulenzen, die sie leicht wegstecken. Andererseits hört man immer häufiger und nicht zuletzt im boomenden Maschinenbau von der zunehmenden Bedeutung der Absatzmärkte in Indien, China oder Russland. Und dort sind die Leiden überschuldeter amerikanischer Eigenheimbesitzer dann wieder weit weg.

Der produzierenden Wirtschaft in Deutschland wird es in der absehbaren Zukunft auf hohem Niveau weiter gutgehen, auch wenn sich der steile Gewinnanstieg der vergangenen drei Jahre so nicht fortsetzen kann. Vor zu viel Begeisterung dürften in den kommenden Monaten auch der im Vergleich zum Dollar weiterhin teure Euro und die hohen Rohstoffpreise schützen, die nicht zuletzt der für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Automobilindustrie etwas Kummer bereiten. Aus der erreichten Position der Stärke heraus müssen die Unternehmen deshalb hellwach bleiben, um ihren Produktivitäts- und Innovationsvorsprung zu halten. Schon jetzt zeigt sich aber deutlich, wie sehr Deutschland ein Gewinner der vermeintlich so bedrohlichen Globalisierung ist: Amerika allein ist für die deutschen Exporteure nicht mehr entscheidend. Und auch die Kaufzurückhaltung der deutschen Verbraucher wirft kaum noch jemanden aus der Bahn.

Quelle: F.A.Z., 16.08.2007, Nr. 189 / Seite 9
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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