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Trotz Finanzmarktturbulenzen Bundesbank widerspricht Konjunkturpessimismus

19.09.2011 ·  Forschungsinstitute warnen vor einer bedrohlichen Abschwächung der Konjunktur, EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen warnt vor einer möglichen globalen Rezession. Die Deutsche Bundesbank schätzt die Lage deutlich günstiger ein.

Von Philip Plickert, Frankfurt
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Die Deutsche Bundesbank hat dem Konjunkturpessimismus einiger Ökonomen widersprochen. Im dritten Quartal sei trotz der Finanzmarktturbulenzen mit einem „kräftigen Anstieg“ der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Einige Forschungsinstitute hatten zuvor von einer bedrohlichen Abschwächung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und sogar einer kleinen Rezession zum Jahreswechsel gewarnt.

Der finnische Notenbankgouverneur Erkki Liikanen, der Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank ist, warnte jetzt sogar vor einer möglichen globalen Rezession: „Damit die Konjunktur wie prognostiziert nur zeitweise abkühlt, muss das Vertrauen schnell gestärkt werden“, sagte Liikanen am Montag in Helsinki. „Wenn nicht, dann besteht die Gefahr eines Rückfalls in die Rezession.“ Eine Rezession der Weltwirtschaft definiert die finnische Notenbank, falls das Weltsozialprodukt um weniger als 2 Prozent wächst. Hierbei spielt der Beitrag der stark wachsenden Schwellenländer eine wichtige Rolle. In den Vereinigten Staaten ist das Wachstum zuletzt beinahe zum Stillstand gekommen. Auch für Europa erwartet die EU-Kommission in der zweiten Jahreshälfte eine Stagnation. Liikanen sagte, das effektivste Instrument zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Finanzsystem sei eine Rekapitalisierung der Banken.

Privater Verbrauch eine Stütze der Konjunktur

Die Bundesbank-Volkswirte schätzen die Lage in Deutschland offenbar deutlich günstiger ein als andere Ökonomen. Die „harten“ Konjunkturindikatoren wie Industrieerzeugung und Bauproduktion zeigten weiterhin einen Aufwärtstrend. Und die „weichen“ Indikatoren - vor allem die Stimmungsbarometer - zeugten bis einschließlich August von einer weiterhin „ausgezeichneten Lage der deutschen Wirtschaft“. Die Bundesbank erwartet, dass der private Verbrauch nach dem enttäuschenden zweiten Quartal, als die Wirtschaft beinahe stagnierte, deutlich anziehen werde. Darauf deuteten die hohen Umsätze des Einzelhandels von Juni und Juli sowie mehr Autokäufe. Ob sich die starken Aktienkursrückgänge im August negativ auf Konsum und Investitionen auswirke, bleibe abzuwarten. Die mittleren Aussichten hätten sich deutlicher als erwartet eingetrübt, schreibt die Bundesbank im Monatsbericht.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) erwartet, dass sich das Wachstum wegen der Staatsschulden- und der Finanzturbulenzen abschwächen werde. „In eine Rezession dürften aber weder Deutschland noch die globale Konjunktur abgleiten. Dafür sorgen weiter die aufstrebenden Schwellenländer wie China, die kräftig in Deutschland und der Welt einkaufen“, heißt es in der neuen Konjunkturprognose des IW. Für Deutschland erwartet das Institut im kommenden Jahr ein Wachstum von 1,25 Prozent - das ist etwas optimistischer als die großen Forschungsinstitute, die nur 0,8 bis 1,1 Prozent für realistisch halten. Der deutsche Außenhandel werde durch die schwächere Weltkonjunktur einen Dämpfer erhalten und - nach real rund 8 Prozent Plus in diesem Jahr - 2012 nur noch um 3 Prozent zulegen. Auch die Investitionen würden nur noch um 3 Prozent zunehmen. Dagegen bleibe der private Verbrauch eine Stütze der Konjunktur.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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